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Müttersterblichkeit & Kindersterblichkeit: noch immer ein globales Problem

Alle elf Sekunden stirbt eine schwangere Frau oder ein neugeborenes Baby. Auch wenn seit dem Jahr 2000 die Todesfälle von Kindern fast um die Hälfte und die Todesfälle von Müttern um mehr als ein Drittel gesunken sind, sterben weltweit noch zu viele Frauen und Kinder bei der Geburt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von Müttersterblichkeit (maternal mortality), wenn die Mutter während der Schwangerschaft oder bis zu 42 Tage nach der Entbindung stirbt, sofern dies nicht auf einen Unfall oder zufällige Umstände zurückzuführen ist. Die Kindersterblichkeit bzw. speziell die Neugeborenensterblichkeit (neonatal mortality) beschreibt die jährliche Anzahl der Todesfälle von Säuglingen innerhalb des ersten Lebensmonats.

Für Mütter und Neugeborene besteht die größte Gefahr während der Geburt und unmittelbar danach. In Ländern des Globalen Südens fehlt jedoch oft die lebensrettende medizinische Versorgung für Mutter und Kind. Aus diesem Grund engagieren wir uns aktiv im Bereich der Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe, um die Müttersterblichkeitsrate und das Säuglingssterben nachhaltig zu senken.

 

Müttersterblichkeit und Säuglingssterben in Deutschland, Tansania und in der DR Kongo im Vergleich

 

Deutschland

(80,7 Mio. Einwohner)

Tansania

(53,5 Mio. Einwohner)

DR Kongo

(77,3 Mio. Einwohner)

Zielvorgabe Agenda 2030
Neugeborene, die 2017 den ersten Monat nicht überlebten

1.527

(2,2 pro 1.000 Lebendgeburten)

41.307

(21,7 pro 1.000 Lebendgeburten)

74.288

(28,7 pro 1.000 Lebendgeburten)

max. 12 pro 1.000 Lebendgeburten
Mütter, die 2017 während der Entbindung starben

49

(7 pro 100.000 Lebendgeburten)

9.975

(524 pro 100.000 Lebendgeburten)

12.243

(473 pro 100.000 Lebendgeburten)

max. 70 pro 100.000 Lebendgeburten

 

Die Sterblichkeitsraten bei der Geburt unterscheiden sich weltweit erheblich. Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen zielt auf eine drastische Senkung der Sterblichkeit von Müttern und Neugeborenen. Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beitragen. Quellen: Eigene Berechnungen auf Basis von Daten der UNICEF und des CIA World Factbook

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Warum sterben Mütter und Neugeborene bei der Geburt?

Vor allem in Regionen mit unzureichender medizinischer Infrastruktur sind Geburten eine extreme Herausforderung. Oft fehlt es an den nötigen Räumlichkeiten und an der richtigen Ausstattung, an Medikamenten sowie an ausgebildetem medizinischem Personal, um die Mütter vor, während und nach der Geburt angemessen zu versorgen. Weite Distanzen auf unwegsamen Straßen sowie fehlendes Geld erschweren die Versorgung mit Medikamenten.

Komplikationen während der Schwangerschaft und während der Entbindung sind keine Seltenheit. Lange Wehen, starke Blutungen oder eine falsche Lage des Kindes erschweren nicht nur die Geburt selbst, sondern erhöhen auch drastisch das Sterberisiko für Mutter und Kind. Eine professionelle Geburtsbegleitung für Mutter und Kind ist dann umso wichtiger.

In vielen Ländern ist das nächstgelegene Krankenhaus zudem weit entfernt oder nur schwer erreichbar. Für schwangere Frauen in ländlichen Gebieten wird auf diese Weise der Zugang zu medizinischer Versorgung fast unmöglich. Entsprechend hoch sind in diesen Regionen die Mütter- und Kindersterblichkeitsraten.

Ein weiterer Risikofaktor sind Unter- und Mangelernährung bei Müttern und Kindern. Durch eine mangelnde Versorgung während der Schwangerschaft sind Frauen und ihre ungeborenen Kinder bereits so geschwächt, dass ihr Sterberisiko während und unmittelbar nach der Geburt drastisch steigt.

 

Was sind die Folgen, wenn die Mutter oder das Baby bei der Geburt gestorben sind?

Die Überlebenschancen bei der Geburt sind für Mutter und Kind in strukturschwachen Ländern deutlich schlechter als in anderen Regionen der Welt. Im schlimmsten Fall sterben Mutter und Kind, doch häufig überleben nur die Mutter oder das Neugeborene – mit nicht minder gravierenden Konsequenzen.

