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Tsunami in Indonesien

Tsunamis: Ursachen, Risikogebiete und Nothilfe

Tsunamis sind riesige Flutwellen, meist ausgelöst durch ein Erdbeben am Meeresboden, und gelten als eine der tödlichsten Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Sie bringen für betroffene Küsten teilweise verheerende Auswirkungen mit sich und können für Menschen in Risikogebieten eine große Gefahr darstellen. Gewaltige Tsunamis haben die Kraft, an Land und in Küstennähe alles mit sich zu reißen – selbst Frachtschiffe oder ganze Gebäude. In der Vergangenheit gab es Riesenwellen, die viele Todesopfer forderten und eine Schneise der Zerstörung hinterließen.

Ob 2004 in der Küstenregion des Indischen Ozeans oder 2011 in Japan: Die Tsunami-Katastrophen trafen die dortigen Bevölkerungen mit voller Wucht. Der Tsunami 2004 kostete als tödlichster seiner Art über 220.000 Menschen das Leben. Die Wassermassen in Japan forderten 16.000 Todesopfer. Ebenso löste dieser Tsunami 2011 die Nuklearkatastrophe von Fukushima aus. Seitdem hat sich die Katastrophenvorsorge in Risikogebieten glücklicherweise enorm verbessert.

Riesenwellen lassen sich nicht kontrollieren. Umso wichtiger ist es daher, aus bisherigen Katastrophen zu lernen und Schutzmaßnahmen in Form von Frühwarnsystemen zu entwickeln. Malteser International setzt sich zudem für sofortige Hilfsmaßnahmen und den Wiederaufbau betroffener Gebiete ein.

Was ist ein Tsunami?

Ein Tsunami besteht aus einer Reihe von Wellen, die durch eine Außeneinwirkung verursacht werden, wie z. B. ein unterseeisches Erdbeben. Hebt oder senkt sich der Boden unter dem Meeresspiegel plötzlich, entstehen über dem Epizentrum des Bebens große Wellen, die sich mit einer hohen Geschwindigkeit in alle Richtungen ausbreiten. Während Tsunamis an Land verheerende Auswirkungen haben, sind sie auf dem offenen Meer kaum bemerkbar.

Diese tückische Eigenschaft eines Tsunamis prägte den Namen der Naturkatastrophe: Der Begriff Tsunami kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Hafenwelle“. Wenn japanische Fischer nach einem ruhigen Tag auf hoher See in ihren Heimathafen zurückkehrten und diesen völlig verwüstet vorfanden, konnten sie sich die Katastrophe nur dadurch erklären, dass die Riesenwelle erst im Hafen entstand.

Die Wellenkämme erreichen im offenen Meer nämlich in der Regel nur eine maximale Höhe von 80 Zentimetern und stellen daher selbst für kleine Boote keine Gefahr dar. Trifft ein Tsunami jedoch auf niedriges Küstenwasser, türmen sich die Wassermassen immer höher auf. Die entstandene Flutwelle bringt eine enorme Zerstörungskraft mit sich und selbst kleinere Wellen können mehrere Kilometer weit ins Landesinnere reichen. Dort reißt das Wasser Bäume, Autos und Häuser mit sich. Meist bleibt es zudem nicht bei einer Welle. Stattdessen folgen häufig mehrere Flutwellen hintereinander. Tsunamis zählen daher mit zu den verheerendsten Naturkatastrophen.

Ursachen: Wie entsteht ein Tsunami?

Ein Tsunami entsteht, wenn in offenem Gewässer plötzlich riesige Wassermengen verdrängt werden. Die Ursachen hierfür sind Erdbeben, Erdrutsche, Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge. Der mit Abstand häufigste Auslöser für Tsunamis sind Erdbeben unter Wasser – sogenannte Seebeben. Hierbei verschieben sich Erdplatten und setzen große Menge an Wasser in Bewegung, sodass es zur Entstehung der Riesenwellen kommt. Diese nehmen an Höhe zu, je flacher das Wasser wird. In Küstennähe türmen sich die Wellen daher meist meterhoch auf.

