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Unser Einsatz für Ernährungssicherheit

Der Zugang zu ausreichender und gesunder Ernährung für alle ist ein grundlegendes Menschenrecht, das es zu gewährleisten gilt. Denn Ernährungssicherheit trägt maßgeblich zum Wohlergehen der Menschen bei und ist die Grundlage für ein gesundes, aktives Leben. Angesichts der ungerechten Verteilung von Lebensmitteln, sich verändernden klimatischen Bedingungen, Konflikten und der wachsenden Weltbevölkerung stehen wir vor großen Herausforderungen im Bereich des weltweiten Ernährungssystems.

Ernährungsunsicherheit hat schwerwiegende Auswirkungen, wie beispielsweise Mangelernährung sowie damit einhergehende gesundheitliche Probleme und langfristige negative Folgen für Gesellschaften. Daher ist es von besonders großer Bedeutung, dass wir nachhaltige Lösungen entwickeln, um eine Zukunft zu schaffen, in der niemand Hunger leiden muss. Auch wenn in der Vergangenheit Fortschritte im Kampf gegen den Hunger und Ernährungsunsicherheit erzielt worden sind, ist das Ziel noch lange nicht erreicht. Die Beendigung von Unter- und Mangelernährung steht daher weiterhin ganz oben auf der Agenda der Vereinten Nationen. Und auch wir arbeiten an diesem Ziel mit, denn nur mit vereinten Kräften aller Akteure kann diese große Aufgabe bewältigt werden.

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Was bedeutet Ernährungssicherheit?

Der Ausschuss für Welternährungssicherheit definiert Ernährungssicherheit (engl. „Food and Nutrition Security“) als Zustand, bei dem Menschen jederzeit physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichender, sicherer und nahrhafter Nahrung haben, die darüber hinaus ihren Vorlieben und Ernährungsbedürfnissen entspricht. Ergänzt wird dies durch ein Umfeld mit angemessenen sanitären Einrichtungen, Gesundheitsdiensten und Zugang zu Pflege, die ein rundum aktives und gesundes Leben ermöglichen. Der Begriff der Ernährungssicherheit geht also über den reinen Aspekt der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln hinaus und beschreibt einen holistischen Ansatz.

Der Begriff der Ernährungssicherheit ergänzt die Begrifflichkeiten Nahrungsmittelsicherheit (engl. „Food Security“) und Lebensmittelsicherheit (engl. „Food Safety“), die wie folgt definiert werden:

Begriff

Definition

Ernährungssicherheit/Food and Nutrition Security

Jederzeit physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichender, sicherer und nahrhafter Nahrung, die den eigenen Ernährungsbedürfnissen entsprechen, und eine Umgebung mit adäquaten sanitären Einrichtungen sowie Zugang zu Gesundheits- und Pflegediensten.

Nahrungsmittelsicherheit/Food Security

Jederzeit physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichender, sicherer und nahrhafter Nahrung, die den eigenen Ernährungsbedürfnissen entsprechen.

Lebensmittelsicherheit/Food Safety

Unsichere Lebensmittel können Bakterien, Parasiten oder chemischen Substanzen enthalten und dadurch schadhaft sein. Sie verursachen Krankheiten wie Durchfall oder Krebs. Bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln muss daher Lebensmittelsicherheit gewährleistet sein, um der Kontamination von Lebensmitteln vorzubeugen.  

Weltweite Ernährungssicherheit als gemeinsames Ziel

Jeder Mensch hat ein Recht auf angemessene Nahrung. Dieses Recht ist in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte („UN-Sozialpakt“) verankert. Die Vertragsstaaten erkennen darin an, dass es „das grundlegende Recht eines jeden [ist], vor Hunger und Mangelernährung geschützt zu sein“.

Es lassen sich vier Säulen der Ernährungssicherheit definieren:

  • Verfügbarkeit: Es sind ausreichende Mengen an gesunder und hochwertiger Nahrung verfügbar.
  • Zugang: Die Menschen haben zu jeder Zeit Zugang zu Nahrung, indem sie Lebensmittel selbst produzieren, einkaufen oder beispielsweise durch staatliche Sozialprogramme erhalten.
  • Nutzung: Die Menschen verfügen über das Wissen und die Ressourcen (z. B. sauberes Trinkwasser und Energie), um gesunde Lebensmittel bedarfsgerecht auszuwählen und zuzubereiten.
  • Stabilität: Lebensmittel sind über einen längeren Zeitraum beständig verfügbar, zugänglich und nutzbar.

