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Flüchtlinge im Sudan: Ursachen und Ausmaß der Vertreibung

Millionen Menschen aus dem Sudan sind auf der Flucht – innerhalb des Landes und über seine Grenzen hinaus. Seit Beginn des bewaffneten Machtkampfs zwischen der Armee und der RSF-Miliz im April 2023 wurden rund 14 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben (Quelle: UNHCR, Stand: 12/2025). 

Die anhaltende Gewalt, fehlende Versorgung und unsicheren Lebensbedingungen zwingen viele Menschen immer wieder zur Entscheidung zwischen Flucht, Ausharren und Rückkehr. Humanitäre Hilfe bleibt überlebenswichtig. Auch im Jahr 2026 sind 33,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – die weltweit höchste Zahl und ein Anstieg um 3,3 Millionen gegenüber 2025. (Quelle: UNOCHA, Stand: 03/2026). Malteser International unterstützt die Menschen daher mit medizinischer Hilfe, Maßnahmen zur Verbesserung der Wasser- und Hygieneversorgung sowie gezielter Unterstützung für besonders gefährdete Gruppen.

Das Wichtigste zur Flucht im Sudan in Kürze

  • Der Krieg zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und der RSF-Miliz hat seit April 2023 zur weltweit größten Vertreibungskrise geführt (Quelle: UNHCR, Stand: 12/2025).
  • Rund 14 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen, davon etwa 7,1 Millionen innerhalb des Sudans und über 4,4 Millionen in Nachbarländer (Quelle: UNHCR, Stand: 12/2025).
  • Kinder sind besonders betroffen: Mehr als 5 Millionen Kinder sind auf der Flucht und dabei Gewalt, Hunger und Ausbeutung ausgesetzt (Quelle: UNICEF, Stand: 01/2026).
  • Die humanitäre Lage ist dramatisch: Rund 21 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit, Millionen Kinder sind mangelernährt (Quelle: IPC, Stand: 10/2025).
  • Humanitäre Hilfe bleibt entscheidend, etwa um Menschen mit medizinischer Versorgung und sauberem Wasser zu unterstützen.

Warum fliehen Menschen aus dem Sudan?

Auslöser der massiven Fluchtbewegungen ist der bewaffnete Machtkampf, der am 15. April 2023 zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) unter General Burhan und der paramilitärischen Miliz Rapid Support Forces (RSF) unter General Daglo ausgebrochen ist. Der Konflikt um die politische und militärische Vorherrschaft hat sich inzwischen auf große Teile des Landes ausgeweitet und ganze Regionen destabilisiert. Die Vereinten Nationen werfen den Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Mehrere Faktoren treiben seitdem die Flucht im Sudan an:

1. Gewalt und bewaffneter Konflikt
Viele Flüchtlinge werden unmittelbar durch den Krieg vertrieben. Sie fliehen vor Kämpfen, Bombardierungen und Angriffen auf Wohngebiete. Tausende Zivilisten wurden bereits getötet oder verletzt. In einigen Regionen – etwa in Darfur – eskalierte zudem die ethnische und sexualisierte Gewalt. 

2. Belagerungen und Angriffe auf die Infrastruktur
In mehreren Städten und Regionen sind Menschen über lange Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Beschuss und Angriffe treffen häufig auch zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser, Wasserstellen oder Märkte. Dadurch verlieren viele Familien ihre grundlegenden Lebensbedingungen.

3. Hunger und Zusammenbruch der Versorgung
Der Krieg hat die Versorgung mit Lebensmitteln massiv beeinträchtigt. In Teilen des Landes wurde bereits 2024 eine Hungersnot festgestellt. Mittlerweile besteht in über 20 Gebieten eine akute Gefahr der Hungersnot (Quelle: IPC, Stand: 10/2025).

4. Kollaps von Gesundheits- und Bildungssystem
Viele Menschen verlassen ihre Heimat auch deshalb, weil grundlegende staatliche Strukturen zusammengebrochen sind. Zahlreiche Krankenhäuser sind nicht mehr funktionsfähig und Medikamente fehlen. Gleichzeitig können fast 19 Millionen Kinder keine Schule besuchen, weil Gebäude zerstört oder als Notunterkünfte genutzt werden.

Weltweit größte Vertreibungskrise: Wie viele Menschen sind im Sudan auf der Flucht?

Mit rund 14 Millionen vertriebenen Menschen gilt die Lage im Sudan heute als größte Vertreibungskrise weltweit

  • Etwa 7,1 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.
  • Mehr als 4,4 Millionen haben Schutz in Nachbarländern wie dem Tschad, Ägypten oder dem Südsudan gesucht (Quelle: UNHCR, Stand: 12/2025). 


Warum kehren viele Geflüchtete zurück? 

In vielen Binnenvertriebenen-Camps und auch in Nachbarländern wie Ägypten oder dem Südsudan sind die Lebensbedingungen extrem angespannt. Überlastete Versorgungssysteme, fehlende Perspektiven und zunehmender Mangel drängen Menschen dazu, in ihre Herkunftsregionen zurückzukehren – selbst wenn dort weiterhin Unsicherheit herrscht.