Doch nicht jedes Erdbeben unter Wasser löst einen Tsunami aus – genau genommen führen nur 10 bis 20 Prozent aller Seebeben zu einer Riesenwelle. Erst wenn das Seebeben eine Stärke von 7,0 auf der Richterskala erreicht und sich die Erdplatten vertikal verschieben, reichen die Kräfte aus, um eine zerstörerische Flutwelle entstehen zu lassen.

Ein weiterer, jedoch seltener Auslöser für Tsunamis sind Vulkanausbrüche. Dabei können enorme Mengen an Gestein und Asche ins Meer geschleudert werden, wodurch eine Druckwelle entsteht, die einen Tsunami auslösen kann. Ein Beispiel hierfür ist der Ausbruch des Stratovulkans auf der Ritter-Insel (Papua-Neuguinea) im Jahr 1888. Dem Naturereignis folgte ein Tsunami, der die Nachbarinseln verwüstete.

Wie schnell und wie hoch können die Wellen werden?

Während sich gewöhnliche Wellen mit maximal 90 km/h bewegen, können Tsunamis Geschwindigkeiten von bis zu 800 km/h erreichen – das entspricht der Geschwindigkeit eines Flugzeugs. Durch das hohe Tempo durchqueren Tsunamis ganze Ozeane in wenigen Stunden. Dabei gilt: Je tiefer das Wasser, desto schneller sind die Wellen. In flachen Gewässern drosselt sich die Geschwindigkeit des Tsunamis daher meist auf 30 bis 50 km/h

Die Wellen des Tsunamis breiten sich von ihrem Ursprung kreisförmig in alle Richtungen aus. Dabei sind sie auf tiefer, offener See vergleichsweise klein und mit 30 bis 80 Zentimetern Höhe weitgehend ungefährlich. In der Nähe der Küste türmen sich die Wellen jedoch auf und erreichen in Extremfällen Höhen von über 30 bis 50 Metern.

Tsunami-Risikogebiete: In diesen Gebieten ist die Gefahr besonders hoch 

Tsunamis stellen eine Gefahr für Küstengebiete in vielen Teilen der Welt dar. Sie können theoretisch in allen Ozeanen und Meeresgebieten auftreten. Insbesondere sind jedoch Regionen gefährdet, in denen Erdplatten aneinandergrenzen, wie beispielsweise im Pazifischen Ozean. Am nördlichen Rand der Pazifischen Platte befindet sich der Pazifische Feuerring. Hierbei handelt es sich um eines der tektonisch aktivsten Gebiete der Erde. Aufgrund des hohen Aufkommens von Erdbeben ereignet sich dort der Großteil aller Tsunamis.

Doch auch in anderen Gebieten mit deutlich weniger Aktivität an den Plattenrändern besteht Tsunami-Gefahr, wie beispielsweise im Indischen Ozean, dem Mittelmeer oder dem Atlantik. Aufgrund ihrer geografischen Lage sind Länder an den dortigen Küsten besonders betroffen. Hierzu zählen u.a. Japan, Indonesien und Thailand.

Die Folgen eines Tsunamis

Die Aufnahmen bisheriger Tsunami-Katastrophen zeichnen ein Bild der totalen Zerstörung: Häfen, Dörfer und Städte in Küstennähe werden von den Wassermassen verwüstet. Zurück bleibt ein Trümmerfeld aus entwurzelten Bäumen, eingestürzten Gebäuden und einer zerstörten Infrastruktur. Die betroffenen Gebiete sind zudem meist über und über mit Schlamm, Sand und Müll verdreckt. Dadurch werden Felder und andere landwirtschaftliche Nutzflächen meist völlig unbrauchbar. Salz und Sand aus dem Meer können auch die Wasserversorgung durch Brunnen zum Erliegen bringen. Neben der unmittelbaren Zerstörung in den Küstengebieten können Tsunamis zahlreiche Menschenleben fordern. Ebenso verlieren viele Menschen in den betroffenen Gebieten ihre Existenzgrundlage und ihre Häuser.