Diese Faktoren bestimmen, ob Ernährungssicherheit gegeben ist oder nicht. Sie sind eng miteinander verknüpft: Je geringer die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, desto gefährdeter wird auch der Zugang zu Nahrung, vor allem für Menschen, die von Armut betroffen sind. Denn bei einer Lebensmittelknappheit steigen automatisch die Marktpreise, was zur Folge hat, dass ärmere Bevölkerungsgruppen sich nicht mehr ausreichend versorgen können, selbst dann, wenn theoretisch ausreichend Nahrung vorhanden ist.

In den Sustainable Development Goals (SDGs) – den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, auf die sich die UN-Mitgliedsstaaten 2015 geeinigt haben und die bis 2030 erfüllt sein sollen – ist eins von 17 Zielen allein der Beendigung des Hungers und weltweiter Ernährungsunsicherheit gewidmet: Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen. Das SDG 2 „Kein Hunger“ beinhaltet konkrete und thematisch unterschiedliche Unterziele, durch deren Erfüllung der Hunger bis 2030 beendet werden soll. So soll zum Beispiel die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen insbesondere von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verdoppelt werden, indem sie einen gleichberechtigten Zugang zu Boden, Ressourcen, Wissen etc. erhalten. Ebenso sollen die Investitionen in eine nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Infrastrukturen erhöht und dafür gesorgt werden, dass z. B. der globale Agrarmarkt nicht länger von Agrarsubventionen für Länder des Globalen Nordens bestimmt wird, die es Ländern des Globalen Südens erschweren, wettbewerbsfähig zu bleiben, und für ungleiche Bedingungen auf dem Weltmarkt sorgen.

Ernährungsunsicherheit in Zahlen

2,4 Milliarden Menschen, etwa 29,6 Prozent der Weltbevölkerung, hatten nach dem UN-Welternährungsbericht 2023 im Jahr 2022 keinen gesicherten Zugang zu angemessener Nahrung und waren von mäßiger bis starker Ernährungsunsicherheit betroffen – also fast jeder dritte Mensch. Infolgedessen sind die betroffenen Bevölkerungsgruppen häufig mangel- bzw. fehlernährt. Dabei unterscheiden Expertinnen und Experten verschiedene Arten der Mangelernährung, wie beispielsweise die akute und die chronische Unterernährung in Folge einer zu geringen Kalorienaufnahme.

Doch auch wenn Menschen zu viele Kalorien im Vergleich zum persönlichen Bedarf zu sich nehmen, ist von einer Mangelernährung die Rede. Daraus resultiert dann eine Über- statt Unterernährung, die wiederum Krankheiten wie Adipositas (Übergewicht) zur Folge hat. Paradoxerweise treten diese beiden Gegensätze häufig parallel auf. Betroffen sind dann gleichermaßen Familienmitglieder innerhalb einzelner Haushalte oder die Bevölkerung bestimmter Regionen oder Länder, darunter auch viele ostafrikanische Länder wie Kenia, Uganda, Tansania oder Malawi. Bei einer solchen Koexistenz sprechen Expertinnen und Experten auch von einer doppelten Last der Fehlernährung (engl. „double burden of malnutrition“)

Hungersnot und Unterernährung trifft insbesondere Kinder: Unterernährung im frühkindlichen Alter kann u. a. zu verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und einer Schwächung des Immunsystems führen. Laut dem Global Report on Food Crises (GRFC) waren im Jahr 2022 in 58 stark von Hunger gefährdeten Ländern über 35 Millionen Kinder unter 5 Jahren akut unterernährt. Besonders von Ernährungsunsicherheit betroffen sind Kleinbäuerinnen und -bauern, sowie indigene Bevölkerungsgruppen oder Fischerinnen und Fischer. Auch Frauen sind unverhältnismäßig stark von Ernährungsunsicherheit betroffen.

Hauptursachen für Ernährungsunsicherheit

Die Ursachen für Ernährungsunsicherheit sind hauptsächlich strukturell bedingt, denn global betrachtet ist ausreichend Nahrung für die Weltbevölkerung vorhanden – theoretisch müsste also niemand Hunger leiden. In der Realität zeigt sich jedoch ein ausgeprägtes Verteilungsproblem von Nahrungsmitteln, sodass es in den einen Regionen zu einer Überversorgung und in anderen Regionen zu einer Unterversorgung mit Lebensmitteln kommt. Insbesondere politische Entschlüsse wirken sich auf die landwirtschaftliche Entwicklung in Ländern des Globalen Südens aus und beeinflussen den globalen Handel zum Vorteil der Länder des Globalen Nordens. Selbst wenn in Ländern des Globalen Südens Subventionen gewährt werden, profitieren davon meist städtische Verbraucherinnen und Verbraucher, während Kleinbäuerinnen und -bauern selten durch staatliche Eingriffe vor Preisschwankungen geschützt werden.

