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Von der Protestbewegung zum Krieg in Syrien – Ein Überblick

Seit dem Jahr 2011 herrscht in Syrien Krieg. Das Ausmaß des Grauens spiegelt sich in den Zahlen wider: Mehr als eine halbe Million Menschen haben nach Schätzungen ihr Leben in dem Krieg verloren, rund 12 Millionen Syrer mussten ihre Heimat verlassen. Knapp die Hälfte der Geflüchteten befindet sich innerhalb Syriens auf der Flucht. Die andere Hälfte ist vor der Gewalt ins Ausland geflohen, die meisten in die Nachbarländer. Das Land ist zerstört und ein Ende des Leids ist für die Menschen nicht in Sicht.

Infografik von Aktion Deutschland Hilft: Flüchtlingsdrama Syrien

Die Anfänge des Krieges

Friedliche Proteste auf den Straßen im Süden Syriens Anfang 2011 markieren den Beginn des Syrienkonflikts: Die Menschen sind inspiriert von den Protesten des arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten. Sie fordern politische Reformen, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit. Ebenfalls demonstrieren sie gegen die Willkürherrschaft und Korruption des Assad-Regimes.

Als die Behörden die Proteste in der Stadt Daraa (Darʿā) im März 2011 gewaltsam beenden, breiten sich die Aufstände auf die anderen Teile des Landes aus. Die Demonstranten fordern nun den Rücktritt des Präsidenten Baschar al-Assad. Die Regierung reagiert mit Härte auf die neuen Unruhen und Massendemonstrationen: Hunderte Menschen sterben, noch mehr werden verhaftet.

Der Krieg eskaliert

Im Sommer 2011 spaltet sich die zunächst friedliche Protestbewegung: Oppositionelle greifen zur Waffe und schließen sich mit desertierten Soldaten zur Freien Syrischen Armee zusammen. Die Gewalt zwischen der Regierungsarmee und den Oppositionellen eskaliert. Aus den Protesten entwickelt sich ein grausamer Bürgerkrieg, der zu einem Stellvertreterkrieg mit vielen Akteuren wird.

Kriegseintritt der USA, des IS und Russlands

Im Jahr 2012 wird bekannt, dass die syrische Regierung über chemische Waffen verfügt. Die meisten Staaten kontrollieren den Einsatz dieser Waffen per Chemiewaffenkonvention – Syrien allerdings nicht. Die USA kündigten daraufhin an, im Falle eines Einsatzes der chemischen Waffen militärische Gewalt zu überdenken.

Im August 2013 werden erstmals Chemiewaffen in einer Form eingesetzt, dass auch Zivilisten durch den Angriff betroffen sind. Dadurch sterben in Ost-Ghouta mehr als 1.400 Menschen. Nach Ansicht von der USA und einigen größeren Ländern Europas, wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland, wurde das Nervengas vom Assad-Regime eingesetzt. Diese bestreiten den Einsatz jedoch.

Zur selben Zeit wird die Stadt ar-Raqqa (Rakka) von der Organisation „Islamischer Staat“ (IS) erobert. Im September 2014 lässt der damalige US-Präsident, Barak Obama, daraufhin Stellungen des IS im Irak angreifen.

Genau ein Jahr später greift Russland in den Krieg ein, um das Assad-Regime bei der Zurückeroberung verlorener Gebiete durch Luftangriffe zu unterstützen. So kann das Assad-Regime im Dezember 2016 das von oppositionellen Gruppierungen besetzte Ost-Aleppo zurückerobern.

Am 04. April 2017 wird nach Einschätzung von Experten bei einem Luftangriff auf den nordsyrischen Ort Chan Scheichun die Chemiewaffe Sarin eingesetzt. Es sterben mindestens 70 Menschen. Nach Bekanntwerden des Vorfalls bombardiert die US-Armee eine syrische Luftwaffenbasis.

Im Frühjahr 2018 wird über mutmaßliche Chlorangriffe in der Stadt Duma berichtet. Die Koalition aus Frankreich, Großbritannien und Amerika reagiert mit Luftwaffenangriffen auf Chemiewaffenlager.

