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Von der Protestbewegung zum Krieg in Syrien – Ein Überblick

Seit dem Jahr 2011 herrscht in Syrien Krieg. Das Ausmaß des Grauens spiegelt sich in den Zahlen wider: Mehr als eine halbe Million Menschen haben nach Schätzungen ihr Leben in dem Krieg verloren, rund 13 Millionen Syrer mussten ihre Heimat verlassen. Knapp die Hälfte der Geflüchteten befindet sich innerhalb Syriens auf der Flucht.

Die andere Hälfte ist vor der Gewalt ins Ausland geflohen, die meisten in die Nachbarländer. Präsident Baschar al-Assad hat den Großteil Syriens wieder unter seine Kontrolle gebracht. Doch noch immer gibt es keinen Frieden und Sicherheit für die syrische Bevölkerung.

Zerstörung, Verfolgung, Unterdrückung und desaströse wirtschaftliche Verhältnisse prägen die Region. Es mangelt an grundlegender Versorgung. Ein Ende des Leids ist für die Menschen nicht in Sicht.

Inhaltsübersicht

Die Situation in Syrien im Jahr 2020

Wie wir in Syrien Hilfe leisten

Chronologie
2011    |    2014   |    2017
2012    |    2015   |    2018
2013    |    2016   |    2019

Die Situation in Syrien im Jahr 2020

Im Jahr 2020 konzentrierte sich der Syrienkonflikt auf die Region Idlib im Nordwesten Syriens an der Grenze zur Türkei. Bereits im April 2019 starteten die syrische Armee unter Präsident Assad und ihre Verbündeten eine Offensive zur Rückeroberung der Region, was seit Dezember 2019 über 950.000 Syrer zur Flucht zwang, darunter mehr als 500.000 Kinder.

Angesichts der zunehmenden Gewalteskalation handelten der russische Präsident Putin und der türkische Präsident Erdogan am 5. März 2020 einen vorläufigen Waffenstillstand aus, der – trotz Berichten über vereinzelte Verstöße von beiden Seiten – bis heute (Stand: 02/2021) anhält. Das Abkommen bleibt aufgrund der widerstreitenden Interessen der Akteure fragil.

Die Region Idlib wird durch die radikal-islamische Organisation Hayat-Tahrir-al-Scham (HTS) kontrolliert, ein Bündnis fünf oppositioneller Gruppierungen, unter denen die aus der al-Nusra-Front (Al-Quaida in Syrien) hervorgegangene Jabhat Fateh al-Sham den größten Teil ausmacht.

Idlib gilt als letzter Schauplatz des syrischen Bürgerkriegs, da die syrische Regierung entschlossen ist, die Kontrolle über das gesamte Staatsterritorium zu übernehmen – auch gegen gewaltsamen Widerstand. Das Schicksal der Zivilbevölkerung in den durch die Türkei und HTS kontrollierten Gebieten ist dabei ungewiss. Viele müssen nach einer Rückeroberung durch das Assad-Regime mit Verfolgungen und Verhaftungen rechnen.

Die Situation der Vertriebenen und Geflüchteten 2020

In der Grenzregion Idlib sind fast drei Millionen Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es gibt für sie keinen Ausweg: Die Grenzen zur Türkei wurden abgeriegelt. Die Geflüchteten im Grenzgebiet leben teilweise unter katastrophalen Bedingungen in Zeltstätten. Im vergangenen Winter sank die Temperatur nachts unter null Grad, einige Menschen erfroren.

Hilfsorganisationen transportieren Trinkwasser und Lebensmittel über die Grenze und leisten dringend benötigte Gesundheitsversorgung. Die medizinische Unterversorgung stellt aufgrund der zerstörten Infrastruktur infolge der gezielten Bombardierung von Gesundheitseinrichtungen eines der größten Probleme dar. Malteser International betreibt gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen mehrere Krankenhäuser und Gesundheitsstationen in der Region. Die humanitäre Situation verschlechtert sich auch aufgrund des Ausbruchs der Corona-Pandemie. Im Sommer 2020 gab es einen ersten Ausbruch von Covid-19 in Nordwest-Syrien. Das stark erodierte Gesundheitssystem ist mit der Eindämmung der Pandemie und der Versorgung von Patienten mit schweren Verläufen von Covid-19 überfordert.