Doch auch andere Faktoren wie Pandemien und damit zusammenhängende Restriktionen beeinflussen die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Besonders deutlich wurde dies in den Hochzeiten der Corona-Pandemie, als die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus dazu führten, dass die Ernährungsunsicherheit allein im Jahr 2020 so stark anstieg wie zusammengenommen in den letzten fünf Jahren. Darüber hinaus spielen weitere Faktoren wie Kriege, der Klimawandel und damit einhergehende Naturkatastrophen sowie wirtschaftliche Krisen eine entscheidende Rolle für die Stabilität der Ernährungssysteme bzw. den Erhalt der Ernährungssicherheit. Als Haupttreiber akuter Ernährungsunsicherheit in Ländern, die von Hungerkrisen betroffen sind, gelten 2022 wirtschaftliche Schocks, Wetterextreme und Konflikte, die allesamt dazu führen, dass Nahrungsmittel in ausreichender Menge und Qualität unzugänglich für die Bevölkerung werden.

Ernährungssicherung durch nachhaltiges Wirtschaften: unser integrierter Ansatz für ein gesundes Leben

Bei der Bekämpfung von Ernährungsunsicherheit muss ein multisektoraler Ansatz greifen, da neben den vier Säulen der Ernährungssicherheit auch andere Faktoren die Ernährungssysteme beeinflussen. So spielen beispielsweise der Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Anlagen und hygienische Standards eine wichtige Rolle für Ernährungssicherheit. Daher verknüpfen wir unsere Projekte für eine nachhaltige Ernährungssicherung, wenn möglich, eng mit Komponenten aus den Bereichen Gesundheit und Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung. Ebenso legen wir einen Fokus auf die Förderung von Schwangeren und Kleinkindern, da gerade die ersten 1.000 Tage im Leben für die körperliche und kognitive Entwicklung der Kinder entscheidend sind. Durch Unterernährung verursachte Schäden sind danach nicht mehr umkehrbar.

Langzeitfolgen struktureller Probleme im Bereich Ernährungssicherung können mit dem sogenannten Teufelskreis der Mangelernährung beschrieben werden. Dieser beschreibt den Verlauf einer Generation, die bereits im Mutterleib nicht ausreichend ernährt worden ist. Sie hat ein erhöhtes Risiko, zu verarmen, wodurch auch die darauffolgende Generation stark gefährdet ist, von Unterernährung betroffen zu sein. Um diese Kausalität zu durchbrechen, behandeln wir alle Formen der Mangelernährung und setzen uns ganzheitlich mit den verschiedenen gesellschaftlichen und umweltbezogenen Faktoren der Ernährungssicherheit auseinander. Dies beinhaltet unter anderem die Geschlechtergerechtigkeit, den Klimawandel und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion.

Für eine gesunde Ernährung sind neben dem Zugang zu Nahrungsmitteln auch Kenntnisse des Nährwerts, der Zubereitung und der Lebensmittelhygiene erforderlich. In unseren Projekten achten wir daher darauf, die Säule „Nutzung“ speziell in den Fokus zu nehmen, indem wir den Menschen, z. B. über Kochdemonstrationen und Workshops, dieses Wissen nahebringen sowie junge Mütter und Väter dabei unterstützen, wie sie ihren Säugling richtig stillen und wie sie nach dem 6. Monat Beikost einführen,.

In Notsituationen nach Katastrophen oder Konflikten leisten wir darüber hinaus Nahrungsmittelhilfe in Form von Lebensmitteln, Gutscheinen oder Bargeld und unterstützen gezielt beim Wiederaufbau der landwirtschaftlichen Produktion und der Viehbestände.

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Beispiele unserer Projekte im Bereich Ernährungssicherheit

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Zusammen mit lokalen Partnern kämpfen wir gegen den Hunger in Afrika, indem wir unter anderem Lebensmittel, Wasser, Zusatznahrung und eine medizinische Grundversorgung dort bereitstellen, wo sie dringend gebraucht werden. Des weiteren schulen wir Kleinbauern und -bäuerinnen in Anbaumethoden, damit sich die Menschen vor Ort selbst versorgen können. 

Gegen den Hunger in Afrika
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