Trotz der anhaltenden Kämpfe und Zerstörung sind daher nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) über drei Millionen Menschen in ihre Herkunftsregionen zurückgekehrt (Quelle: IOM, Stand: 01/2026). 

Teilweise entstehen in einzelnen Gebieten, etwa im Osten des Landes oder in der Hauptstadt Khartum, Phasen relativer Stabilität, die Rückkehrbewegungen ermöglichen. Internationale Organisationen warnen jedoch eindringlich: Die Lage im Sudan bleibt insgesamt weder sicher noch stabil. Viele Rückkehrer finden zerstörte Infrastruktur und kaum funktionierende Grundversorgung vor.

Kinder im Zentrum der Krise

Kinder sind von der Vertreibung besonders stark betroffen. Laut UNICEF mussten mehr als 5 Millionen Mädchen und Jungen seit Beginn der Kämpfe ihre Heimat verlassen und teilweise mehrfach fliehen (Quelle: UNICEF, Stand: 01/2026). Damit ist der Sudan derzeit auch Schauplatz der weltweit größten Krise für vertriebene Kinder.

Vertreibung bedeutet für die Jüngsten nicht nur den Verlust ihres Zuhauses. Die Mädchen und Jungen sind Gewalt nahezu schutzlos ausgeliefert, ihre Sicherheit und ihr Leben sind akut bedroht. Viele Familien fliehen daher, um ihre Kinder vor den Gefahren des Krieges wie Ausbeutung und traumatischen Erlebnissen zu schützen.

Gleichzeitig verschärft sich die humanitäre Lage besonders für vulnerable Gruppen dramatisch: Im Jahr 2026 werden voraussichtlich 4,2 Millionen Kinder unter 5 Jahren und schwangere/stillende Frauen an akuter Mangelernährung leiden, darunter über 800.000 an schwerster akuter Mangelernährung, die ohne Behandlung lebensbedrohlich sein kann (Quelle: IPC, Stand: 02/2026. 

Wie leben vom Krieg vertriebene Flüchtlinge im Sudan?

Für viele sudanesische Flüchtlinge ist der Alltag von extremer Unsicherheit, Mangel und Überlastung geprägt. Ob innerhalb des Landes oder in Nachbarstaaten: Die Unterbringung erfolgt häufig in provisorischen Flüchtlingslagern, Sammelunterkünften oder bei Gastfamilien. Infrastruktur, sanitäre Anlagen und medizinische Versorgung reichen vielerorts nicht aus. Dadurch ergeben sich Bedingungen, unter denen sich Krankheiten wie Cholera schnell ausbreiten können. 

Besonders in Grenzregionen entstehen überfüllte Camps mit nur begrenztem Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, sauberem Trinkwasser und funktionsfähigen Sanitäranlagen. Auch Aufklärung zu sicheren Hygienepraktiken erreichen viele Menschen nicht. Die vorhandenen Angebote reichen bei Weitem nicht aus, um die grundlegenden Mindestanforderungen für ein gesundes und würdevolles Leben zu erfüllen.

Die Ernährungslage im Sudan hat sich dramatisch verschlechtert. Laut der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) litten im Oktober 2025 rund 21 Millionen Menschen im Sudan unter akuter Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase 3 oder höher) – das entspricht etwa 45 % der Bevölkerung. In besonders stark betroffenen Gebieten erreichen Hunger und Unterversorgung extreme Ausmaße: In der Stadt El Fasher befinden sich etwa 30 % der Bevölkerung in der höchsten Krisenstufe (Phase 5).

Experten des IPC-Famine-Review-Committee warnen zudem, dass in vielen Krisengebieten der Zusammenbruch grundlegender Versorgungssysteme – etwa im Gesundheitswesen, bei Wasser und Hygiene – die Hungersituation weiter verschärft und die Sterblichkeit erhöht (Quelle: IPC, Stand: 10/2025). Viele Familien haben keinen verlässlichen Zugang zu Nahrungsmitteln. Unterbrechungen von Lieferketten und fehlende Einkommen verschärfen die Situation zusätzlich.

Das sudanesische Gesundheitssystem ist nahezu vollständig kollabiert. Der Großteil des medizinischen Personals hat das Land bereits verlassen. Die verbleibenden Kräfte leiden unter einem gravierenden Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten, Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und technischer Ausrüstung. Die ohnehin knappen Ressourcen führen dazu, dass viele Krankenhäuser kaum noch funktionsfähig sind und sich Infektionen dort rasch ausbreiten. Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist dadurch massiv eingeschränkt. Selbst grundlegende Behandlungen können vielerorts nicht mehr gewährleistet werden. In überfüllten Camps und Notunterkünften steigt aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen zugleich das Risiko von Krankheitsausbrüchen wie Cholera.