Die Entwicklung in Nordsyrien

Die Stadt Aleppo, eine der ältesten Städte in der Region, ist von 2012 bis 2016 stark umkämpft.

Seit dem 22. Dezember 2016 kontrollieren Truppen der syrischen Regierung die Stadt Aleppo. Während der Kämpfe werden große Teile der Stadt zerstört und zahlreiche Bewohner flüchten.

Bis zum Ende des Jahres 2017 gelingt es der kurdischen Miliz mithilfe der US-amerikanischen Truppen, alle nordsyrischen Städte zu erobern. Darunter befinden sich auch die inoffizielle Hauptstadt des IS, ar-Raqqa (Rakka).

Zu Beginn des Jahres 2018 nehmen türkische Truppen in Verbund mit radikalen islamistischen Milizen die nordsyrische Stadt Afrin ein.

Im Zuge der Kampfhandlungen müssen zehntausende Kurden aus der Stadt fliehen.

Mehr als 6 Millionen Syrer sind Vertriebene im eigenen Land.
Mehr als sechs Millionen Syrer leben als Vertriebene im eigenen Land. Foto: Hand in Hand for Relief and Development

Die Akteure im Syrienkrieg

Im Syrienkrieg vertreten nicht nur zahlreiche syrische Gruppen ihre Interessen. Ausländische Großmächte nutzen Syrien als Austragungsschauplatz ihrer Ziele. Sie unterstützen die syrischen Akteure durch Geld, Waffen und andere Hilfsmittel.

  • Die Freie Syrische Armee (FSA) gründete sich kurz nach dem Ausbruch des Syrischen Bürgerkriegs Ende 2011, um alle gegnerischen Kräfte der syrischen Regierung zu vereinen. Erklärtes Ziel der Bewegung ist es, die Regierung rund von Baschar al-Assad zu stürzen.
  • Die Organisation Islamischer Staat (IS) hat zum Ziel, den Nahen Osten zu einem islamischen Gottesstaat zu vereinen. Andere Glaubensrichtungen sollen zu diesem Zweck vernichtet werden. Der IS war mehrere Jahre ein starker Akteur des Syrienkonflikts und nahm große Teile des Ostens des Landes ein. Gegen den IS agierten sowohl nationale Kriegsparteien als auch eine internationale Anti-IS-Koalition.
  • Die Volksverteidigungseinheiten (YPG) sind ein militanter Ableger der kurdischen Partei der Demokratischen Union PYD. Sie kontrollieren von Kurden besiedelte Gebiete im Norden Syriens. In ihrem Bestreben, einen unabhängigen kurdischen Staat zu bilden, kämpft die YPG sowohl gegen den IS als auch gegen die Assad-Regierung. Ihr wichtigster Verbündeter sind die USA, die mit Luftangriffen und militärischer Ausbildung der kurdischen Kampfeinheiten für wichtige Erfolge der YPG sorgten. Dazu gehört insbesondere die gewonnene Schlacht um Kobanê gegen den IS.
  • Die Assad-Regierung unter der Führung des namensgebenden Präsidenten Baschar al-Assad verlor im Zuge des Arabischen Frühlings an Macht, die sie militärisch verteidigt. Gegen sie agieren national die Opposition sowie auch viele nationale und überregionale Gruppen. International reagierten die USA und weitere Länder gegen die mutmaßlichen Aktionen der Assad-Regierung.
  • Die Türkei hat zum einen das Ziel, die Assad-Regierung zu stürzen und dadurch den sunnitisch-syrischen Rebellen zur Machtübernahme zu verhelfen. Zum anderen soll die Bildung eines unabhängigen Kurden-Staates verhindert werden. Die Staatsgründungsbestrebungen der Kurden umfassen neben Gebieten in Syrien, dem Irak und dem Iran auch Gebiete in der Türkei.
  • Die USA führen die Anti-IS-Koalition aus westlichen und arabischen Staaten an. Die USA möchten den IS bekämpfen und eine prowestliche und demokratische Regierung in Syrien installieren. Weiterhin gehören neben den USA auch Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Dänemark, Australien, Kanada, die Türkei, die Niederlande und Belgien zu dieser internationalen Allianz.
  • Russland unterstützt die Assad-Regierung im Kampf gegen seine Gegner, um seinen Einfluss in Syrien gegen die USA zu wahren. Aus der Sicht Russlands würde die Installation einer demokratischen Regierung in Syrien einer westlichen Machterweiterung gleichkommen.
  • Der Iran verfolgt im Syrien-Konflikt machtpolitische und strategische Interessen. Zur Erreichung dieser Ziele versorgt er die syrische Regierung mit Waffen, militärischer Ausrüstung und Milizen.

