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Hungersnot Ostafrika: Ute Kirch

Die Menschen im Norden Kenias brauchen längerfristige Hilfe

Ute Kirch, Malteser International Nothilfe-Koordinatorin in Kenia
Ute Kirch, Malteser International Nothilfe-Koordinatorin in Kenia

Interview mit Ute Kirch, Nothilfe-Koordinatorin in Kenia 

Mehr als 12 Millionen Menschen – darunter über eine halbe Million Kinder – sind am Horn von Afrika aufgrund von anhaltender Trockenheit von einer schweren Hungerkatastrophe betroffen. Ute Kirch koordiniert die Nothilfe von Malteser International in Kenia und hat Anfang August den ersten Hilfskonvoi der Malteser mit Nahrungsmitteln nach Marsabit im Norden des Landes begleitet. 

Welche Situation haben Sie dort vorgefunden, Frau Kirch?

Ute Kirch (UK): In dieser ländlichen, kargen Region sind zwei Regenzeiten ausgefallen. Die Familien hier leben traditionell von der Viehzucht. Doch die Weidegründe sind ausgetrocknet, das Vieh stirbt. Die Menschen haben kein Geld, um Nahrungsmittel zu kaufen. Viele Familien können – wenn überhaupt  - nur noch einmal am Tag essen. Es gibt kaum Wasser. Die nächste kleine Regenzeit soll zwar Ende Oktober kommen. Doch selbst wenn sie kommt, wird es viele Monate - wenn nicht Jahre - dauern, bis sich Mensch und Tier von den Folgen dieser Dürre erholt haben.

Wie hilft Malteser International?

UK: Wir haben zunächst für 17.000 Menschen Grundnahrungsmittel nach Marsabit gebracht und verteilen diese in Zusammenarbeit mit der Diözese Marsabit über die von uns unterstützten Gesundheitszentren. Jede Familie erhält zunächst für einen Monat 12 Kilogramm Reis, 6 Kilogramm Bohnen und 2 Liter Speiseöl. Da Kinder, schwangere und stillende Frauen sowie alte und kranke Menschen besonders geschwächt und anfällig sind, bekommen diese protein- und vitaminreiche Zusatznahrung.

Ute Kirch mit Kindern aus dem Dorf Korr im Norden Kenias - auch hier verteilt Malteser International Nahrungsmittel an die Bevölkerung.
Ute Kirch mit Kindern aus dem Dorf Korr im Norden Kenias - auch hier verteilt Malteser International Nahrungsmittel an die Bevölkerung.

Sind weitere Hilfsaktionen geplant?

UK: Dank der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung können wir fast dreimal so vielen Menschen helfen wie ursprünglich geplant und werden noch im August weitere Nahrungsmittel nach Marsabit schicken. Im September wollen wir eine weitere Lieferung für rund 43.000  Menschen organisieren. Und wenn ausreichend Gelder zur Verfügung stehen, wird es weitere Verteilungen geben.

(Aktualsierung: Mitte September startete Mateser Intenational weitere Nothilfe-Maßnahmen auch in der benchbarten Region Isiolo: Hier stellen die Malteser für rund 30.000 Menschen die Grundversorgung mit Nahrungsmitten und Medikamenten - ebenfalls für zunächst vier Monate - sicher.)

Malteser International hat bereits in den Jahren 2006 und 2009 in Marsabit Nothilfe geleistet. Was kann man tun, damit die Menschen im nächsten Jahr nicht wieder unter einer solchen Hungerkatastrophe leiden müssen?

UK: Hier ist ein längerfristiges Engagement gefragt. Malteser International möchte die Menschen  unterstützen, sich für künftige Dürren zu wappnen, damit sie sich eigenständig versorgen können. Wir planen Hilfen im Bereich Ernährungssicherung – beispielsweise durch den Aufbau von Getreidebanken, die sicherstellen, dass es in Dürrezeiten Vorräte gibt. Zudem können Einkommen schaffende Maßnahmen die Bevölkerung etwas unabhängiger von der Viehzucht machen. Möglich wäre die Produktion von Seife aus Knochen und Asche verstorbener Tiere. Dabei dürfen wir jedoch den kulturellen Aspekt nicht vernachlässigen. Denn traditionelle Viehzüchter werden nicht einfach auf andere Lebens- und Einkommensweisen umschwenken. Mit bewusstseinsbildenden Maßnahmen werden wir versuchen, sie für zusätzliche Einkommensquellen zu gewinnen. Weitere wichtige Bereiche sind Ausbau und Stabilisierung der Gesundheits-  und Wasserversorgung. Auch für alle diese Maßnahmen sind wir auf Spenden angewiesen. Denn dann fängt die wirklich nachhaltige Arbeit erst an.

Interview: Petra Ipp-Zavazal (10. August 2011)

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