Distrikt Kohistan / Provinz Khyber Pakthunkhwa / Pakistan

Die Katastrophe nach der Katastrophe verhindern: Winterhilfe im Himalaja

Natürlich gab es keine großflächigen Überschwemmungen im bergigen Palas Tehsil. Die Zerstörungen durch die Fluten waren vielmehr auf einen schmalen Bereich entlang der Gebirgsbäche beschränkt, die durch die heftigen Regenfälle massiv angeschwollen waren. Zusätzlich zerstörten Schlammlawinen viele Straßen, Feldterrassen, Bewässerungskanäle und Häuser. Viele dieser Menschen, die weit oben im Himalaya wohnen, waren bereits zum vierten Mal in ihrem Leben von einer solchen Katastrophe betroffen. Da sie auf 3.000 Meter Höhe leben, erreichte die Hilfe von außen sie nur schwer und bis zum Beginn des langen und harten Winters überhaupt nicht.

Deswegen mussten die Bewohner von Palas im Spätherbst reagieren. Sie wussten, dass sie nicht ohne ihre Häuser und Besitztümer überleben konnten, wenn der Schnee die Gegend bedecken würde. Deswegen machten sich viele von ihnen auf den Weg in tiefer gelegene Gebiete. Dies bedeutete weniger Schnee, aber auch ein erschwertes Überleben, da viele Familein Zuflucht bei Verwandten suchten. Um diese Menschen zu unterstützen, begann Malteser International eine Winterhilfskampagne. Die Teams versorgten die am stärksten betroffenen Familien mit winterfesten Notunterkünften und einem Hilfsgüterpaket, das warme Decken, Brennstoff sparende Öfen, Dämmmaterial und Küchenausstattung enthielt. Viele der Notunterkünfte und Hilfsgüter mussten per Hubschrauber zu den betroffenen Familien geflogen werden.

In einigen Gebieten von Palas hatten die Bauern im Herbst 2010 noch ihre Maisernte einfahren können. Doch die Flut hat viele der Wassermühlen weggeschwemmt. So war es kaum möglich, das Korn zu mahlen. Malteser International stellte den Dörfern, die ihre Mühlen verloren hatten, 35 Dieselmühlen zur Verfügung und ermutigte die Bewohner, die Mühlen langfristig zu betreiben und zu warten.

Winterhilfe in Kohistan: Notunterkünfte in Tunnelform (im Vordergrund) können die Schnee und Kälte trotzen. Die von der Flut betroffenen im Himalaja brauchen sie dringend.
Winterhilfe in Kohistan: Notunterkünfte in Tunnelform (im Vordergrund) können die Schnee und Kälte trotzen. Die von der Flut betroffenen im Himalaja brauchen sie dringend.
Die Hilfsgüter werden abgeladen.
Die Hilfsgüter werden abgeladen.
Die Empfänger der Hilfe werden registriert, bevor sie Hilfsgüter erhalten.
Die Empfänger der Hilfe werden registriert, bevor sie Hilfsgüter erhalten.

Es waren die schwersten Überflutungen seit Beginn der Aufzeichnung: Im Juli und August 2010 ließen heftige Monsunregenfälle die Flüsse in Pakistan schnell ansteigen. Im Norden des Landes rissen Sturzfluten der Gebirgsbäche alles mit, was zu nah am Fluss gebaut oder gelagert worden war: Brücken und Straßen, Häuser und das Hab und Gut vieler Menschen. Matsch- und Schlammlawinen blockierten Straßen, viele Kommunikationswege wurden zerstört. Im Süden Pakistans sorgte eine Flutwelle entlang des Indus für weiträumige Überschwemmungen, die das Tiefland mehrere Monate lang unter Wasser stehen ließen. Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In allen betroffenen Gebieten verloren Menschen ihre Einkommensquelle, als Schlamm ihre Felder bedeckte, das Wasser ihre Ernte zerstörte und Nutztiere starben. Mehr als 20 Millionen Menschen waren von der Flut betroffen, 1.750 kamen ums Leben.

Der Wiederaufbau wird mehrere Jahre dauern – genauso wie das Engagement von Malteser International. Der Grundsatz des „build back better“ ist dabei besonders wichtig: Die Malteser unterstützen die Gemeinden dabei, ihre Lebensbedingungen - verglichen mit der der Situation vor der Flut - zu verbessern und ihre Verwundbarkeit im Hinblick auf zukünftige Katastrophen - seien sie natürlich oder von Menschen verursacht - zu verbessern.

Malteser International arbeitet seit dem Erdbeben im Oktober 2005 in Pakistan. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gesundheit und Katastrophenvorsorge. Präsent zu sein bedeutet für Malteser International auch immer, schnell auf sich neu entwickelnde Notsituationen reagieren zu können.

  • Verteilung von winterfesten Notunterkünften und Hilfsgütern an von der Flut betroffene und obdachlose Familien in drei Tehsils des Distrikts Kohistan
  • Verbesserung der Nahrungsmittelsicherheit durch die Bereitstellung von Dieselmühlen
  • Bereitstellung von einfach zu erbauenden, wieder verwendbaren und winterfesten Tunnelnotunterkünften für 515 von der Flut betroffene Familien
  • Trainings im Aufbau der Tunnelnotunterkünfte, um eine Weiternutzung nach der Rückkehr in die Heimatdörfer zu ermöglichen
  • Verteilung von an den Winter angepassten Hilfsgüterpaketen mit (Stepp-)Decken, Matten, Brennstoff sparenden Öfen und Küchenausstattung  an 2.115 Familien
  • Bereitstellung von 35 Dieselmühlen für Gemeinden, die ihre Wassermühle verloren haben
Projektdaten
Dauer:seit November 2010
Finanzierung:Auswärtiges Amt (Deutschland), Aktion Deutschland Hilft, Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Deutschland), Malteser International, Spenden
Partner:Sungi, Paiman und Caravan
 
Kontakt
Malteser:Dr. Jürgen Clemens
info(at)malteser-international.org
 

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