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Mentale Gesundheit von Flüchtlingen: Normalität gegen das Trauma setzen

Köln. Sie haben oft nur das Nötigste bei sich und sind doch mit schwerem Gepäck unterwegs: Den traumatisierten Menschen zu helfen ist eine immense Herausforderung für die Integration der Hilfesuchenden in eine Gesellschaft, aber keine unlösbare Aufgabe, wie die Erfahrung von Malteser International zeigt: „Die große Mehrheit der Flüchtlinge und Vertriebenen sowie der von Katastrophen betroffenen Menschen sind nicht psychisch krank, sondern leiden unter unterschiedlichen Stressreaktionen: normale Reaktionen auf Ausnahmesituationen wie Krieg, Vertreibung oder den Verlust von Familienmitgliedern", sagt Dr. Marie Theres Benner, Gesundheitsexpertin von Malteser International.

"Zunächst müssen wir den Flüchtlingen einen möglichst raschen Weg zurück in die Normalität ermöglichen, für Sicherheit, Unterkunft, Essen und Arbeit oder Ausbildung sorgen. Das reduziert das Risiko eines langfristigen Traumas enorm. Gerade Kinder erholen sich in einem stabilen Umfeld sehr gut und schnell." Weiterhin sei ist eine längere professionelle psychologisch-soziale Betreuung wichtig, im besten Fall so früh wie möglich nach ihrer Ankunft.

Reaktionen auf traumatische Ereignisse zeigen sich in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. "Wir sehen in unseren Projekten weltweit Menschen, die unter akutem Stress und posttraumatischen Belastungsstörungen leiden“, berichtet Benner. "Emotionale Problem umfassen Trauer, Angst, Resignation, Sorge, Wut und Verzweiflung. Ebenfalls häufig sind kognitive Probleme wie Kontrollverlust, Hoffnungslosigkeit oder sogar medizinisch unerklärliche körperliche Beschwerden sowie soziale Schwierigkeiten und Verhaltensstörungen wie beispielsweise Rückzug, Aggressionen und zwischenmenschliche Probleme."

Einer Studie der TU München zufolge ist fast ein Drittel der aus Syrien stammenden Flüchtlingskinder psychisch belastet und jedes fünfte Kind leidet an posttraumatischen Belastungsstörungen. Unter den Erwachsenen sind die Zahlen sogar noch gravierender: Die deutsche Psychotherapeutenkammer geht davon aus, dass rund die Hälfte der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge, vor allem derjenigen aus den Kriegsgebieten in Syrien, Irak und Afghanistan, psychisch krank ist. Auch Studien aus der Schweiz und aus Dänemark sprechen bei jedem zweiten Flüchtling von einer posttraumatischen Belastungsstörung. 70 bis 80 Prozent der Betroffenen leiden demnach unter Depressionen und Ängsten.

Malteser International engagiert sich in vielen Ländern in der psychosozialen Betreuung der Flüchtlinge und Vertriebenen, u.a. in der Ukraine, im Nordirak und in der Türkei. In der Ukraine können Betroffene  an sieben Standorten u.a. in Kiew und den Regionen Donetsk und Luhansk die Angebote der Malteser zur psychosozialen Unterstützung in Form von Einzel- und Gruppengesprächen nutzen. Im türkischen Kilis kümmert sich Malteser International mit einem Team aus syrischen Psychologen und Sozialarbeitern in einem Feldhospital und einem Gemeindezentrum um syrische Flüchtlinge und deren Familien. Im Nordirak bereitet Malteser International derzeit zusätzlich zur basismedizinischen Versorgung von Vertriebenen in zwei Flüchtlingslagern auch Angebote zur psychosozialen Betreuung vor.

Malteser International ist Mitglied im Ständigen Ausschuss für seelische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung der Vereinten Nationen (IASC Reference Group on Mental Health and Psychosocial Support).

Achtung Redaktionen: Dr. Marie Theres Benner, Gesundheitsexpertin von Malteser International, steht für Interviews zur Verfügung. Vermittlung: +49 221 9822-155, petra.ipp@malteser-international.org

Malteser International bittet dringend um Spenden, um seine Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene ausweiten zu können.
 
Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe weltweitHilfe für traumatisierte Flüchtlinge ist keine unlösbare Aufgabe

Ihr Kontakt

Katharina Kiecol
+49-(0)221-96441-181
Email: katharina.kiecol(at)malteser-international.org

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