Strom-, Gas- oder Telefonleitungen werden zerstört. Bahngleise, Straßen, Brücken und Häfen existieren schlichtweg nicht mehr, sodass ganze Regionen von der Außenwelt abgeschnitten werden. Dadurch wird nicht zuletzt auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten gefährdet. Langfristige wirtschaftliche, soziale und ökologische Auswirkungen zeigen sich erst in der Zeit nach der Katastrophe. Der Wiederaufbau nach einem solchen zerstörerischen Tsunami kann Jahre dauern und erfordert erhebliche Ressourcen und Unterstützung von außen.

Doch verheerende Tsunami-Katastrophen wie 2004 in Südostasien sind eine seltene Ausnahme. Nur etwa 10 Prozent aller Riesenwellen richten derartige Schäden an oder ziehen Todesopfer nach sich.

Die verheerendsten Tsunamis der letzten 100 Jahre

Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht der stärksten Tsunamis seit 1923, sortiert nach der Anzahl der Todesopfer. Die Daten verdeutlichen, dass selbst vergleichsweise niedrige Wellen großen Schaden anrichten können. Die bis dato jüngsten Tsunamis ereigneten sich 2018 auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra und 2022 infolge eines Ausbruchs des Unterwasservulkans Hunga Tonga-Hunga Haʻapai. Beide zählen jedoch nicht zu den verheerendsten Riesenwellen.

 

Tag des Ereignisses Land Stärke des Erdbebens maximale Wellenhöhe in Metern Zahl der Todesopfer
26.12.2004 Südostasien 9,1 50,90 227.899
11.03.2011 Japan 9,0 38,90 15.890
16.08.1976 Philippinen 8,1 8,50 4.376
27.11.1945 Pakistan 8,0 15,24 4.000
04.11.1952 Russland 9,0 18,00 4.000
02.03.1933 Japan 8,4 29,00 3.022
22.05.1960 Chile 9,5 25,00 2.234
17.07.1998 Papua-Neuguinea 7,0 15,03 2.205
01.09.1923 Japan 7,9 13,00 2.144
04.08.1946 Dominikanische Republik 7,8 5,00 1.790

Frühwarnsysteme und Katastrophenvorsorge: Lassen sich Tsunamis vorhersagen

Die Katastrophenvorsorge hat seit dem verheerenden Tsunami 2004 große Fortschritte gemacht: Es wurden Frühwarnsysteme eingerichtet, dank derer die Menschen in Risikogebieten rechtzeitig gewarnt werden können. Dadurch sollen künftige Tsunami-Katastrophen, die zahlreiche Todesopfer fordern, vermieden werden. Bei den Frühwarnsystemen kommen moderne Messmethoden zum Einsatz:

  • Drucksensoren am Meeresboden messen kontinuierlich den Wasserdruck.
  • Steigt der Druck rasant an, wird ein Signal per GPS an eine nahegelegene GPS-Boje gesendet.
  • Die Boje leitet die Messdaten an einen Satelliten weiter.
  • Frühwarnstationen der umliegenden Küsten erhalten das Warnsignal.
     

Durch die Warnsysteme lassen sich Tsunamis also vorhersagen, noch bevor sie auf die Küste treffen. Die Behörden vor Ort sind dadurch in der Lage, rechtzeitig Evakuierungsmaßnahmen einzuleiten, um so viele Menschen wie möglich zu schützen.

So wurde 2008 als Reaktion auf die Tsunami-Katastrophe von 2004 das German Indonesian Tsunami Early Warning System (kurz GITEWS) eingerichtet. Das Geoforschungszentrum Potsdam war maßgeblich an der Entwicklung dieses Frühwarnsystems beteiligt. Das System zählt zu den modernsten der Welt und ist in der Lage, auf Basis von ca. 300 Messstationen innerhalb von maximal fünf Minuten nach einem Seebeben ein Warnsignal zu senden.

