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Syrien erlebt die schwerste Hungersnot der jüngeren Geschichte

Krieg, Dürre und steigende Preise sind die Auslöser der Hungerkrise

„Seitdem mein Mann gestorben ist, fehlt es uns an allem – insbesondere brauchen wir Brot.“ Umm Ibrahim lebt mit ihren vier Kindern in der Stadt al-Qantara im Norden der Region Idlib in Syrien. Dort bewirtschaftet sie ein kleines Stück Land, aber die schlechte Ernte brachte die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. 

„Die Pflanzen brauchen in der Wachstumsphase viel Wasser. Wir haben aber nicht genug, daher ist unsere Ernte schlecht.“ Die 46-Jährige arbeitet dennoch hart, um ihre Familie zumindest in der Erntezeit selbst zu versorgen. Das restliche Jahr über sind sie auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Wenn eines meiner Kinder nach etwas fragt und ich es ihm nicht geben kann, bricht mein Herz. Ich hoffe, dass sie eine bessere Zukunft haben werden.“

Im Nordwestenen Syriens sind mehr als vier Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen. Seit mehr als elf Jahren herrscht Krieg in ihrem Land. Für viele Menschen in der Region Idlib im Nordwesten des Landes ist es eines der schwersten Jahre überhaupt: Das Armuts- und Hungerrisiko ist so groß wie nie. Die wirtschaftliche Situation der Menschen hat sich durch eine anhaltende Dürre und mehre  Missernten weiter verschlechtert. Der Lebensmittelsektor steht kurz vor dem Zusammenbruch und immer mehr Menschen hungern. Etwa 12,4 Millionen Menschen in Syrien – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Das ist ein Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.

Situation der Binnenvertrieben ist besonders prekär

Besonders schwierig ist die Situation für die rund 1,5 Millionen Binnenvertriebenen, die in den provisorischen Flüchtlingscamps leben. Hier gibt es kaum Arbeit und die Menschen sind auf die monatlichen Lebensmittelverteilungen angewiesen, die jedoch kaum noch ausreichen, um eine große Familie zu ernähren – rund 79 Prozent der Menschen hier leiden unter Unterernährung. Die 33-jährige Doula lebt mit ihren sechs Kindern in einem Camp nahe der Stadt Kafr Lusin. Ihre kleine Tochter Zainab wurde unterernährt geboren. „Auf der Flucht haben wir zwei Tage lang nichts gegessen. Die Kinder haben vor Hunger geweint“, berichtet Doula. Das provisorische Zelt, in dem die Familie lebt, schützt sie kaum vor den extremen Temperaturen im Sommer und Winter. „Im Winter ist es so kalt und ich kann den Kindern nicht helfen, auch nicht, wenn sie krank sind. Es bricht mir das Herz sie so zu sehen“, sagt Doula.

Zumindest ihrer mittlerweile elf Monate alten Tochter Zainab konnte in der Kinderklinik unserer syrischen Partnerorganisation „Hand in Hand for Aid and Development“, dem Kalbet Health Center, geholfen werden. Zainab nimmt dank der Zusatznahrung, die sie nun erhält, wieder zu und wird hoffentlich in ein paar Monaten Normalgewicht erreichen.  „Alle meine Kinder sind im Krieg geboren worden. Ich hoffe sehr, dass sie irgendwann ein normales Leben haben können, so wie andere Kinder auf der ganzen Welt“, sagt Doula.

Unsere Hilfe in Syrien

Nach elf Jahren Krieg ist die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur in Syrien weitestgehend zusammengebrochen. Ein Großteil der Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen wurde zerstört, es fehlt an Medikamenten, Material und Personal. In enger Zusammenarbeit mit unseren syrischen Partnerorganisationen „Hand in Hand for Aid and Development“ und „Independent Doctors Association“ betreiben und unterstützen wir zahlreiche Krankenhäuser, Basisgesundheitszentren und mobile medizinische Teams, um die Gesundheitssituation der Menschen in der Region Idlib zumindest etwas zu verbessern. Darüber hinaus fördern wir Maßnahmen zur Ernährungssicherung, in dem wir helfen Gemeinschafts- und Hausgärten anzulegen, in denen die Menschen eigene Nahrungsmittel anbauen können. 

Die zusätzlichen Nahrungsmittel sind angesichts der steigenden Preise für Lebensmittel und der katastrophalen Ernährungssituation dringend notwendig. Die Menschen in den Flüchtlingslagern, die auf die Lebensmittelverteilungen angewiesen sind, sind verunsichert. Die 40-jährige Umm Uday, die mit ihrer Familie aus der Stadt Homs vertrieben wurde und in einem provisorischen Flüchtlingslager im Nordwesten Syriens lebt, appelliert an die Weltgemeinschaft: „Wir hören Tag und Nacht von der Aussetzung der Hilfe. Wir hoffen, dass Sie uns weiter beistehen und dass unser Leben nicht zu Ende ist, bevor wir in unsere Heimat zurückgekehrt sind.“

(August 2022)

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