Libanon: Resilienz am Limit
Seit Jahren leben die Menschen im Libanon mit mehreren Krisen gleichzeitig: Wirtschaftskollaps, politische Instabilität, Gewalt und Vertreibung. Im März 2026 ist zwischen Israel und der libanesischen Gruppierung Hisbollah erneut ein Krieg ausgebrochen, der rund eine Million Menschen, rund ein Viertel der Bevölkerung, dazu gezwungen hat, ihr zu Hause zu verlassen.
Schauen wir von außen auf den Libanon, bekommen wir den Eindruck, dass die Menschen dort besonders resilient sind. Immer wieder passen sie sich neuen Umständen an.
Wir haben unsere Mitarbeiterin im Libanon, Nayla El-Kouhry, nach der Resilienz gefragt: „Es geht nicht nur darum, schwierige Zeiten zu bewältigen. Resilienz bedeutet, nach Schmerz und Zerstörung wieder aufzustehen, sich zu erholen, wieder aufzubauen. Es geht darum, Zuversicht zu bewahren und nach jedem Rückschlag stärker zu werden. Die Libanesen sind wie der Phönix, der legendäre Vogel des ewigen Lebens, der selbst wenn er verbrennt, wieder aus der Asche aufersteht. Genauso erheben sich die Libanesen jedes Mal wieder, wenn sie mit Kriegen und Not konfrontiert werden“, sagt Nayla El-Khoury.
Wenn Resilienz an Grenzen stößt
Doch Dauerkrisen bedeuten Stress und viele Menschen sind erschöpft, psychisch belastet oder haben längst ihre Ersparnisse und Perspektiven verloren. Viele hatten sich vom letzten Krieg mit Israel 2024 und den zahlreichen weiteren Krisen noch nicht erholt, als bereits die nächsten Kampfhandlungen begannen.
Die wiederkehrende Gewalt und Vertreibung reißen Familien immer wieder aus dem Alltag – und machen selbst Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Medikamente oder Transport für viele unbezahlbar.
In dieser Lage wird Resilienz auch zur Frage von Zugang: Wer erreicht noch medizinische Versorgung? Wer findet Unterstützung, wenn Medikamente unbezahlbar werden?
Viele Menschen berichten von Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit. Umso wichtiger ist es, dass Hilfe nicht nur kurzfristig reagiert, sondern Wege eröffnet, wie Familien wieder handlungsfähig werden können.
So helfen wir
Malteser International ist seit 2012 im Libanon aktiv und arbeitet eng mit dem Order of Malta Lebanon zusammen. Im Mittelpunkt stehen Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherheit. In akuten Eskalationen kommt Nothilfe hinzu – etwa medizinische Betreuung in Notunterkünften und die Versorgung mit lebenswichtigen Hilfsgütern.
- Mobile Gesundheitsversorgung
- Kostenlose Behandlung und Medikamente
- Psychosoziale Unterstützung
- Nothilfe in Notunterkünften
- Verteilung wichtiger Hilfsgüter wie Hygieneartikel und Decken für Familien, die fliehen mussten
- Landwirtschaftliche Zentren stärken Wissen und Kapazitäten für lokale Nahrungsmittelproduktion
- Einkommensmöglichkeiten
- Sozialer Zusammenhalt
Was humanitäre Hilfe im Libanon so schwierig macht
Humanitäre Hilfe im Libanon ist herausfordernd, weil sich Sicherheitslage, Bedarf und Kosten laufend verändern. Dies geschieht zum einen durch die gewaltsame Auseinandersetzung der Hisbollah mit Israel, aber auch indirekt, durch steigende Benzinpreise durch den Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Unsere Einsätze müssen kurzfristig unterbrochen werden, Infrastruktur und Lieferketten sind fragil, und das überlastete Gesundheitssystem kann die steigende Nachfrage oft nicht abfedern. Umso wichtiger sind flexible Angebote, die Menschen schnell erreichen – und zugleich längerfristige Perspektiven schaffen.
Warum Resilienz Unterstützung braucht
Resilienz ist im Libanon spürbar – aber sie ist nicht grenzenlos. Wenn Krise zur Normalität wird, brauchen Menschen verlässliche Anlaufstellen: medizinische Versorgung, Schutz und Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu sichern. Genau daran arbeitet Malteser International zusammen mit dem libanesischen Malteserorden.