 

Die Situation Anfang 2019

Der IS konnte so weit bekämpft werden, dass er als besiegt gilt. Jedoch sind weiterhin einzelne Territorien unter der Kontrolle der Terrororganisation. Zudem sind die politischen und konfessionellen Konflikte weiter nicht gelöst.

Der derzeitige US-Präsident, Donald Trump, lies Ende 2018 verlautbaren, dass er die US-amerikanischen Streitkräfte abziehen möchte. Parallel arbeiten die Länder Russland, Türkei, Deutschland und Frankreich an einer Lösung des Syrien-Konflikts.

Aufgrund der unterschiedlichen politischen Interessen der Akteure ist eine finale Lösung des Syrienkonflikts derzeit nicht in Sicht. Darunter leiden vor allem die Menschen in den umkämpften Gebieten. Um diesen Menschen, die mittlerweile seit vielen Jahren Not leiden, helfen zu können, ist ein massiver Einsatz von humanitärer Hilfe notwendig.

Gemeinsam mit unserem Partner Hand in Hand for Relief and Development leisten wir dringend benötigte medizinische Hilfe.
Gemeinsam mit unserem Partner Hand in Hand for Relief and Development leisten wir dringend benötigte medizinische Hilfe. Foto: Hand in Hand for Relief and Development
Wir betreiben gemeinsam mit unseren Partnern ein Krankenhaus und mehrere Basisgesundheitszentren, um die Not der Syrer zu lindern
Wir betreiben gemeinsam mit unseren Partnern ein Krankenhaus und mehrere Basisgesundheitszentren, um die Not der Syrer zu lindern. Foto: Hand in Hand for Relief and Development

Hilfe für Syrien

Um den rund 12 Millionen Flüchtlingen innerhalb und außerhalb Syriens helfen zu können, engagieren sich viele Organisationen und Institutionen weltweit. Dies geschieht in den verschiedensten Formen. Eine wichtige Form, um finanzielle Mittel speziell für Syrien zu erhalten, sind dabei die Geberkonferenzen.

Geberkonferenzen werden von den Vereinten Nationen (UN) organisiert, um Gelder für humanitäre Einsätze zu sammeln. Mithilfe der von den öffentlichen Gebern zugesagten Mitteln wollen die Helfer beispielsweise eine medizinische Grundversorgung ermöglichen, Lebensmittellieferungen verstärken und Bildungsmöglichkeiten für die Menschen in Syrien schaffen.

Auf der dritten Geberkonferenz für Syrien im März 2019 haben internationale Geldgeber insgesamt 6,2 Milliarden Euro zur Unterstützung der Geflüchteten in Syrien zugesagt. Die UN hatte 8,8 Milliarden Dollar gefordert, um die Millionen Vertriebenen in Syrien und den Nachbarländern zu versorgen.

Wie wir in Syrien Hilfe leisten

Ein Großteil der Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen wurde im Krieg zerstört, das öffentliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Die Menschen benötigen jedoch weiterhin dringend medizinische Versorgung.

Daher leisten wir seit Sommer 2012 in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen aus Syrien und der Türkei medizinische Nothilfe, insbesondere für Binnenvertriebene. Dazu betreiben wir ein Krankenhaus an der syrisch-türkischen Grenze im Flüchtlingscamp Bab al Salam und mehrere Basisgesundheitszentren in der Region um Nord- und West-Aleppo.

30 € kostet eine lebensrettende Blutkonserve für einen Patienten in Not
 

Mit 50 € ermöglichen Sie einer werdenden Mutter einen lebensrettenden Kaiserschnitt
 

120 € kosten Matratzen, Decken, Töpfe für eine Familie, die im Krieg alles verloren hat
 

Wir setzen das Geld dort ein, wo es am nötigsten gebraucht wird.
 

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