Am 11. Juli 2020 lief eine UN-Resolution aus dem Jahr 2014 ab, die es den Vereinten Nationen erlaubte, wichtige Hilfsgüter über die Grenzübergänge nach Syrien grenzüberschreitend auch in solche Gebiete zu liefern, die nicht unter der Kontrolle der Regierung stehen. Nachdem China und Russland mehrmals ihr Veto zu einer Fortsetzung der Resolution eingelegt hatten, konnten sich die Mitgliedsländer zumindest auf eine eingeschränkte Fortsetzung der humanitären Hilfe bis Ende 2020 einigen.

Eine Lösung für den Syrien-Konflikt?

Die Lösung des Syrien-Konflikts und der Wiederaufbau des Landes gestalten sich schwierig. Das Regime unter Präsident Baschar al-Assad ist abhängig von der finanziellen Unterstützung Russlands und des Irans, die für einen flächendeckenden Wiederaufbau jedoch nicht ausreicht. Europa knüpft sein Engagement an die Forderung politischer Reformen, um unter anderem die Sicherheit der Rückkehr von Geflüchteten zu gewährleisten, doch die syrische Regierung lehnt bisher alle Forderungen ab.

Seit November 2019 bemüht sich die UN um ein syrisch-syrisches Verfassungskomitee aus Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und der gemäßigten Opposition, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen eine neue Verfassung ausarbeiten sollen. Reformen, die Korruption, Gewalt und Verfolgung Andersdenkender entgegenwirken und eine Annäherung zwischen der Regierung und der Bevölkerung ermöglichen sollen, sind allerdings nicht in Sicht.

Wie wir in Syrien Hilfe leisten

Mehr als 6 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht, 11 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Fast die Hälfte der Bedürftigen in Syrien sind Kinder. Viele haben ihre Familien oder Familienmitglieder verloren, sind durch den Krieg traumatisiert und leben in extremer Armut. Vor allem fehlt es den Menschen am Nötigsten zum Leben, einer Unterkunft, Nahrung, dem Zugang zu Trinkwasser. Sie brauchen dringend Lebensmittellieferungen und Hilfsgüter wie Wasserkanister, Decken, Matratzen und Kochsets. Der fehlende, sichere Zugang zu Trinkwasser sowie Sanitär- und Hygieneeinrichtungen begünstigt die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und Covid-19.

Auch die medizinische Infrastruktur ist desaströs. Ein Großteil der Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen wurde im Krieg zerstört, das öffentliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Die Menschen benötigen jedoch weiterhin dringend medizinische Versorgung.

Mit Ihren Spenden sichern wir die Zukunft zahlreicher Menschen

Malteser International hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensbedingungen der Menschen in Syrien, insbesondere der intern Vertriebenen, zu verbessern. Seit Sommer 2012 leisten wir in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen aus Syrien und der Türkei medizinische Nothilfe.

Dazu betreiben und unterstützen wir zahlreiche Krankenhäuser, Basisgesundheitszentren und mobile medizinische Kliniken im Norden Syriens, in denen wir umfassende primäre und sekundäre Gesundheitsdienstleistungen bereitstellen.

Für viele Menschen stellen die Einrichtungen den einzigen Zugang zu medizinischer Versorgung dar. Wir verteilen außerdem Hilfsgüter wie Decken und Hygieneartikel und sind insbesondere in der Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Versorgung innerhalb der Camps aktiv.

Mit Hilfe Ihrer Spenden können wir diese lebensrettende Maßnahmen realisieren und damit eine Perspektive für die Menschen schaffen!

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Chronologie des syrischen Bürgerkriegs: von 2011 bis heute

Zehn Jahre dauert der Krieg in Syrien mittlerweile an. Was im Jahr 2011 mit friedlichen Protesten begann, eskalierte in einen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf etwa eine halbe Millionen Menschen ums Leben kamen und 13 Millionen Syrer ihre Heimat verloren.

2011: Wie kam es zum Krieg in Syrien?

Friedliche Proteste auf den Straßen im Süden Syriens Anfang 2011 markieren den Beginn des Syrienkonflikts: Die Menschen sind inspiriert von den Protesten des arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten. Sie fordern politische Reformen, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit. Ebenfalls demonstrieren sie gegen die Willkürherrschaft und Korruption des Assad-Regimes.