Wenn die Mutter nicht überlebt hat:

  • Das Sterberisiko des Neugeborenen steigt rapide an, da das Kind nicht von der Mutter versorgt werden kann.
  • Durch die fehlende Muttermilch wird die natürliche Immunisierung deutlich erschwert, wodurch das Kind anfälliger für Krankheiten ist.
  • Ohne Mutter aufzuwachsen, erschwert die Kindheit und persönliche Entwicklung des Kindes enorm.

Wenn das Baby nicht überlebt hat:

  • Stirbt das Kind während oder kurz nach der Geburt, ist das für Mütter eine immense seelische Belastung.
  • Dieser Schicksalsschlag kann mitunter zu schweren Depressionen führen, auch Schuld- und Versagensgefühle sind nicht ungewöhnlich.
  • Einige Mütter tragen von Komplikationen bei der Geburt lebenslange psychische und emotionale Folgen davon.

 

Wir sorgen uns um das Wohlergehen Schwangerer und Neugeborener

Die Vereinten Nationen definieren die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit als wesentliche Indikatoren, um das dritte Ziel der Agenda 2030 („Sustainable Development Goals“, SDGs) zu erreichen: „Gesundheit und Wohlergehen für alle“. Mit unseren Hilfsmaßnahmen setzen wir uns dafür ein, die Schwangerschaftsvor- und Nachsorge in unseren Projektländern zu stärken und den Frauen einen besseren Zugang zu Geburtshilfe zu ermöglichen.

Wir errichten zum Beispiel Geburtskliniken und statten bestehende Gesundheitszentren mit dem nötigen medizinischen Zubehör und mit Medikamenten aus. In den Geburtskliniken gibt es nicht nur Kreißsäle, sondern auch professionell ausgestattete Operationssäle, damit im Fall von Komplikationen beispielsweise ein Kaiserschnitt durch einen Chirurgen vorgenommen werden kann.

Zusätzlich bilden wir Hebammen und medizinisches Fachpersonal aus, damit Müttern und ihren Kindern eine umfangreiche Betreuung vor, während und nach der Geburt zuteil wird.

Weiterhin stellen wir eine ausreichende Wasserversorgung sicher, um hygienische Standards in den Einrichtungen sowie die Patientenversorgung sicherstellen zu können. Auf diese Weise reduzieren wir das Risiko von Infektionen, die während und nach der Geburt auftreten können.

In den umliegenden Regionen informieren wir die Bevölkerung über unsere Gesundheitseinrichtungen und machen insbesondere Frauen und werdende Mütter darauf aufmerksam, die Geburtshilfe und -betreuung durch geschultes Personal wahrzunehmen.

Häufige Fragen

Die weltweit höchste Müttersterblichkeit ist in Afrika zu verzeichnen. Am höchsten ist sie dabei im Südsudan, mit 1.150 Todesfällen auf 100.000 Geburten (Stand: 2017). Doch auch in anderen Regionen Afrikas ist die Sterblichkeit enorm. Im Tschad liegt sie bei 1.140 und in Sierra Leone bei 1.120 Todesfällen auf 100.000 Geburten (Stand: 2017).

Die Wahrscheinlichkeit für Frauen, bei der Geburt zu sterben, ist weltweit sehr unterschiedlich. Dies hängt neben dem ungleichen Zugang zu medizinischer Versorgung auch damit zusammen, wie viele Kinder eine einzige Frau bekommt. Frauen in Ländern des Globalen Südens sind durchschnittlich in ihrem Leben häufiger schwanger als Frauen im Globalen Norden und somit einem höheren Risiko ausgesetzt, im Zusammenhang mit der Schwangerschaft oder an den Folgen der Geburt zu sterben. Dieses sogenannte Lebenszeitrisiko beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der eine 15-jährige Frau mittel- bis langfristig an den Folgen einer Geburt stirbt. In Ländern mit hohem Einkommen betrifft dies 1 von 5400 Frauen, in ärmeren Ländern 1 in 45 Frauen.

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu erheblichen Belastungen der Gesundheitssysteme geführt. Durch überfüllte Krankenhäuser und einen Mangel an medizinischem Personal und Materialien konnten Routine- und Vorsorgeuntersuchungen häufig nicht stattfinden. Vermeidbare Untersuchungen und Operationen mussten verschoben werden, sodass ausschließlich Patienten mit COVID-19 behandelt werden konnten. Insbesondere Krankenhäuser in Ländern mit ohnehin schwacher Infrastruktur sind teilweise durch die Pandemie stark überlastet und können schwangere Frauen häufig nicht ausreichend versorgen.

Wir sind weltweit im Einsatz für sichere Geburten:

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