EN | DE | FR
Jetzt Spenden

Slumbewohner lernen, sich selbst zu helfen

Die schätzungsweise 200.000 bis 400.000 Menschen, die in Cité Soleil, einem der größten Slumgebiete der westlichen Hemisphäre, auf einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern leben, müssen täglich um ihr Überleben kämpfen. Um ihr Hungergefühl zu unterdrücken, essen viele sogar aus Lehm und Salz gebackene Fladen. Die Menschen wissen nicht, wie wichtig Hygiene ist. Es gibt kaum Latrinen.  Bereits vor dem schweren Erdbeben im Jahr 2010 war die Situation in diesem dicht bevölkerten Slum in Port-au-Prince desolat. Und trotz des Bebens und der häufigen Überschwemmungen und Zerstörungen durch Hurrikane wissen die meisten Menschen nicht, wie sie sich besser auf Katastrophen vorbereiten und vor deren Auswirkungen schützen können.

Der Bund der Jugendlichen für die Entwicklung der Gemeinde Cité Soleil (UJEDCOCIS) und weitere lokale Organisationen möchten diese Situation durch Eigeninitiative und freiwilliges Engagement verändern. Häufig jedoch fehlen ihnen die nötigen Kenntnisse darüber, wie man Projekte leitet und umsetzt. Um den Slumbewohnern nachhaltig Selbsthilfe zu ermöglichen, fördert Malteser International vier ausgewählte Partnerorganisationen und stärkt ihre Management-Kenntnisse und ihre technischen Fähigkeiten. Gemeinsam verbessern wir die sanitäre Grundversorgung im Slumgebiet und setzen Maßnahmen zur  Katastrophenvorsorge um, um die Lebensbedingungen der Menschen von Cité Soleil nachhaltig zu verändern und ihnen einen Alltag in Gesundheit und Würde zu ermöglichen.

Im Anschluss an ein Projekt zur Cholera-Prävention in 17 Camps im Großraum Port-au-Prince konzentriert sich Malteser International vor allem auf das extrem bedürftige Slumgebiet Cité Soleil in der haitianischen Hauptstadt. Hier arbeiten wir mit lokalen Gruppen und Organisationen zusammen, welche die Lebensbedingungen der Slumbewohner in Eigeninitiative verbessern möchten. In einem ersten Projekt, welches im Januar 2013 abgeschlossen wurde,  reparierten wir die Latrinen in 16 Schulen und bildeten so genannte Schulbrigaden aus, damit die Schüler besser auf künftige Katastrophen vorbereitet sind. Mit unserem aktuellen Projekt führen wir diese Arbeit nicht nur fort, sondern weiten sie auch aus. Langfristig sollen unsere lokalen Partner die Verantwortung für die Projekte übernehmen und die Aktivitäten eigenständig weiterführen.

In Cité Soleil lebt die Bevölkerung größtenteils unter der Armutsgrenze. Die Menschen verdienen sich ihren mageren Lebensunterhalt meist durch Arbeit als Tagelöhner und erhalten weniger als den offiziellen Mindestlohn. 

Die sanitäre Situation im Slumgebiet ist sehr schlecht: Die Bewohner von Cité Soleil haben kaum Zugang zu Latrinen. Aufgrund ihres mangelnden Hygienebewusstseins sammelt sich viel Müll auf den Straßen. Dieser verstopft immer wieder die Kanäle und führt bei Regen zu heftigen Überschwemmungen, die Müll und Fäkalien bis in die Häuser schwemmen.

  • Fortbildung/Qualifizierung von vier lokalen Organisationen in Projektmanagement und Organisationsstruktur
  • Aufbau von Freiwilligenstrukturen zur Vermittlung von Wissen über richtiges Hygieneverhalten, zur Beseitigung von Müll und zur Reinigung von durch Müll verstopften Kleinkanälen
  • Bessere Vorbereitung der Bevölkerung auf künftige Katastrophen durch Sensibilisierung für Risiken und Vermittlung einfach durchzuführender Vorsorgemaßnahmen auf Haushaltsebene mit besonderem Augenmerk auf die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung
  • Bessere Vorbereitung der Schüler von sechs Schulen auf künftige Katastrophen durch Sensibilisierung für Risiken sowie Ausbildung und Ausstattung von Schulbrigaden in Evakuierung und Erster Hilfe

  • Training der lokalen Partner in Management und Qualitätskontrolle von Projekten
  • Unterstützung der lokalen Partner in der Ausarbeitung tragfähiger interner Strukturen
  • Aufbau und Ausbildung eines Netzwerkes von Freiwilligen, die ihre Mitbürger über richtiges Hygieneverhalten aufklären
  • Freiwilligenaktionen zum Einsammeln des Mülls und zur Reinigung von Kleinkanälen
  • Verteilung von Mülleimern
  • Aufklärung der Slumbewohner in den Bereichen Wasser, Sanitär und Hygiene, damit sie nicht nur Bewusstsein für diese Themen entwickeln, sondern auch ihr Verhalten in Bezug auf Hygiene und Müllbeseitigung ändern
  • Erarbeitung und Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der sanitären Grundversorgung gemeinsam mit Partnerorganisationen und Slumbewohnern
  • Pilotprojekt zur getrennten Entsorgung von organischem Müll
  • Ausbildung von vier Wasserkomitees zur Verwaltung eigener Wasserkioske in Zusammenarbeit mit der nationalen Wasserbehörde DINEPA
  • Veröffentlichung eines Angebotskatalogs lokaler Handwerker („Gelbe Seiten“), um Angebot und Nachfrage zur Instandhaltung sanitärer Infrastruktur besser zu verknüpfen
  • Erarbeitung und Vermittlung des Wissens darüber, wie Familien sich im Fall einer Katastrophe einfach schützen können, einschließlich Einrichtung einer Beratungsstelle bei der Gemeindeverwaltung von Cité Soleil
  • Hausbesuche bei Familien, die für ein Familienmitglied mit Behinderung sorgen, um gemeinsam einen Plan für den Katastrophenfall zu entwickeln
  • Theoretische und praktische Ausbildung von sechs Schulbrigaden
  • Gemeinsame Definition von Hauptrisiken an den Schulen, Erarbeitung von Notfall- und Evakuierungsplänen, Evakuierungsübungen

Länderinfos

Hauptstadt: Port-au-Prince
Fläche: 27.750 km²
Bevölkerung: ca. 10,4 Millionen

Projektdaten

Laufzeit: seit Februar 2013
Finanzierung: EuropeAid und Spenden
Partner: Union des Jeunes pour le Développement de la Commune de Cité Soleil (UJEDCOCIS) und drei weitere Organisationen der sozialen Bewegung « Mouvement Soley Leve »


Letzte Änderung: Juni 2016

Unterstützen Sie unsere Hilfe mit Ihrer Spende und helfen Sie Menschen in Not!
Jetzt Spenden