Ituri und Haut Uélé / Demokratische Republik Kongo

Auf dem Weg zu einem funktionierenden Gesundheitssystem

Das Motorrad des Ausbilders - Motorräder sind ein praktisches Fortbewegungsmittel im Ostkongo.
Durch Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter wird das Gesundheitssystem im Ostkongo verbessert.

Obwohl die Demokratische Republik Kongo reich an natürlichen Ressourcen wie Mineralien, Diamanten, Gold, und tropischen Regenwäldern ist, gehört das Land zu den ärmsten der Welt – mehr als 75% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Über Jahrzehnte wurde das Land geschwächt durch eine schlechte Regierungsführung und eine Vielzahl bewaffneter Konflikte, die Tausenden das Leben kosteten und weitere Millionen zwangen, ihre Heimat zu verlassen. Viele qualifizierte Fachkräfte wanderten ins Ausland ab und ein Großteil der Infrastruktur - in der Regel noch aus der Kolonialzeit - ist zusammengebrochen.

Dieser fragile Zustand des Landes spiegelt sich in den schwachen oder gar inexistenten öffentlichen Sozialleistungen wider, insbesondere in der Gesundheitsversorgung. Die öffentliche Gesundheitsversorgung arbeitet nach dem Prinzip autonomer Profit-Centers. Die einzelnen Gesundheitseinrichtungen müssen sich selbst versorgen, und jeder Patient, der ihre Leistungen in Anspruch nimmt, muss dafür bezahlen.

Der Wiederaufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems

Seit 2006 beteiligt sich Malteser International an von der Europäischen Union finanzierten Programmen des Gesundheitsministeriums zur Entwicklung des Gesundheitssystems in der Demokratische Republik Kongo. Innerhalb dieses Programms hat Malteser International im Sommer 2011 ein auf drei Jahre ausgerichtetes Projekt im Gesundheitsdistrikt Aru, in der Provinz Orientale im Nordosten des Landes an der Grenze zu Uganda, begonnen. Insgesamt umfasst das Programm 13 Gesundheitszonen mit rund 125 Basisgesundheitszentren, Referenzkrankenhäusern und einem regionalen pharmazeutischen Depot.

Ziel ist es, den Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems zu unterstützen, eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und so zu einem verbesserten Gesundheitszustand der Bevölkerung beizutragen. Dazu gehört, dass:

  • Gesundheitszentren eine qualitativ hochwertige Basisgesundheitsversorgung in adäquaten Räumlichkeiten anbieten.
  • Gesundheitszentren regelmäßig mit subventionierten Medikamenten versorgt werden.
  • Referenzkrankenhäuser eine gute Sekundärversorgung der Patienten sicherstellen.
  • lokale Gesundheitsbehörden die Qualität der Versorgung überwachen und die Führung der Gesundheitsstrukturen evaluieren.

Da die Programmregion, in der 1,7 Millionen Menschen leben, fast doppelt so groß ist wie Nordrhein-Westfalen, aber kaum über ein funktionierendes Straßennetz und Infrastruktur verfügt, stellt diese Aufgabe eine große Herausforderung dar.

 

Subventionierte Medikamente

Über ein regionales Medikamentenlager mit zwei Auslieferungsstellen erhalten alle am Programm teilnehmenden Gesundheitseinrichtungen Medikamente und medizinisches Zubehör mit einem jährlichen Volumen von rund einer Million Euro. Das ehemals von Malteser International und der Diözese von Mahagi gegründete Medikamentenlager ist heute eine unabhängige und von den Kirchen, Malteser International, den Gesundheitsdistrikten und der Zivilgesellschaft unter dem Namen Caamenihu gemeinsam geführte gemeinnützige Einrichtung. Caamenihu sichert auch eine konstante Versorgung für alle Nothilfe-Projekte von Malteser International in der Region.

 

Qualitätsmanagement

Um die Behandlungsqualität zu verbessern, hat Malteser International Schulungsprogramme für medizinisches Personal - Krankenpfleger, Krankenschwestern, Hilfspfleger, Hebammen -auf allen Ebenen organisiert. Durch die Einführung eines Qualitätsmanagements und regelmäßiger Fortbildungen haben sich Diagnostik und Verschreibungspraxis bereits in den vorherigen Programmen verbessert.

Das jetzige Programm konzentriert sich in besonderer Weise auf die Referenzkrankenhäuser. Malteser International hat Planungshilfen entwickelt, die den Krankenhäusern eine Selbstevaluation ermöglichen, um gezielt Schwachstellen im Management und in den Dienstleistungen der Abteilungen zu erkennen. Gemeinsam wird dann an konkreten Verbesserungen gearbeitet.

Ein ähnliches Modell erlaubt es auch den lokalen Gesundheitsbehörden, ihre Monitoring- und Evaluationsfähigkeiten zu verbessern.

  • Sicherung der permanenten Verfügbarkeit von Medikamenten und medizinischem Zubehör in den Gesundheitseinrichtungen
  • Verbesserung des Behandlungsangebots und der Qualität der Behandlung in ausgewählten Referenzkrankenhäusern des Gesundheitsdistrikts
  • Verbesserung des Qualitätsmanagements und des Monitorings der lokalen Gesundheitsbehörden
  • Einbeziehung der Bevölkerung in die Entwicklung und Führung ihrer Gesundheitsstrukturen
  • Versorgung mit subventionierten Medikamenten, medizinischem Zubehör und Labormaterial über das regionale Medikamentenlager und unter Mitwirkung der lokalen Gesundheitsbehörden
  • Qualifizierte Aus- und Weiterbildung sowie Supervision des medizinischen Personals auf allen Ebenen des Gesundheitssystems
  • Einführung, Weiterentwicklung und Überwachung einer Selbstevaluierung der Referenzkrankenhäuser und finanzielle Unterstützung der daraus entstehenden Aktivitäten
  • Rehabilitation, Wiederaufbau, Erweiterung und Ausstattung von ausgewählten Gesundheitseinrichtungen
  • Unterstützung der lokalen Gesundheitsbehörden zur Verbesserung von Management, Monitoring und Evaluierung durch leistungsorientierte finanzielle Unterstützung
  • Einführung einer gemeindebasierten Krankenversicherung als Pilotprojekt in einer Gesundheitszone des Gesundheitsdistrikts
Projektdaten
Dauer:Seit 2006 fortlaufend
Finanzierung:EuropeAid/CoFED, Malteser International
Partner:Gesundheitseinrichtungen (Gesundheitszentren und Referenzhospitäler), lokale und nationale Gesundheitsbehörden, Bevölkerung
 
Kontakt
Malteser:Dr. Sibylle Gerstl
info(at)malteser-international.org
 

Mediathek

Mit den Menschen für die Menschen - Malteser International in Afrika (2007, ich.tv)
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