Interview mit Roland Hansen, Abteilungsleiter für Asien und Haiti
Katastrophenvorsorge dient der Schadensminimierung

- Roland Hansen, Abteilungsleiter für Asien und Haiti bei Malteser International
Herr Hansen, Sie sind Abteilungsleiter Asien und Haiti von Malteser International. Neben der direkten Hilfe nach einer Katastrophe ergreifen die Malteser bereits im Vorfeld extremer Naturereignisse wichtige Maßnahmen der Katastrophenvorsorge. Was kann man unter Katastrophenvorsorge im Allgemeinen verstehen?
Katastrophenvorsorge dient letztendlich der Schadensminimierung. Wenn Menschen auf eine bevorstehende Naturkatastrophe vorbereitet sind, ist der Schaden in der Regel geringer. Man rechnet da in einem Größenverhältnis von eins zu sieben, das heißt, Investitionen in Katastrophenvorsorge reduzieren die Kosten um den Faktor sieben, mit anderen Worten: 1 Euro in Katastrophenvorsorge investiert, reduziert den Schaden um 7 Euro.
Katastrophenvorsorge versucht also, Menschen in katastrophengefährdeten Gebieten bestmöglich auf einen Katastrophenfall vorzubereiten und somit die oft verheerenden Folgen einer Katastrophe möglichst gering zu halten. Was sind denn konkrete Maßnahmen der Katastrophenvorsorge?

- In Shakar Dar wird eine Schutzmauer gebaut, um in Zukunft das Ackerland vor Überschwemmungen zu schützen.
Das Wichtigste ist, dass die Menschen sich selber organisatorisch vorbereiten, das heißt, dass alle Kräfte, die im Falle einer Katastrophe zum Einsatz kommen sollen – das wären hier in Deutschland beispielsweise Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste oder etwa das Technische Hilfswerk, und ähnliche Strukturen gibt es oft auch in anderen Ländern – sich gut aufeinander abstimmen und einen entsprechenden Einsatzplan haben. Diese organisatorischen Dinge sind eigentlich das Essentielle.
Hinzu kommt, dass die eventuell betroffene Bevölkerung ebenfalls überhaupt das Bewusstsein bekommt, dass es von Vorteil ist, sich vorzubereiten. Das Wichtigste überhaupt ist meist, Evakuierungspläne zu kennen und auch einzuüben. Die Malteser und andere Organisationen üben mit der Bevölkerung in katastrophengefährdeten Gebieten das richtige Verhalten im Katastrophenfall.
Darüber hinaus gibt es auch Maßnahmen, die zur Reduzierung des eventuellen Schadens beitragen können. Beispielsweise kann man bei Fluten in Gebirgsregionen, die durch Sturzbäche, Hochwasser oder Ähnliches ausgelöst werden können, die Schäden begrenzen, indem man an den Flüssen gewisse Schutzverbauungen errichtet, damit die Häuser nicht von den anschwellenden Gebirgsbächen weggerissen werden, wie wir das zum Beispiel in Pakistan gesehen haben. Auch Dämme können gebaut werden, Häuser durch entsprechende Baumaßnahmen erdbebensicherer gemacht und gegen starke Stürme geschützt werden. Das gehört ebenfalls mit zur Katastrophenvorsorge, das ist dann eher die technische Seite.
In Ichinoseki in Japan wird demnächst das Kinderheim „Fujinosono“ neu gebaut, nachdem das alte Heim von dem verheerenden Erdbeben extrem beschädigt wurde und im Falle eines erneuten Bebens nicht mehr sicher ist. Werden auch hier Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge getroffen und wie sehen diese konkret aus?

- Dr. Hoshi installiert den neuen Holzofen für das Kinderheim in Ichinoseki. Foto: Caritas-Kazushi Abe
Ja, weil u.a. die betroffenen Kinder des Heimes sich nicht ausreichend vorbereitet fühlten. Sie mussten in den ersten Wochen nach dem Beben unter ganz erbärmlichen Umständen in einer Turnhalle auf dem Boden schlafen, ständig in Angst, dass auch diese Turnhalle einstürzen könnte. Gleichzeitig existierte keine Stromversorgung – womit in dem Land bisher klassischerweise geheizt wurde – und auch keine stabile Wasserversorgung, sodass also die hygienischen Umstände sehr schlecht und die Temperaturen so niedrig waren, dass einfach keine wirklich gesunde Atmosphäre für die Kinder existierte.
Daraus hat der Trägerverein des Kinderheims gelernt und sich zum Ziel gesetzt, für zukünftige Fälle dieser Art vorzusorgen. Unterstützt von Malteser International will dieser nun das neue Gebäude erdbebensicherer, energieeffizient und mit eigener regenerativer Stromversorgung und eigener Wassernotreserve bauen. Das Kinderheim wird kann dadurch auch für 120 Menschen aus der Gemeinde als eines der Evakuierungszentren und insbesondere für Menschen mit Behinderungen dienen. Die städtische Behörde ist darüber sehr glücklich.
In welchen anderen Gebieten der Welt sind die Malteser derzeit im Bereich der Katastrophenvorsorge aktiv?

- Freiwillige in den Dörfern organisieren die Evakuierung während eines aufziehenden Tropensturms. Foto: Valeria Turrisi
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge in allen Regionen zu treffen, in denen wir mit besonders starken und zahlreichen Naturkatastrophen zu rechnen haben. Asien ist gewissermaßen der Hotspot der Naturkatastrophen, gerade um den Feuerring um den Pazifik herum gibt es regelmäßig Erdbeben, Tsunamis und auch Vulkanausbrüche. Allein in dieser Region um Indonesien bis hin nach Myanmar entlang der thailändischen Küste, wo 2004 die verheerende Tsunamikatastrophe war, haben wir seit einiger Zeit bereits entsprechende Katastrophenvorsorgeprojekte.
Auch in Indien haben wir mit entsprechenden Partnern Projekte umgesetzt und in Pakistan, wo es 2005 das Erdbeben gab. Die Regierungen in der ganzen Region haben eigentlich erst nach diesen großen Katastrophen selber das Bewusstsein bekommen, mehr tun zu müssen und entsprechend auch mit den Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten.
Darüber hinaus haben wir auch in Haiti, was auch erdbebengefährdet gelagert ist und gleichzeitig von vielen Hurrikans heimgesucht wird, die immer wieder zu Verwüstungen führen, das Thema Katastrophenvorsorge aufgegriffen und entsprechende Projekte inzwischen in der Implementierung.
Interview: Jana Wehlburg (Januar 2012), www.aktion-deutschland-hilft.de









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