Leben mit HIV/AIDS in Myanmar

Wie Nila* nach einer Tragödie neue Hoffnung schöpft

In der abgelegenen Wa Region hat Malteser International HIV-Tests und Behandlungen mit Aufklärungskampagnen verknüpft.
In der abgelegenen Wa Region hat Malteser International HIV-Tests und Behandlungen mit Aufklärungskampagnen verknüpft. Foto: Valeria Turrisi

Vermutlich machst Du Dir niemals Gedanken darüber, dass der Begriff „AIDS“ einmal ein wichtiges Thema in Deinem Leben werden könnte. Wahrscheinlich denkst Du, dass diese lebensbedrohliche Krankheit niemals zu einem persönlichen Problem für Dich werden wird. Denn sie wird Dich oder jemanden aus Deiner Familie oder Deinem Freundeskreis niemals treffen.

Früher dachte ich genauso. Ich bin Nila, eine ganz gewöhnliche Hausfrau. Ich dachte immer, dass AIDS mich nicht direkt betrifft. Denn ich verbrachte ja die meiste Zeit zuhause und setzte meine Gesundheit auch niemals irgendwelchen Risiken aus. Aber ich konnte nicht verhindern, dass das Schicksal auch mich heimsuchte.

Mein Mann hatte eine Arbeit, die ihn zwang, viel zu reisen. Er war oft unterwegs und verbrachte nur wenig Zeit mit mir und den Kindern. Deshalb wusste ich auch nicht viel über seinen Alltag und sein Leben außerhalb unserer Familie. Wie es unserer Tradition entspricht, war ich zufrieden, mich zuhause um unsere beiden Kinder zu kümmern, solange wir nur genug zu essen hatten – auch wenn mein Mann nur wenig Geld verdiente. Letztendlich war unser Leben schön und friedlich.

Die gefährliche, lebensbedrohliche Krankheit traf meinen Mann völlig überraschend, ohne irgendeine Vorwarnung auf. Da er keine Ahnung davon hatte, dass der den HI-Virus in sich trug, drang die Krankheit in unser friedvolles Familienleben ein, ohne dass wir es zunächst bemerkten.

Doch dann wurde mein Mann von Tag zu Tag schwächer. Bald konnte er nicht mehr arbeiten gehen. Schließlich mussten wir ihn ins Krankenhaus bringen. Der Arzt erklärte uns, dass mein Mann mit „AIDS“ infiziert sei. Da unsere Region sehr arm ist, gab es im Krankenhaus keine Möglichkeit, um diese Krankheit zu behandeln. Doch glücklicherweise erzählte mir ein Mitarbeiter des Krankenhauses von einer Organisation – Malteser International - , welche die Krankheit behandelt. Sie stellten einen Kontakt her. Für meinen Mann war es leider schon zu spät: Er starb und ließ mich mit den Rechnungen für das Krankenhaus und den Arzt zurück.

Um ganz ehrlich zu sein: Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich kaum etwas über AIDS. Mir war nur bekannt, dass die Krankheit tödlich ist. Meine Nachbarn sagten mir, dass im schlimmsten Fall unsere gesamte Familie infiziert sein könnte. Ich dachte nur: „O Gott, nicht nur ich, sondern auch meine zwei Kinder werden möglicherweise an dieser teuflischen Krankheit sterben.“ So ging ich zu Malteser International zur Beratung und erfuhr, dass ich mich auf HIV/AIDS testen lassen musste.

Die Testergebnisse waren eindeutig: Auch ich war infiziert. In diesem Moment erschien mir mein Leben schwärzer als in einer mondlosen Nacht. Ich hatte schreckliche Angst und dachte sogar an Selbstmord.

Doch dann kamen mir sofort meine Kinder in den Sinn. Auch sie waren getestet worden - und glücklicherweise nicht infiziert.

Die Mitarbeiter von Malteser International standen mir bei, so gut sie konnten. Da ich kein eigenes Einkommen habe, konnte ich die Miete nicht mehr zahlen. Da setzten sich die Malteser mit einer lokalen Organisation in Verbindung, die eine warme Unterkunft für mich und meine Kinder vermittelte. Über das Welternährungsprogramm, das Malteser International kontaktiert hatte, erhielten wir tägliche Nahrungsmittel-Rationen. Doch was am allerwichtigsten war: Malteser International sorgte für meine kostenlose Behandlung, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Zu Beginn der Behandlung verschlechterte sich mein Zustand, so dass ich häufig zu der von Malteser International unterstützten Gesundheitsstation gehen musste. Manchmal kamen der Arzt und die Krankenschwester sogar zu uns nach Hause.

Doch nach einer Weile verbesserte sich mein Gesundheitszustand dank der Medikamente, die ich von Malteser International erhielt. Da ich nie eine Schule besucht habe, konnte ich die Namen der Medikamente und die Vorgaben zur Einnahme und Dosierung nicht lesen. Die Mitarbeiter von Malteser International erklärten mir, wie oft ich welche Medikamente einzunehmen hatte, und zeigten mir, wie ich ein gesünderes Leben führen konnte.

Ich weiß nicht, wie ich meine tiefe Dankbarkeit für die Hilfe von Malteser International während meiner Behandlung zum Ausdruck bringen soll. Dank dieser Unterstützung konnte ich neue Hoffnung schöpfen. Ich habe auch begonnen, Gemüse anzubauen bei unserer Übergangsunterkunft, um so für eine vitaminreichere Nahrung zu sorgen und gleichzeitig unser Einkommen zu verbessern.

Der Arzt empfahl mir, jedes Mal in den Spiegel zu schauen, wenn ich meine Medizin nehme, um zu sehen, wie sich mein Zustand verbessert. Als ich in den Spiegel schaute, dachte ich: „Was wäre gewesen, wenn Malteser International nicht für uns dagewesen wäre? Wo wären meine beiden Kinder und ich jetzt?“

 

* Name geändert 

 

Kommentare

Zidaneberhatigapcil, 12-07-12 21:06:
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