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"Wir tun alles, um das menschliche Leid zu lindern."

Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen in Myanmar flohen seit dem 25. August 2017 rund 680.000 Menschen in die Küstenstadt Cox's Bazar in Bangladesch. Die Mehrzahl von ihnen sind Frauen und Kinder. Die meisten Menschen hatten nichts weiter dabei als die Kleidung, die sie am Körper trugen. Viele kamen verletzt und traumatisiert über die Grenze. Sie wurden in provisorischen Zeltlagern untergebracht, die sich in kürzester Zeit zu einem einzigen „Megacamp" entwickelten. Der Bedarf an Hilfe ist immens: das Camp ist überfüllt, das Gesundheitssystem ist überlastet. Hinzu kommt, dass viele Gebiete sehr schwer zu erreichen sind und es immer wieder zu Überschwemmungen kommt. 

Yvonne Dunton ist für Malteser International in Bangladesch und gibt uns einen Einblick in das Leben der Menschen dort. Die Schweizerin ist 54 Jahre alt und wurde von uns nach Cox´s Bazar entsendet, um unser Projekt zu betreuen.
 

Yvonne Dunton in Bangladesch. Foto: Malteser International
Rajumas Haus in Myanmar wurde angezündet und sie konnte sich im letzten Augenblick in Sicherheit bringen. Foto: Noor Ahmed Gelal/Malteser International

Frau Dunton, wie ist die Situation der Flüchtlinge in Bangladesch?

"Viele haben auf der Flucht fast alles verloren und Schreckliches erlebt. Das erzählen uns die Menschen, die zu uns kommen, und das sehen wir auch an den Verletzungen, die die Mitarbeiter in den Krankenhäusern behandeln müssen. Es gibt zum Beispiel Verletzte mit Schusswunden und Verbrennungen. Ich habe etwa Rajuma* kennengelernt. Sie hat am ganzen Körper schwere Verbrennungen und wurde in unserer Gesundheitsstation behandelt. In Myanmar hat sie bei einem Überfall ihren Mann und vier Kinder verloren. Ihre Tochter wurde schwer verletzt, ihr Haus angezündet. Die beiden konnten sich in letzter Sekunde in Sicherheit bringen und kamen Tage später mit nichts hier an. Ihre Brandwunden verheilen langsam, aber sie ist schwer traumatisiert."

Was brauchen die Flüchtlinge am dringendsten?

"Buchstäblich alles. Zahlreiche Säuglinge und Kleinkinder sind unterernährt und benötigen dringend Zusatznahrung. Dort, wo viele Menschen auf so engem Raum leben, besteht immer die Gefahr, dass Epidemien ausbrechen. Dieses Problem muss dringend angegangen werden." 

Vor allem die Kinder können langsam wieder lächeln. Foto: Noor Ahmed Gelal/Malteser International

Können Sie uns mehr über die Unterstützung von Malteser International in den Camps sagen? 

"Wir von Malteser International haben uns mit Gonoshasthaya Kendra, einer erfahrenen lokalen Nichtregierungsorganisation im Gesundheitsbereich, zusammengeschlossen. Mit unserer technischen und finanziellen Unterstützung hat unser lokaler Partner innerhalb kürzester Zeit zwei Gesundheitsstationen im Megacamp eingerichtet. Diese sind sechs Tage in der Woche geöffnet und versorgen über 100 Patienten am Tag. Für die Menschen im Camp ist die Behandlung kostenlos. Außerdem erhalten hier auch Schwangere, ältere Menschen und unterernährte Kleinkinder gehaltvolle Spezialnahrung. Viele von ihnen sind von den Strapazen der Flucht gezeichnet und unterernährt." 

Wie erleben Sie persönlich die Situation vor Ort?

"Die meisten Flüchtlinge kämpfen darum, ihr Leben neu zu beginnen. Ich merke ihnen an, dass sie langsam damit anfangen, sich hier einzurichten und wieder Mut zu fassen. Ihr Lächeln zu sehen, ist eine große Freude für mich und gibt mir Kraft."

31.01.2018

*Name geändert

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