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A picture of an senior woman from Venezuela with her grandchild in front of their appartement
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Haydee Darias: “Ich habe so etwas noch nie erlebt.”

Haydee Darias, 66, aus Venezuela ist eine echte Überlebenskünstlerin. Als sie acht Jahre alt war, erlebte sie ihr erstes schweres Erdbeben. Im Jahr 1999 überlebte sie die „Katastrophe von Vargas“, als sintflutartige Regenfälle Erdrutsche auslösten, die im heutigen La Guaira Tausende Menschen das Leben kosteten und viele in die Flucht trieben. Trotz der Entbehrungen und Herausforderungen in ihrem von Krisen heimgesuchten Land baute sie sich und ihrer Familie ein Leben auf. Dann, am 24. Juni 2026, spürte sie erneut, wie der Boden bebte.

Haydee lebt in der Küstenstadt Caraballeda, einer der Gemeinden, die am stärksten von den Erdbeben und Nachbeben betroffen waren. Schon vor den Erdbeben war das Leben hier für die meisten Menschen nicht einfach. Die Armutsquote ist hoch, und viele Familien leben unter sehr prekären Bedingungen. Als die Erdbeben zuschlugen, befand sich Haydee gerade auf ihrer Terrasse.

 „Als ich spürte, wie der Boden bebte, dachte ich, mir würde etwas zustoßen. Ich war mit meinen Enkelkindern zusammen und sagte ihnen, sie sollten sich nicht bewegen und sich festhalten. Es war unbeschreiblich. Es erinnerte mich an das Erdbeben von 1967. Damals war ich acht Jahre alt. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Die Angst ist zu einem ständigen Begleiter geworden

Haydee lebt mit ihrer Familie weiter oben am Hang, wo die Schäden weniger schwerwiegend sind. Unten am Hang hingegen wurden ganze Stadtviertel verwüstet. „Gott sei Dank ist meine Familie in Sicherheit. Aber ich kannte viele Menschen, die ihr Leben verloren haben.“

Haydee wohnt zusammen mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und deren drei Kindern in einer Wohnung: Josealis (15), Christopher (12) und Adhara (2). An den Wänden sind Risse entstanden, die sie bereits zu reparieren versucht haben. Die ganze Familie ist vom Schlafmangel erschöpft. Nachts liegen sie oft wach und können nicht richtig schlafen. Die Angst vor einem weiteren Erdbeben ist zu einem ständigen Begleiter geworden.

Vor allem Christopher hat seit dem Erdbeben große Schwierigkeiten. Er leidet unter starken Angstzuständen. „Freunde meines Enkels sind verschwunden; sie gingen alle auf dieselbe Schule“, sagt Haydee. Christopher erkrankte zudem an Fieber, doch die Familie hatte keine Medikamente.

Medizinische Unterstützung für bedürftige Familien

Unsere lokale Partnerorganisation konnte nach den Erdbeben sehr schnell eine mobile Klinik in Caraballeda einrichten. Die Familie suchte dort Hilfe auf, und das medizinische Team unseres Partners untersuchte Christopher und versorgte ihn mit dringend benötigten Medikamenten. Außerdem behandelten sie seine kleine Schwester, die sich den Fuß an einem Riss im Boden verletzt hatte. 

„Die voll ausgestatteten mobilen medizinischen Einheiten werden über einen Zeitraum von drei Monaten eingesetzt, um eine kontinuierliche, dezentrale medizinische Versorgung der Menschen in den am stärksten betroffenen Gebieten von Caracas, La Guaira und Miranda sicherzustellen. Angesichts des akuten Medikamentenmangels in der Krisenregion schicken wir zudem Medikamente und medizinisches Material aus Deutschland“, sagt unser Nothilfekoordinator Jonas Jung.

Sorgen um die Zukunft

Die Familie ist erleichtert, medizinische Unterstützung zu erhalten und das Erdbeben weitgehend unverletzt überstanden zu haben. Doch die Sorge um die Zukunft bleibt. Haydees 34-jährige Tochter Aydelis arbeitete in einer Apotheke, die durch das Erdbeben vollständig zerstört wurde. Mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes fällt das Einkommen weg, was die Familie zusätzlich belastet.

„Unten am Hang ist alles vollkommen zerstört. Ich war noch nicht dort“, sagt Haydee. „Ojos que no ven, corazón que no siente – was die Augen nicht sehen, berührt das Herz nicht. Ich möchte es nicht sehen.“

Juli 2026

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