Als die Behörden die Proteste in der Stadt Daraa (Darʿā) im März 2011 gewaltsam beenden, breiten sich die Aufstände auf die anderen Teile des Landes aus. Am 22. April 2011 kommt es in vielen syrischen Städten zu den bisher größten Demonstrationen, die die Regierung mit Gewalt niederdrückt. Circa 70 Menschen werden getötet. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Präsidenten Baschar al-Assad. Die Regierung reagiert mit Härte auf die immer größer werdenden Unruhen und Massendemonstrationen.

Panzer werden eingesetzt, einzelne Städte abgeriegelt, teilweise sogar die Strom- und Wasserversorgung gekappt. Hunderte Menschen sterben, noch mehr werden verhaftet. Viele fliehen in die Türkei und den Libanon.

Der Krieg eskaliert

Im Sommer 2011 spaltet sich die zunächst friedliche Protestbewegung: Oppositionelle greifen zu den Waffen und schließen sich mit desertierten Soldaten zur Freien Syrischen Armee zusammen. Die Gewalt zwischen der Regierungsarmee und den Oppositionellen eskaliert. Aus den Protesten entwickelt sich ein grausamer Bürgerkrieg, der zu einem Stellvertreterkrieg mit vielen Akteuren wird.

Zunehmend formieren sich unterschiedliche Gruppierungen entlang ihrer Herkunft und Religion. Baschar al-Assad, der Alawit ist und damit zum schiitischen Spektrum des Islam gehört, wird seit Mai 2011 von der sunnitischen Regierung des Iran unterstützt, ebenso von Mitgliedern der schiitischen Islamistengruppe Hisbollah aus dem Libanon sowie alawitischen Milizen.

Neben der Freien Syrischen Armee organisieren sich weitere oppositionelle Gruppen, darunter sunnitische Extremisten wie die Rebellenmiliz Ahrar al-Scham. Im großen Teilen Nordsyriens übernehmen kurdische Milizen die Kontrolle. Ende des Jahres 2011 meldet die UN bereits mehr als 5.000 tote Zivilisten, Tausende Syrer sind bereits auf der Flucht. 8.000 Geflüchtete werden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) außerhalb Syriens registriert. Etwa 2.600 Geflüchtete bewerben sich um Asyl in Deutschland.

2012: Anschläge auf syrische Truppen und Massaker an der Zivilbevölkerung

Im Januar 2012 verübt die radikal islamische al-Nusra-Front, eine neue Terrorgruppe und Teil von al-Kaida, eine Reihe von Anschlägen auf syrische Truppen. Damit beteiligt sich neben den Islamisten von Ahrar al-Scham eine weitere religiös motivierte Miliz an den Konflikten in Syrien.

Zudem finden immer wieder grausame Massaker an der Zivilbevölkerung statt. Die Täter kommen sowohl aus den Reihen der Regierung als auch der Oppositionellen. Die erste Friedenskonferenz im Juni 2012 bleibt ohne Erfolge. Ende des Jahres sind bereits über eine halbe Million Syrer aus ihrer Heimat geflohen, in die Türkei, den Libanon, Jordanien und den kurdischen Teil des Irak. Die ersten Menschen versuchen nun auch, nach Europa zu fliehen.

2013: Kriegsverbrechen und der Einsatz chemischer Waffen

Allen Parteien werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen. Die Zahl der Geflüchteten ist bis April 2013 bereits auf eine Million gestiegen. Zudem wird bekannt, dass die syrische Regierung über chemische Waffen verfügt.

Die meisten Staaten kontrollieren den Einsatz dieser Waffen per Chemiewaffenkonvention – Syrien zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Sie treten der OPCW (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons) erst später im Jahr 2013 bei. Die USA kündigen an, im Falle eines Einsatzes der chemischen Waffen militärische Gewalt zu überdenken.

Im August 2013 werden Gerüchte laut, wonach es am 21. August in der Nähe von Damaskus zum Einsatz chemischer Waffen gekommen sein soll. Im September bestätigen UNO-Chemiewaffeninspekteure, vor Ort Beweise für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin gefunden zu haben. Ihren Berichten zufolge sei das Gas mit Boden-Boden-Raketen verschossen und auch gegen Zivilisten eingesetzt worden.

