Katastrophenvorsorge
Durch die Entwicklung von Notfallplänen und Schutzmaßnahmen bereiten wir Menschen auf Katastrophen vor.
Mehr erfahrenErdbeben gehören zu den häufigsten Naturkatastrophen der Erde. Obwohl ein Beben oft nur wenige Sekunden dauert, sind sie besonders gefährlich, weil sie meist ohne Vorwarnung auftreten und schwere Schäden verursachen können. Bei verheerenden Erschütterungen kommen oft Tausende Menschen ums Leben. Häuser werden beschädigt oder zerstört, viele Menschen verlieren ihr Zuhause. Auch die Infrastruktur leidet. Die Gesundheitsversorgung oder die Versorgung mit Trinkwasser kann massiv beeinträchtigt werden.
Malteser International unterstützt Betroffene direkt nach der Katastrophe und beim Wiederaufbau. Zusätzlich stärken wir die Katastrophenvorsorge, zum Beispiel durch Notfalltrainings und den Bau erdbebensicherer Strukturen.
Ein Erdbeben ist eine plötzliche Erschütterung des Bodens, bei der sich gespeicherte Energie in der Erdkruste als seismische Wellen ausbreitet. Es kann unterschiedlich stark sein – von kaum spürbar bis zu verheerenden Erschütterungen mit großen Schäden.
Ein Erdbeben entsteht, wenn sich durch die Bewegung tektonischer Platten über längere Zeit Spannungen aufbauen und sich dann plötzlich lösen. Dabei verschiebt sich Gestein entlang von Bruchzonen ruckartig – die Erde beginnt zu beben.
Der Ursprung des Bebens liegt tief unter der Erde (das sogenannte Hypozentrum). Der Punkt an der Erdoberfläche direkt darüber heißt Epizentrum – dort sind die Erschütterungen oft am stärksten.
Erdbeben treten häufig nicht als einzelner Stoß auf, sondern als Folge mehrerer Erschütterungen.
Erdbeben lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen. Zeitpunkt, Ort und Stärke eines Bebens können bislang nicht so genau bestimmt werden, dass sichere Warnungen Tage oder Stunden vorher möglich wären. Stattdessen arbeiten Fachleute mit Risikobewertungen: Auf Basis von Messdaten und historischen Ereignissen lässt sich abschätzen, wo und mit welcher Wahrscheinlichkeit Erdbeben in bestimmten Zeiträumen auftreten können.
Frühwarnsysteme können Erschütterungen kurz vor dem Eintreffen erkennen und warnen – oft bleiben nur Sekunden bis wenige Minuten. Sie nutzen Messstationen, die die ersten, schwächeren Wellen registrieren und automatisch Warnungen auslösen, bevor die stärkeren Bodenbewegungen ankommen. So können Menschen Schutz suchen und kritische Abläufe (z. B. Züge, Industrieanlagen) kurzfristig gesichert werden.
Erdbeben werden meist als Magnitude angegeben. Sie beschreibt die Stärke des Bebens an der Quelle und wird aus Messungen von Seismometern berechnet. Umgangssprachlich ist dabei oft von der Erdbebenskala oder Richterskala die Rede: Diese Magnitudenskala wurde in den 1930er-Jahren von Charles F. Richter (gemeinsam mit Beno Gutenberg) entwickelt und 1935 veröffentlicht – und wurde später unter Richters Namen bekannt.
Wichtig ist außerdem die Intensität: Sie beschreibt, wie stark ein Erdbeben an einem bestimmten Ort zu spüren ist und welche Schäden dort entstehen.
Merksatz: Eine höhere Magnitude bedeutet ein deutlich stärkeres Beben – die Skala ist logarithmisch.
| Magnitude | Einordnung der Stärke | Spürbarkeit | Typische Auswirkungen |
| < 2,0 | Mikro | Nicht spürbar | Nur messbar |
| 2,0–2,9 | Gering | Meist nicht spürbar | Messbar, i. d. R. ohne Schäden |
| 3,0–3,9 | Gering | Oft spürbar | Selten Schäden |
| 4,0–4,9 | Leicht | Deutlich spürbar | Gegenstände können wackeln, Schäden meist unwahrscheinlich |
| 5,0–5,9 | Moderat | Stark spürbar | Schäden möglich, v. a. an anfälligen Gebäuden |
| 6,0–6,9 | Stark | Sehr stark spürbar | Zerstörungen möglich in besiedelten Gebieten |
| 7,0–7,9 | Groß | Extrem stark spürbar | Schwere Schäden über größere Gebiete möglich |
| 8,0–8,9 | Sehr groß | Extrem stark spürbar | Starke Zerstörung über hunderte Kilometer möglich |
| 9,0–9,9 | Sehr groß | Extrem stark spürbar | Verheerende Zerstörung über sehr große Regionen möglich |
| ≥ 10,0 | Extrem | - | Bislang nicht registriert |
Erdbeben können innerhalb weniger Sekunden Menschenleben kosten und ganze Regionen in akute Notlagen stürzen. Allein in Deutschland werden jährlich mehrere hundert Erdbeben gemessen, die jedoch meistens so schwach sind, dass sie nicht spürbar sind. Schäden entstehen dabei nur in den seltensten Fällen. Das letzte schwerere Beben mit der Stärke 5,9 fand im Jahr 1992 statt. Dabei kam ein Mensch ums Leben und es entstanden Schäden im Wert von 250 Millionen DM (damals etwa 130 Millionen Euro).
