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„Wir konnten dazu beitragen, das menschliche Leid in sehr großem Umfang zu lindern.“

620.000 Flüchtlinge aus Myanmar sind in den vergangenen Monaten im südlichen Grenzbezirk von Cox's Bazar, Bangladesch, eingetroffen. Noch immer kommen täglich neue Menschen an. Sie werden in einem provisorischen Zeltlager untergebracht, das sich zu einem „Mega Camp" entwickelt hat. Die meisten Flüchtlinge in der Zeltstadt haben ihre Notunterkünfte aus Plastikplanen und Bambus errichtet. Die einfachen Zelte sind auf kleine Hügel gebaut und stehen dicht gedrängt. Viele Gebiete sind schwer zu erreichen und in einigen Teilen der Camps kommt es immer wieder zu Überschwemmungen. Das Lager ist völlig überfüllt.

Yvonne Dunton ist für Malteser International in Bangladesch und gibt uns einen Einblick in das Leben der Menschen dort. Die Schweizerin ist 54 Jahre alt und wurde von uns nach Cox´s Bazar entsendet, um unser Projekt zu betreuen. 

Frau Dunton, wie ist die Situation der Flüchtlinge in Bangladesch?

Viele haben auf der Flucht fast alles verloren und Schreckliches erlebt. Das erzählen uns die Menschen, die zu uns kommen, und das sehen wir auch an den Verletzungen, die die Mitarbeiter in den Krankenhäusern behandeln müssen. Es gibt zum Beispiel Verletzte mit Schusswunden und Verbrennungen.  Frauen haben ihre Ehemänner verloren und Kinder ihre engen Familienangehörigen. Zahlreiche Menschen sind von den jüngsten Ereignissen traumatisiert und blicken in eine völlig ungewisse Zukunft. Alles was sie jetzt noch haben ist ein sicherer Ort zum Leben in sehr einfachen Unterkünften, etwas zu essen und zu trinken, Zugang zu medizinischer Versorgung sowie die Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft ihnen auch in den kommenden Monaten zur Seite stehen wird. Jedes vierte Kind, das hier lebt, ist unterernährt – ein Beispiel dafür, in welch schlechtem gesundheitlichen Zustand die Menschen sind, wenn sie in den Camps ankommen.

Yvonne Dunton arbeitet für Malteser International in Bangladesch. Foto: Malteser International
Aufgrund der schlechten hygienischen Zustände in den Camps, besteht immer die Gefahr, dass Epidemien ausbrechen. Foto: Malteser International

Was ist seit dem Beginn der Flüchtlingswelle im August geschehen?

Hilfsorganisationen haben Grundnahrungsmittel und Hilfsgüter verteilt, Brunnen und Latrinen gebaut und Gesundheitszentren eingerichtet. Die Regierung von Bangladesch und die internationale Gemeinschaft haben gemeinsam viel geleistet, um die Flüchtlinge zu versorgen. 

Was brauchen die Flüchtlinge am dringendsten?

Sie brauchen buchstäblich alles. Die meisten Flüchtlinge kommen mit fast Nichts hier an. Zahlreiche Säuglinge und Kleinkindern sind unterernährt und brauchen dringend Zusatznahrung. Da, wo viele Menschen auf so engem Raum und unter schlechten hygienischen Bedingungen zusammenleben, besteht immer die Gefahr, dass Epidemien ausbrechen. Dieses Problem muss dringend angegangen werden. 

Können Sie uns mehr über die Unterstützung von Malteser International in den Camps sagen? 

Wir von Malteser International haben uns mit Gonoshasthaya Kendra, einer erfahrenen lokalen Nichtregierungsorganisation im Gesundheitsbereich, zusammengeschlossen, um zwei Gesundheitsstationen einzurichten. Durch unsere technische und finanzielle Unterstützung hat unser lokaler Partner innerhalb kürzester Zeit zwei Gesundheitsstationen im Mega Camp eingerichtet. Die gut eingerichteten Kliniken laufen sieben Tage in der Woche und empfangen über einhundert Patienten am Tag. Für die Menschen im Camp ist die Versorgung kostenlos. Freiwillige Helfer der Gesundheitsstationen zeigen den Kindern, wie sie sich die Hände richtig waschen und die Zähne am besten putzen sollten. Außerdem geben wir ihnen eine zusätzliche Mahlzeit. 

Die Kinder bekommen in unserem Gesundheitszentrum eine zusätzliche Mahlzeit. Foto: Malteser International

Vor welchen Herausforderungen stehen humanitäre Organisationen im Flüchtlingscamp derzeit? 

Das größte Problem ist, dass viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum leben müssen. Es gibt einfach nicht genug Platz. Außerdem ist der westliche Teil des Mega Camps wegen fehlender Straßen nur sehr schwer zugänglich. Viele Menschen können wir daher gar nicht erreichen. Nach wie vor herrschen recht chaotische Verhältnisse in den Lagern. Das müssen wir gemeinsam in den Griff bekommen.

Da wir aber nicht wissen, wie die Regierung von Bangladesch in Zukunft mit den Flüchtlingen umgehen wird, können wir momentan nur kurzfristig planen. Das ist ein Dilemma. 

Wie erleben Sie persönlich die Situation vor Ort?

Ich freue mich sehr, dass so wie viele Menschen aus aller Welt gekommen sind, um die Flüchtlinge im Süden Bangladeschs zu unterstützen. Diese Hilfsbereitschaft hat dazu beigetragen das menschliche Leid in sehr großem Umfang zu lindern. Das ermutigt mich.

Auch für die Menschen geht es voran: Die meisten Flüchtlinge kämpfen nun darum, ihr Leben neu zu beginnen. Ich merke ihnen an, dass sie damit beginnen sich hier einzurichten und wieder Mut fassen. Bei einem Spaziergang durch die Lager werde ich mittlerweile von neugierigen Kindern begrüßt, die mit einem Lächeln auf mein Lächeln reagieren. Ihr Lächeln zu sehen, ist eine große Freude für mich. Und gibt mir Kraft.

24.11.2017

 

 

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