Dabei sollen um die 1.000 Menschen in Ost-Ghuta ums Leben gekommen sein, die Opferzahlen variieren jedoch je nach Quelle. Nach Ansicht der USA und einiger größerer Länder Europas, wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland, sei das Nervengas vom Assad-Regime eingesetzt worden. Die syrische Regierung, Russland und der Iran beschuldigen dagegen oppositionelle Milizen, für den Angriff verantwortlich zu sein. Beide Parteien bestreiten den Einsatz.

Aufstieg des IS: Zur selben Zeit wird die Stadt ar-Raqqa (Rakka) von der Organisation ISIS erobert, die bereits zahlreiche Städte unter ihre Kontrolle gebracht und dabei Gräueltaten an der zivilen Bevölkerung verübt hat. Rakka wird zu einem der Hauptquartiere von ISIS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi.

Gründung der Islamischen Front: Im November 2013 schließen sich verschiedene oppositionelle islamistische Gruppen zur Islamischen Front (al-Jabha al-Islamiya) zusammen. Ziel dieses Bündnisses ist es, die Assad- Regierung zu stürzen und einen Staat zu errichten, der allen Muslimen offenstehen soll. Die Islamische Front wird von Saudi-Arabien unterstützt und stellt zu diesem Zeitpunkt das größte bewaffnete Bündnis der Oppositionellen dar.

Die Kämpfe dauern an, die Zahl der Flüchtlinge steigt: Ende des Jahres 2013 kämpfen die Syrische Armee und die Oppositionellen intensiv um Aleppo, die zweitgrößte Stadt Syriens. Im Dezember befinden sich 4 Millionen Syrer innerhalb ihres Landes auf der Flucht, 2,3 Millionen sind in den Libanon, nach Jordanien und in den Iran geflüchtet. Etwa 50.000 Flüchtlinge erreichen Europa.

2014: Ergebnislose Friedensgespräche und die Ausrufung des IS

Im Februar 2014 geht eine weitere Runde der Friedensgespräche in Genf ohne Ergebnisse zu Ende. Die Konfliktparteien beenden das Treffen bereits nach einer halben Stunde, ohne wirkliche Fortschritte zu erzielen. Zudem lehnt die syrische Regierung den Vorschlag für eine weitere Gesprächsrunde ab. Die Zahl der Geflüchteten außerhalb von Syrien steigt im April 2014 auf 2,6 Millionen.

Am 29. Juni 2014 erklärt al-Baghdadi die von der Terrororganisation besetzten Gebiete im Irak und in Syrien zum Kalifat. Es folgt eine Umbenennung von “ISIS” in “IS”, den “Islamischen Staat”. Mit grausamen Hinrichtungsvideos verbreitet der IS seine Propaganda. Im September 2014 lässt der damalige US-Präsident Barack Obama Stellungen des IS im Irak angreifen. Er ruft die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Kampf gegen die Terrororganisation auf. Zwei US-Journalisten werden daraufhin vom IS entführt und enthauptet. Die Terroristen drohen mit weiteren Entführungen, sollten die USA ihre Luftangriffe nicht einstellen. Im selben Monat starten IS-Terroristen eine Offensive auf die kurdische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei. Die Islamisten gewinnen die Kontrolle über die Stadt, die jedoch von kurdischen Milizen zum Teil zurückerobert werden kann. 130.000 Syrer fliehen im Zuge der Kampfhandlungen aus Kobane in die Türkei.

2015: Millionen Syrer sind auf der Flucht

Laut der Vereinten Nationen hat der Bürgerkrieg im Jahr 2015 bereits 220.000 Menschen das Leben gekostet. Millionen Syrer sind auf der Flucht, davon 7,6 Millionen innerhalb Syriens, an die 4 Millionen sind in die umliegenden Länder geflüchtet. Zehntausende erreichen Anfang September 2015 Deutschland und Österreich.

Währenddessen tobt der Krieg weiter. Der IS weitet seinen Eroberungsfeldzug zu einer globalen Terrorkampagne aus. Einige europäische Staaten beteiligen sich am Kampf gegen den IS. Französische und britische Flugzeuge fliegen Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz. Deutschland beschließt, 1.200 deutsche Soldaten nach Syrien zu schicken.

Diese sollen Frankreich mit Aufklärungsjets, einer Fregatte und Stabspersonal im Kampf gegen den IS unterstützen. Auch Russland greift in den Krieg ein, wobei es ihm in erster Linie darum geht, das Assad-Regime zu schützen.