In stärker gefährdeten Regionen der Welt können die Auswirkungen dagegen verheerend sein. Schwere Erdbeben zerstören ganze Dörfer, rauben Menschen ihr Zuhause und fordern Todesopfer. Ganze Ernten, Viehbestände und saubere Trinkwasserquellen werden durch Erdbeben vernichtet und damit häufig auch die Lebensgrundlage der Bevölkerung zerstört.
Neben zerstörter Infrastruktur und physischen Verletzungen hinterlassen die Beben auch seelische Schäden bei den Menschen. Deswegen ist es wichtig, die Überlebenden möglichst ganzheitlich zu unterstützen.
Erdbeben kommen meist ohne Vorwarnung – gute Vorsorge kann daher Leben retten und Schäden begrenzen. In Regionen, die besonders durch Erderschütterungen gefährdet sind, unterstützt Malteser International Gemeinden dabei, sich systematisch auf den Ernstfall vorzubereiten und schneller handlungsfähig zu sein.
Dazu gehören vor allem:
So stärken wir lokale Strukturen, damit Menschen im Notfall wissen, was zu tun ist – und Hilfe schneller und koordinierter ankommt.
Unmittelbar nach einem Erdbeben zählt jede Stunde. Malteser International unterstützt betroffene Menschen so schnell wie möglich mit lebenswichtiger Hilfe und arbeitet dafür eng mit lokalen Teams und Partnerorganisationen zusammen. So schaffen wir die Grundlage dafür, dass Menschen die ersten Tage nach der Katastrophe überstehen und die weitere Hilfe gezielt anlaufen kann.
Schwere Erdbeben der letzten Jahre zeigen, wie schnell sich eine Naturgefahr zur humanitären Katastrophe entwickeln kann – besonders dort, wo viele Gebäude nicht erdbebensicher sind und wichtige Versorgungsstrukturen wie Krankenhäuser, Straßen sowie Strom- und Wassernetze beschädigt werden.
Welche Erdbeben waren in den letzten (rund) 100 Jahren die stärksten? Die Infografik von Aktion Deutschland Hilft zeigt die zehn stärksten Beben nach Magnitude im Vergleich mit Angabe der jeweiligen Opferzahlen.
Das stärkste instrumentell gemessene Erdbeben ereignete sich 1960 in Chile mit Magnitude 9,5. Das Beben löste einen Tsunami aus, der großflächig schwere Verwüstungen und Schäden anrichtete. Dabei kamen 1.655 Menschen ums Leben, 3.000 wurden verletzt und rund zwei Millionen Menschen verloren ihr Zuhause.
Gleichzeitig wird deutlich: Sehr starke Beben sind nicht automatisch die mit den meisten Todesopfern – wie schwer die Folgen sind, hängt auch von Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Bauweise, Infrastruktur und Vorsorge ab.
Erdbeben entstehen, wenn sich in der Erdkruste Spannungen aufbauen und sich dann plötzlich ruckartig entladen. Grund dafür ist, dass die Erdkruste aus mehreren tektonischen Platten besteht, die sich langsam bewegen – angetrieben durch Strömungen im zähflüssigen Erdmantel. An Plattengrenzen (oder an Störungszonen innerhalb einer Platte) können sich Gesteinsblöcke verhaken. Wenn sie sich lösen, verschieben sie sich abrupt – und die freiwerdende Energie breitet sich als Erdbebenwellen aus.
Ab etwa Magnitude 5 muss man mit Schäden rechnen – besonders dort, wo Gebäude anfällig sind oder die Erschütterungen flach und nahe an Siedlungen auftreten. Für Menschen sind Erdbeben in bewohnten Gebieten bereits oft ab Magnitude 3–3,5 spürbar. Sie sind jedoch in der Regel zu schwach, um Schäden zu hinterlassen.
Deswegen können zwei Erdbeben mit ähnlicher Magnitude sehr unterschiedliche Folgen haben – etwa je nach Tiefe, Entfernung zum Epizentrum, Untergrund (weiche Böden können Erschütterungen verstärken) und davon, wie stabil Gebäude konstruiert sind.
Erdbeben können neben der eigentlichen Erschütterung weitere Gefahren auslösen – je nach Region und Bodenbeschaffenheit. Typisch sind Erdrutsche/Felsstürze, Bodenverflüssigung (Liquefaktion) in lockeren, wasserreichen Böden, Tsunamis nach Seebeben sowie Brände durch beschädigte Gas- oder Stromleitungen. Auch Überflutungen (z. B. durch Schäden an Dämmen) oder Stoffaustritte aus Industrieanlagen sind möglich.
Erdbeben lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen (also nicht mit sicherem Zeitpunkt, Ort und Stärke). Möglich sind vor allem Risikobewertungen und Wahrscheinlichkeiten für Regionen über längere Zeiträume.
Auch Frühwarnsysteme sind keine Vorhersage: Sie erkennen ein Beben direkt nach Beginn und können – je nach Entfernung – wenige Sekunden bis wenige Minuten Warnzeit geben, bevor starke Erschütterungen eintreffen.
Malteser International hilft unmittelbar nach der Katastrophe (z. B. mit Trinkwasser- und Hygieneversorgung, medizinischer Versorgung, Hilfsgütern und psychosozialer Unterstützung) und arbeitet dafür mit Teams und Partnern vor Ort. In der anschließenden Phase unterstützen wir u. a. den Wiederaufbau, die Reparatur von Wasser- und Sanitärinfrastruktur, mit Gesundheitsangeboten sowie Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge – etwa Trainings und erdbebensicheres Bauen.
Durch die Entwicklung von Notfallplänen und Schutzmaßnahmen bereiten wir Menschen auf Katastrophen vor.
Mehr erfahrenNach Naturkatastrophen oder bewaffneten Konflikten leisten wir schnelle und effektive Hilfe für die Bevölkerung.
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