Tsunamis lassen sich durch die Frühwarnsysteme jedoch nicht verhindern. Umso wichtiger ist es daher, dass die Menschen die natürlichen Warnsignale einer Riesenwelle kennen. Das sind mögliche Anzeichen für einen Tsunami:

  • Ein besonders starkes, langanhaltendes Erdbeben ist zu spüren.
  • Der Meeresspiegel steigt plötzlich stark an oder senkt sich stark ab.
  • Tiere ziehen sich fluchtartig zurück.
  • Das Meeresrauschen wird deutlich lauter.

Bei diesen Anzeichen sollten Warnungen von lokalen Behörden aufmerksam verfolgt werden. Im Fall einer Tsunami-Warnung sollten die Menschen die Küstengebiete sofort verlassen und höhergelegenes Gelände aufsuchen, wie hohe Berge, Dächer auf stabilen Hochhäusern oder Gebiete im höhergelegenen Landesinneren. Auch nachdem die erste Flutwelle passiert ist, sollten die Menschen wachsam bleiben, da Tsunamis in der Regel aus mehreren Wellen bestehen.

Malteser International setzt sich mit einer Vielzahl an Maßnahmen für die Katastrophenvorsorge in gefährdeten Regionen ein. Unser Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der lokalen Gemeinschaften zu stärken, indem wir beispielsweise Aufklärungskampagnen und Trainings durchführen, Notfallpläne erstellen und Notreserven beschaffen. Durch die Vorbereitung von Schutz- sowie Evakuierungsmaßnahmen, die Gewährleistung einer adäquaten Infrastruktur sowie die Stärkung des Katastrophenschutzes und des Gesundheitswesens vor Ort können Menschenleben im Falle eines Tsunamis gerettet werden.

Nothilfe und Wiederaufbau: unser Einsatz im Fall von Tsunamis

Wenn Tsunamis ganze Küsten verwüsten, ist schnelle und effiziente Hilfe entscheidend. Malteser International unterstützt betroffene Gebiete, die nach einer solchen Naturkatastrophe vor zahlreichen Herausforderungen stehen. Expertenteams oder medizinische Nothilfeteams (Emergency Medical Teams), bestehend aus Ärztinnen und Ärzten, Sanitäterinnen und Sanitätern sowie Fachleuten für Trinkwasser und Hygiene, können im Krisenfall rasch entsandt werden, wie beispielsweise im Oktober 2018 nach einem Tsunami in Indonesien. Auch von 2005 bis 2008 leisteten wir Nothilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau in vom Tsunami betroffenen Gemeinden.

Die Schwerpunkte unserer Tsunamihilfe lagen dabei u. a. auf der medizinischen Grundversorgung, dem Wiederaufbau von Schulen, Häusern und weiterer Infrastruktur sowie dem Aufsetzen einkommensschaffender Maßnahmen. Sauberes Trinkwasser und hygienische Sanitäreinrichtungen sind unerlässlich, um die Verbreitung von Krankheiten nach dem Tsunami zu verhindern. Wir arbeiteten daher in betroffen Gebieten zusätzlich daran, beschädigte Wasserversorgungssysteme zu reparieren.

Neben der physischen Gesundheit ist auch die psychische Gesundheit der Betroffenen von großer Bedeutung. Malteser International fokussiert sich daher in der Hilfe nach Tsunamis auf psychosoziale Unterstützung z. B. in Form von Beratungsprogrammen. Dadurch erhalten die Menschen professionelle Hilfe, um ihre Traumata zu verarbeiten. Unsere Arbeit zielt allgemein darauf ab, betroffenen Gemeinschaften auf ihrem Weg zum Wiederaufbau zu unterstützen.

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