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Besser vor den Folgen des Klimawandels geschützt

Malteser International setzt sich seit Juli 2015 in den Departments Magdalena und La Guajira für sichere Lebensgrundlagen afro-kolumbianischer und indigener Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise der Wayu ein.

Aufgrund von bewaffneten Konflikten wurden die rund 4.000 Bewohner meist mehrfach von ihrem Land vertrieben und haben dadurch ihre Lebensgrundlagen verloren. Es fehlt ihnen sowohl an dem nötigen Wissen als auch an finanziellen Möglichkeiten, um ihre Situation alleine zu verbessern. Zudem gefährdet insbesondere der Klimawandel die natürlichen Ressourcen und somit auch die Lebensgrundlagen, die Ernährung und Entwicklungsmöglichkeiten der ansässigen Bevölkerung.

Wir setzen uns in einer Region, die unter stark fortschreitender Abholzung leidet dafür ein, dass der wechselseitige Einfluss des Menschen und der natürlichen Ressourcen und ihre Abhängigkeit voneinander angesichts des Klimawandels stärker berücksichtigt und die Lebensgrundlagen der Bewohner langfristig geschützt werden.

Die abgelegene ländliche und hügelige Region an den Flussläufen Don Diego (Dep. Magdalena) und Tapia (Dep. La Guajira) ist aufgrund ihrer extremen Armut und der fehlenden Basisversorgungsdienste besonders gefährdet. Hier siedeln größtenteils indigene Bevölkerungsgruppen, insbesondere die Wayu, sowie Afro-Kolumbianer und "Campesinos", verarmte Kleinbauern, die von Subsistenz-Landwirtschaft leben. Aufgrund von bewaffneten Konflikten waren viele von ihnen mehrfach vertrieben. Nun fehlt es ihnen an dem Wissen und den Möglichkeiten, ihre Lebensgrundlagen aus eigener Kraft wieder zu verbessern. Zudem breiten sich Krankheiten wie Dengue, Chikungunya und Chagas rasant aus. 

Da sich ihre neuen Siedlungsgebiete teilweise von ihren Heimatregionen unterscheiden, passen auch die traditionellen Anbaumethoden nicht mehr.

In Kolumbien gibt es nicht nur die weltweit meisten Vertreibungen, sondern wir haben es hier auch mit einer vergessenen Krise zu tun, welche die Menschen in ländlichen Gegenden besonders hart trifft. Laut dem "Registro único de víctimas" (RUV) sind afro-kolumbianische und indigene Gruppen innerhalb der Gruppe der Vertriebenen besonders benachteiligt und gefährdet.

Seit der letzten großen Vertreibungswelle im Jahr 2012 aufgrund von gewaltsamen Konflikten (Guerilla/ Paramilitärs) und anschließenden weiteren Vertreibungen durch kriminelle Banden in den Jahren 2013 und 2014 haben sich auch die Rahmenbedingungen für die in Kolumbien arbeitenden Hilfsorganisationen dank des schrittweise umgesetzten Friedensprozesses inzwischen stabilisiert. Das Ziel ist es, erneuter Migration, erneuten Konflikten, Gewalt oder Kriminalität entgegenzuwirken.

Die Unterernährung in den beiden Departments Magdalena und La Guajira liegt bei bis zu 58,5%, bei Kindern unter fünf Jahren sind es 6,8% bzw. 11,2 %. Offizielle Statistiken gibt es jedoch nicht. Schätzungen zufolge sind Unterernährung und der Mangel an Zugang zu Basisversorgungsdiensten unter der indigenen Bevölkerung und bei Afrokolumbianern jedoch wesentlich höher.

In der Landwirtschaft sind nur eine geringe Produktivität, kaum Diversifizierung im Anbau sowie unangepasste und nicht nachhaltige landwirtschaftliche Techniken zu beobachten. Dies liegt vor allem an dem mangelnden Wissen, der unzureichenden Ausstattung sowie dem fehlenden Zugang zu staatlicher Hilfe in den besonders abgelegenen und schwer zugänglichen Gegenden. Hinzu kommt, dass die Regierung kaum weiß, wie sie mit den sehr heterogenen Kulturen und Sprachen der Bewohner umgehen soll.

Doch auch unter ökologischen Gesichtspunkten ist das Zielgebiet sehr gefährdet. Abholzung, Brandrodung, übermäßige Viehhaltung, Verseuchung der wichtigen Wasserressourcen, Erosion und Landrutsche stellen große Probleme dar. Zudem fehlt es den Menschen an dem nötigen Umweltbewusstsein und sie wissen nicht, wie sie die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen können. Gleichzeitig sind sie dringend auf das Wasser der beiden Flussläufe angewiesen. 

Aufbau lokaler Kapazitäten zu Ernährungssicherung und WASH (Wasser, Sanitär und Hygiene) in einem integrierten und multi-sektoralen Ansatz, um die Lebensgrundlagen vulnerabler indigener und afrokolumbianischer Gemeinden zu sichern und ihre Resilienz im Klimawandel zu stärken: 

1. Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft und dem Schutz natürlicher Ressourcen, um Lebensgrundlagen und Ernährung im Klimawandel zu sichern;

2. Stärkung hygienischer Rahmenbedingungen sowie von Wissen über Ernährung, Gesundheit und Hygiene, damit Nahrung besser verwendet und verwertet werden kann. 

1.1. Vermessung von Anbauflächen als Muster-Parzellen;

1.2. Schulung von 100 Kleinbauern als Multiplikatoren in nachhaltigem Anbau sowie Diversifizierung der Ernte und Ernährung;

1.3. Festlegung und Betreuung von 20 Hektar Muster-Gärten für Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch;

1.4. Durchführung von sechs Workshops zum Thema Anpassung an den Klimawandel;

1.5. Übergabe nötiger landwirtschaftlicher Ausstattung sowie Pilotmaßnahmen für eine Bienenzucht als Beitrag zur natürlichen Erholung des Ökosystems und als Einkommens-Alternative;

1.6. Schulung/ Ausstattung von zwei Gemeinde- und Evakuierungszentren für den Fall von Waldbränden, Überschwemmungen und Erdrutschen.

2.1. Ausbildung von 20 Jugendlichen zu Multiplikatoren;

2.2. Aufklärung der Gemeinde in Umwelt-, Gesundheits- und Hygienethemen;

2.3. Bau einer Gemeinde-Waschstelle in Don Diego;

2.4. Durchführung von je neun Fokusgruppen mit schwangeren Frauen und Müttern zu (Lebensmittel-) Hygiene und Ernährung in Schwangerschaft, Kindheit und Jugend.

Länderinfos

Hauptstadt: Bogota
Fläche: 1.138 km²
Bevölkerung: 47,9 Mio.

Projektdaten

Laufzeit: Juli 2015 - Dezember 2017
Finanzierung: Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit und Spenden
Partner: Asociación de Biólogos de la Universidad del Atlántico (ABIUDEA), Programa de Desarrollo y Paz del César (PDPC)

Letzte Änderung: Januar 2016

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