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Vergessene Krisen: mehr Aufmerksamkeit für Menschen in Not

Im digitalen Zeitalter hat sich die Geschwindigkeit, mit der sich Nachrichten verbreiten, drastisch erhöht. In den ersten Tagen und Wochen nach dem Ausbruch einer humanitären Krise berichten die Medien kontinuierlich und umfassend aus der Krisenregion, sodass die Katastrophe im Fokus der Öffentlichkeit steht. Danach ebben die Berichterstattung und das Interesse der Öffentlichkeit – und damit in der Regel auch die Hilfe – meist deutlich ab. Doch die vor Ort herrschende Notsituation für die Menschen dauert an.

Gerade langwierige humanitäre Krisen benötigen eine viel stärkere Aufmerksamkeit, denn betroffen sind meist ohnehin arme und besonders verwundbare Bevölkerungsgruppen. Vor allem für diese Menschen sind mehr internationale Hilfe sowie wesentlich intensivere Anstrengungen zur Lösung bestehender Konflikte dringend notwendig.

Was sind vergessene Krisen? 

Die Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission (ECHO) definiert eine vergessene Krise als eine schwere und lang andauernde humanitäre Krisensituation, die z. B. durch eine Naturkatastrophe, den Klimawandel, kriegerische Auseinandersetzungen, Wirtschaftskrisen oder häufig eine Kombination multipler Ursachen, verursacht wurde. Dabei erhält die ohnehin arme und verwundbare Bevölkerung keine oder kaum internationale Hilfe und der Krisensituation kommt nur wenig mediale Berichterstattung zu.

Die Berichterstattung in den Medien spielt für die Bewältigung humanitärer Katastrophen eine essenzielle Rolle, denn erst durch diese wird eine Vielzahl von Gebern und Spendern auf die Krise aufmerksam. So trägt die Medienberichterstattung dazu bei, die nötigen Gelder für Hilfsprojekte zu mobilisieren und diese in die Tat umzusetzen.

Seit 2004 gibt es das sogenannte „Forgotten Crisis Assessment“ (FCA), in dem ECHO jedes Jahr eine Liste vergessener Katastrophen und Krisen bereitstellt. Für 2022 und 2023 wurden 15 Krisen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Karibik identifiziert. Auch die Hilfsorganisation Care stellt jährlich in ihrem „Breaking the Silence Report“ die zehn humanitären Krisen vor, die die wenigste mediale Aufmerksamkeit erhalten haben.

Bundesweite Kampagne: vergessene Krisen #InDenFokus

Malteser International beteiligt sich gemeinsam mit etwa 30 Hilfsorganisationen an der bundesweiten Kampagne #InDenFokus des Auswärtigen Amtes, um vergessene humanitäre Krisen in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Das Ziel der Kampagne ist es, weltweite Notlagen sichtbar zu machen und das öffentliche Interesse für sie zu stärken, damit Menschen in Not dringend benötigte Hilfe zukommt.

Die Aktionswoche findet bundesweit ab dem 6. Mai statt und soll über die humanitäre Situation in den drei Kampagnenländern Libanon, Südsudan und Bangladesch informieren. Im Rahmen der Aktionswoche sind verschiedene Veranstaltungen geplant, die auch von Prominenten wie Schauspieler Benno Fürmann oder Rapper MoTrip, der im Libanon geboren wurde, unterstützt werden. Die beiden reisen zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Hilfsorganisationen Ende April in den Libanon, um sich vor Ort ein Bild von der Situation und den Hilfsprojekten zu machen. 

Mehr zur Kampagne #InDenFokus

Vergessene Katastrophen und Krisen im Fokus: Einsatz in unseren Projektländern

Bangladesch

Das Flüchtlingscamp im Distrikt Cox’s Bazar ist mit rund 900.000 Menschen das größte Flüchtlingscamp der Welt. Seit 2017 harrt ein Großteil der Geflüchteten aus Myanmar hier aus – ohne Hoffnung auf eine zeitnahe Rückkehr in ihre Heimat. Die Lebenssituation im Camp ist dramatisch. Durch die Bevölkerungsdichte können sich Krankheiten besonders schnell verbreiten. Es mangelt an einer ausreichenden Wasser- und Lebensmittelversorgung, angemessenem Wohnraum und Sanitäreinrichtungen. Auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung ist nicht gesichert. (Natur-)katastrophen wie Überschwemmungen oder Bränden sind die Campbewohnerinnen und -bewohner schutzlos ausgesetzt. Erst im März 2023 wurden durch einen Großbrand über 2.000 Unterkünfte zerstört.

Malteser International leistet bereits seit Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2017 zusammen mit lokalen Partnern Hilfe in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Hygiene und Ernährung, um die Lebensbedingungen für Geflüchtete und die lokale Bevölkerung zu verbessern. In Gesundheitszentren versorgen wir Menschen medizinisch, leisten psychosoziale Unterstützung und führen darüber hinaus Gesundheits- und Hygienetrainings durch.

Mehr zu unserem Einsatz in Bangladesch

Libanon

Extreme Armut, Ernährungsunsicherheit und überlastete Gesundheitssysteme: Die Menschen im Libanon leiden seit Jahren unter der andauernden Finanzkrise und der politischen Instabilität im Land. Die Menschen in der Hauptstadt Beirut kämpfen zudem noch immer mit den Folgen der verheerenden Explosionskatastrophe im Jahr 2020.

Unser Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung langfristig zu stärken und eine Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der Gesundheitsversorgung sicherzustellen, indem wir die lokale Landwirtschaft für eine bessere Ernährungssituation im Land fördern. Des Weiteren setzen wir uns dafür ein, ein kooperatives medizinisches Netzwerk zu schaffen und fachkundiges Personal auszubilden und fördern die Kapazitäten und Strukturen unseres lokalen Partners im Gesundheitssektor sowie den Betrieb von diversen Gesundheitszentren.

Mehr zu unserem Einsatz im Libanon

Südsudan

Die Menschen im Südsudan haben mit vielen Krisen zu kämpfen. Derzeit leidet die Bevölkerung unter einer hohen Inflation und einer wirtschaftlichen Schieflage. Auch Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs ist die Infrastruktur in vielen Regionen des Südsudans noch immer nicht wiederhergestellt. Die Folgen des Klimawandels, wie Überflutungen und Dürren, und anhaltende Gewalt zwischen Viehzüchtern und Landwirten führen dazu, dass viele Südsudanesen und Südsudanesinnen in andere Gebiete des Landes fliehen müssen. Dadurch hat sich die ohnehin schon unzureichende Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln noch einmal deutlich verschlechtert. So herrscht vielerorts Hunger, Mangel- und Unterernährung – ein Großteil der Bevölkerung ist ernährungsunsicher und vor allem Kinder sind durch akute Mangelernährung auf eine Behandlung angewiesen. Außerdem besteht ein hohes Risiko, an Krankheiten wie Cholera oder Masern zu erkranken.

Wir setzen uns in verschiedenen Hilfsprojekten dafür ein, die Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung zu verbessern, indem wir beispielsweise Brunnen und Haushaltslatrinen errichten sowie die Wasserversorgung in Schulen und Gemeinden wiederaufbauen. Die Ernährungssicherheit ist ein weiterer zentraler Teil unseres Einsatzes im Südsudan. Hier unterstützen wir Familien dabei, ihre Felder zu bestellen und führen Schulungen zur Saatgutvermehrung sowie zu Anbaupraktiken durch. 

Mehr zu unserem Einsatz im Südsudan

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