2016: Gescheiterte Friedensbemühungen und Fortsetzung des Krieges

Friedensverhandlungen zwischen der syrischen Regierung und den Oppositionellen Anfang 2016 scheitern, da Baschar al-Assad mit der Unterstützung Russlands große militärische Erfolge gegen die Oppositionellen erzielen kann. Waffenruhen, die neue Friedensverhandlungen ermöglichen sollen, werden aufgekündigt. Im November startet Russland eine groß angelegte Offensive auf die Provinzen Homs, Idlib und die Stadt Aleppo. Im Dezember 2016 kann das Assad-Regime mit der Unterstützung Russlands das von oppositionellen Gruppierungen besetzte Ost-Aleppo zurückerobern.

2017: Erneuter Einsatz von Chemiewaffen, Zurückdrängung des IS

Am 4. April 2017 wird nach Einschätzung von Experten der OPCW bei einem Luftangriff auf den nordsyrischen Ort Chan Scheichun die Chemiewaffe Sarin eingesetzt. Es sterben mindestens 70 Menschen. Nach Bekanntwerden des Vorfalls bombardiert die US-Armee eine syrische Luftwaffenbasis.

Das kurdische Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) rückt im Mai 2017 nach Rakka vor, dem wichtigsten Stützpunkt des IS, und kann die Stadt im September vollständig zurückerobern. Immer mehr Gebiete können von der Herrschaft der Terrormiliz befreit werden. Im Dezember nehmen die SDF die letzte IS-Bastion Handschin in Ostsyrien ein. Der IS gilt weitgehend als besiegt, hält aber noch vereinzelte Dörfer in der Region.

2018: Konzentration des Krieges auf Nordsyrien

Zu Beginn des Jahres 2018 nehmen türkische Truppen in Verbund mit radikalen islamistischen Milizen die nordsyrische Stadt Afrin ein. Im Zuge der Kampfhandlungen müssen zehntausende Kurden aus der Stadt fliehen. Im Frühjahr 2018 wird über mutmaßliche Chlorangriffe in der Stadt Duma berichtet. Die Koalition aus Frankreich, Großbritannien und Amerika reagiert mit Luftwaffenangriffen auf Chemiewaffenlager. Nachdem die syrische Regierung mit Unterstützung der russischen Luftwaffe im Juli Rebellengebiete im Südwesten Syriens bei Daraa zurückerobern konnte, verbleibt Idlib in Nordsyrien die letzte Rebellenhochburg im Land.

2019: Sieg über den IS, eine türkische „Sicherheitszone“ und der Kampf um Idlib

Im März 2019 siegt die SDF im Kampf um Baghuz über den IS. Dadurch verliert die Terrormiliz das letzte besetzte Territorium auf syrischem Boden und gilt im Land seither geographisch als besiegt. Tausende IS-Kämpfer konnten jedoch untertauchen und stellen weiterhin eine Bedrohung dar. Zudem sind die politischen und konfessionellen Konflikte weiterhin ungelöst.

Am 7. Oktober beginnt der damalige US-Präsident Donald Trump mit dem bereits Ende 2018 angekündigten Rückzug der US-Streitkräfte aus Nordsyrien. Wenige Wochen später geben die USA bekannt, wieder einen Teil ihrer Truppen im Osten Syriens zu stationieren, um die dortigen Ölfelder zu schützen.

Kurz nach Abzug der US-Truppen beginnt die Türkei ihre Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in der Grenzregion. Dort erobert die Türkei einen Grenzstreifen, den sie als „Sicherheitszone“ deklariert. Diese soll den kurdischen Einfluss in der Region begrenzen und mehrere Millionen syrische Geflüchtete aus der Türkei wieder dort ansiedeln. Das Vorhaben wird international von vielen Seiten scharf kritisiert.

Die syrische Regierung rückt nach Idlib vor, um ihre Offensive auf die letzte besetzte Provinz zu starten. Dort beginnen die Kämpfe um das letzte Gebiet in der Hand von Oppositionstruppen, in dem sich aber auch Hunderttausende Geflüchtete aufhalten. Aufgrund der Internationalisierung und der unterschiedlichen politischen Interessen der beteiligten Akteure war eine finale Lösung des Konflikts auch Ende 2019 nicht in Sicht.

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