Malteser International investiert in Mutter-Kind-Gesundheit im ländlichen Kambodscha
Wie kann die Arbeit von Malteser International das Leben von Menschen verändern? Und warum ist humanitäre Arbeit nicht nur nach Katastrophen, sondern auch immer dann wichtig, wenn essentielle Bedürfnisse chronisch nicht erfüllt werden – wie beispielsweise in der Provinz Oddar Meanchey in Kambodscha? Eun Dav ist eine der Frauen in Kambodscha, deren Leben sich durch die Malteser verändert hat:
Eun Dav ist 28 Jahre alt und lebt mir ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Kok Sangkeuch, einem kleinen Dorf im Nordwesten von Kambodscha. Wie die meisten Landbewohner Kambodschas lebt die kleine Familie von der Landwirtschaft, doch das Einkommen reicht kaum aus, um jeden Tag eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bringen.
„Doch die schlimmen Zeiten sind vorbei“, erzählt Eun. „2005 hätte ich meine Tochter fast verloren.“ Sie brachte ihr erstes Kind zuhause* auf die Welt, lediglich mit der Unterstützung von traditionellen, ungelernten Hebammen. „Nach der Geburt hatte ich dauernd Fieber und konnte meine kleine Tochter Tilda nicht ausreichend stillen. Wir wussten aber nicht, wie man gesunde Babynahrung zubereitet,“ erinnert sich Eun Dav. „Wir gaben Tilda deswegen Zuckerwasser. Sie war vom ersten Tag an eine Kämpferin.“ In den ersten sechs Monaten war Tilda jedoch oft krank und die Familie gab viel Geld aus, um sie in eine weit entfernte, private Klinik zu bringen und dort behandeln zu lassen. „Die teure Klinik war unsere einzige Möglichkeit, da die nächste Gesundheitsstation oft nicht geöffnet war und wir auch nicht von der Qualifikation der Mitarbeiter dort überzeugt waren.“ Diesen Schicksalsschlag konnte Eun‘s Familie so gerade noch abwenden.
Kurz nachdem Tilda auf die Welt gekommen war, gründete Malteser International im Rahmen eines Programms zur Mutter-Kind-Gesundheit eine Mütter-Beratungsgruppe** in Kok Sangkeuch. Um außerdem die Qualität der Gesundheitszentren der Region zu verbessern, begleitet und unterstützt Malteser International auch die staatlichen Hebammen und Krankenschwester dort in ihrer Arbeit.
2009 wurde Eun ein zweites Mal schwanger. „Dieses Mal war ich durch die Informationen aus der Müttergruppe viel besser vorbereitet und wusste, an wen ich mich mit meinen Fragen wenden kann. Die Angst, mein Baby zu verlieren, wollte ich nicht wieder verspüren.“ Als es soweit war, ging sie ins nächste Gesundheitszentrum. „Ich wurde herzlich willkommen geheißen und fühlte mich wohl. Inzwischen hatte ich Vertrauen zu den Hebammen dort, da sie durch Malteser International viel gelernt hatten.“
Beschützend hält Eun ihre zweite Tochter Channa im Arm. Sie engagiert sich in der Mütter-Beratungsgruppe ihres Dorfes und pflanzt Gemüse in einem kleinen Garten vor ihrem Haus an, um ihren Töchtern eine ausgewogene Ernährung zu ermöglichen. „Dieses Mal wurden weder ich noch mein Kind krank,“ sagt sie und lächelt.
*Stichwort Hausgeburt:
Hausgeburten sind in Kambodscha vor allem in den ländlichen Gegenden üblich, in denen die nächste Gesundheitseinrichtung oft nur durch lange Fußmärsche zu erreichen ist, da Transportmöglichkeiten fehlen bzw. für viele Familien nicht erschwinglich sind. Aber auch wenn das nächste Gesundheitszentrum erreicht wird, können die Krankenschwestern und Hebammen nicht immer helfen, da sie entweder unzureichend ausgebildet sind oder die Medikamente fehlen. All diese Faktoren führen in Kambodscha zu einer hohen Kinder- und Müttersterblichkeit: 45 von 1.000 lebend geborenen Säuglingen sterben, bevor sie ein Jahr alt werden.
**Stichwort Mütterberatungsgruppen:
In regelmäßigen Treffen diskutieren die Frauen dort verschiedene Aspekte rund um die Themen Gesundheit und Ernährung; sie werden auch während ihrer Schwangerschaft und nach der Entbindung unterstützt. Die Gruppen werden von Freiwilligen geleitet, die von Gesundheitsberatern der Malteser ausgebildet werden. Nach ihrer Ausbildung klären die Freiwilligen die Frauen und traditionellen Hebammen unter anderem über verschiedene Aspekte der Schwangerschaftsvor- und Nachsorgeuntersuchungen, Ernährung und Geburtsvorbereitung auf. Ein wesentlicher Bestandteil dabei ist das Bekanntmachen der Dienstleistungen der Gesundheitszentren.
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