Sauberes Trinkwasser ist vielerorts knapp. Überlastete Sanitäranlagen, fehlende Abwassersysteme und mangelnder Zugang zu Seife für die persönliche Hygiene verschärfen die Lage zusätzlich. Vor allem Kinder, stillende Mütter und Schwangere sind in dieser Situation besonderen Risiken ausgesetzt. 

Für Millionen Kinder bedeutet Flucht auch den Abbruch ihrer Schulbildung: Fast 19 Millionen Kinder können keine Schule besuchen, weil Gebäude zerstört oder als Notunterkünfte genutzt werden (Quelle: Save the Children, Stand: 01/2026). Organisationen versuchen, mit provisorischen Lernangeboten und sogenannten kinderfreundlichen Räumen zumindest einen Teil der Bildungs- und Schutzlücke zu schließen. Dennoch bleibt die Bildungskrise eine der langfristig gravierendsten Folgen der Vertreibung.

Wie hilft Malteser International Flüchtlingen im Sudan?

Malteser International unterstützt die vom Krieg betroffenen Flüchtlinge im Sudan mit medizinischer Nothilfe sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung. Ziel unserer Hilfe ist es, das stark belastete Gesundheitssystem zu stärken, Krankheitsausbrüche zu verhindern und die Lebensbedingungen für vertriebene Menschen und ihre Aufnahmegemeinden zu verbessern.

Malteser International arbeitet dabei auf mehreren Ebenen: auf institutioneller Ebene, etwa durch die Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen, auf Gemeindeebene durch Aufklärungsarbeit und den Aufbau gemeinschaftlicher Infrastruktur sowie auf Haushaltsebene, um besonders schutzbedürftige Menschen gezielt zu erreichen.

Um die medizinische Versorgung vor Ort zu unterstützen, entsandten wir zum Beispiel Ende 2025 ein Team von Gesundheitsexpertinnen und -experten nach Port Sudan. Dort schulten wir medizinisches Personal in Krankenhäusern, das aufgrund der anhaltenden Gewalt häufig nur über begrenzte Ausbildung verfügt. Mit den Trainings vermittelten wir lebensrettende Maßnahmen wie Wiederbelebung, die Behandlung schwerer Verletzungen und die Versorgung von Knochenbrüchen. 

Darüber hinaus setzt Malteser International gemeinsam mit der Partnerorganisation LM Sudan lebensrettende Hilfsprojekte in den an den Südsudan angrenzenden Bundesstaaten South Kordofan und Blue Nile State um. Die Programme konzentrieren sich auf die Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung sowie auf Hygienemaßnahmen. Dazu gehören der Bau von Latrinen, Hygieneschulungen für Gemeinden, die Instandsetzung wichtiger Wasserinfrastrukturen sowie Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von Cholera. Diese Aktivitäten sollen das Risiko von Krankheitsausbrüchen verringern und die Gesundheitsbedingungen in den betroffenen Regionen nachhaltig verbessern.

Häufige Fragen zu Flüchtlingen aus dem Sudan

Die meisten sudanesischen Flüchtlinge bleiben in der Region der Sahelzone und am Horn von Afrika. Länder wie der der Südsudan, Tschad oder Ägypten nehmen Hunderttausende bis Millionen Menschen auf, obwohl ihre eigenen Ressourcen begrenzt sind. Infrastruktur, Gesundheitsdienste und Versorgungssysteme geraten in diesen Aufnahmeländern dadurch stark unter Druck. Die internationale Unterstützung reicht vielerorts nicht aus, um diese Belastung auszugleichen.

Nein, die humanitäre Hilfe für Sudan Flüchtlinge gilt als massiv unterfinanziert. Der regionale Hilfsplan für 2025, der den humanitären Bedarf im Sudan beschreibt und die zur Deckung der Bedarfe erforderlichen Finanzmittel beziffert, ist derzeit nur zu rund 25 Prozent gedeckt (Quelle: UNHCR, Stand: 02/2026). Fehlende Mittel führen dazu, dass Programme gekürzt werden müssen – mit direkten Folgen für die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe.

Der rechtliche Zugang zum Arbeitsmarkt unterscheidet sich je nach Land. In einigen Staaten ist eine Erwerbstätigkeit grundsätzlich möglich, doch bürokratische Hürden, fehlende Dokumente oder Sprachbarrieren erschweren häufig den Zugang zu regulärer Beschäftigung. Viele Familien bleiben daher auf humanitäre Unterstützung angewiesen.

Die anhaltende Vertreibung belastet nicht nur den Sudan selbst, sondern auch die Stabilität, die Sicherheit und den Frieden in der gesamten Region. Überforderte Aufnahmeländer, unterbrochene Bildungslaufbahnen und fehlende wirtschaftliche Perspektiven können langfristige soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben – sowohl für die Geflüchteten als auch für die Aufnahmegemeinden.

Unterstützung ist vor allem durch Spenden möglich. Hilfsorganisationen wie Malteser International setzen die Mittel für medizinische Versorgung, Wasser- und Hygienemaßnahmen sowie Schutz- und Unterstützungsangebote für besonders gefährdete Menschen ein.

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