Tanzen war Ahmeds Passion
Medizinische Unterstützung für Menschen aus Gaza
Stolz zeigt Ahmed die Videos, die sein Vater von seinen Auftritten mit dem Handy gedreht hat. Auch auf Youtube wurden einige Videos von ihm und seiner Tanzgruppe veröffentlicht. Das war, bevor eine Kugel den 21-Jährigen traf und am Kopf verletzte. Damals war er auf den Straßen von Gaza unterwegs, auf der Suche nach Lebensmitteln. Denn zuvor war das Haus seiner Familie durch eine Bombe vollständig zerstört worden und seine Familie war obdachlos. Damals wurden kaum Hilfslieferungen nach Gaza gelassen und viele Familien hungerten. Mit dem Schuss in Ahmeds Kopf wurde sein Traum zerstört, auf den Bühnen in Gaza zu tanzen.
Seit damals sitzt Ahmed im Rollstuhl. Die Schussverletzung an seinem Kopf hat sich infiziert und noch immer sitzt die Kugel in seinem Hinterkopf, an einer Stelle, die für einen Eingriff zu gefährlich ist. Immer wieder nahm er Antibiotika, aber noch ist die Narbe nicht verheilt. Seinen rechter Arm und das rechte Bein kann er nicht bewegen. Er sitzt im Rollstuhl. Das Sprechen fällt ihm schwer.
Seit dem 11. Oktober ist ein Team aus ehrenamtlichen deutschen Ärztinnen und Ärzten, einer Psychologin und einer Krankenschwester für Malteser International in Kairo und versorgt Kinder und Erwachsene wie Ahmed, die während des Krieges in Gaza verletzt wurden. Die Verletzten wurden von Gaza nach Ägypten evakuiert, doch auch das dortige Gesundheitssystem ist überlastet. Die Kliniken haben kaum Kapazitäten, tausende Kinder und Erwachsene aus Gaza medizinisch zu versorgen.
Alle Menschen, die aus Gaza evakuiert wurden, sind gravierend verletzt
„Unser Team führt medizinische Untersuchungen durch und wo nötig, wurden in der vergangenen Woche chirurgische Eingriffe vorgenommen sowie psychologische Unterstützung geleistet,“ sagt Edo Lihic, Einsatzleiter von Malteser International.
“Die Patientinnen und Patienten, die aus Gaza nach Kairo evakuiert wurden, haben alle schwerwiegende Verletzungen, wie Verbrennungen, Amputationen der Gliedmaße oder Bombensplitter im Kopf oder im Rücken. Gerade diese Menschen sind auf fachärztliche Behandlungen angewiesen. Fast alle sind traumatisiert. Sie haben nicht nur ihr Zuhause verloren, sondern in den meisten Fällen auch Angehörige”, sagt Lihic.
Sowie Aleen. Kurz nach Beginn des Krieges wurde ihr Haus bombardiert. Während sie schwere Verbrennungen erlitt, suchten Rettungskräfte unter den Trümmern stundenlang nach ihrem Vater Mohammed Al gha Layeng Während der Suche erfuhr Aleen, dass ihre Mutter und zwei ihrer vier Geschwister den Angriff nicht überlebt hatten. Aleen erlitt schwere Verbrennung am linken Bein. Jan Wynands, ein plastischer Chirurg, der ehrenamtlich für Malteser International im Einsatz ist, hat das Narbengewebe noch einmal geglättet, damit Aleen das Bein besser bewegen kann. Einen Tag nach ihrer Operation geht es ihr bereits sichtlich besser. An diesem Tag ist die gesamte Familie in ihrem Zimmer im italienischen Krankenhaus Umberto I zusammengekommen. Es wäre der Geburtstag ihrer großen Schwester gewesen.
Ganzheitliche medizinische Versorgung
Auch Ahmed musste in den Operationssaal, damit eine tiefere Probe von der Wunde genommen werden konnte, um festzustellen, wie die Infektion am besten bekämpft werden kann. eine Woche nach der Operation wird er vom Hamburger Orthopäden Christoph Weinhardt behandelt. „Wichtig ist es jetzt, dass Ahmed wieder mobiler wird und sobald wie möglich damit beginnt, seinen rechten Arm und das Bein zu stärken. Das Ziel ist, dass Ahmed zumindest mit den richtigen Hilfsmitteln wieder das Stehen und Gehen lernt und somit eine gewisse Unabhängigkeit erreicht“, sagt Weinhardt.
„Es ist uns wichtig, die Patientinnen und Patienten umfänglich gesundheitlich zu versorgen, deshalb haben wir auch eine Psychologin dabei, die ein Erstgespräch führen kann, um dann zu sehen, wie wir in einem nächsten Schritt auch psychologisch weiterhelfen können“, sagt Edo Lihic, Einsatzleiter von Malteser International.
Mit allen Patientinnen und Patienten, die dies wünschten, sprach auch die Psychologin Henriette Hermühlen. „Die erste Frage, die ich allen immer stelle, ist: Mit wem bist Du hier? Denn dies ist die wichtigste Ressource, die ihnen noch geblieben ist: Dass sie Menschen haben, die sich um sie kümmern. Was für mich unbegreiflich ist, ist, dass die Menschen nach all dem, was sie erlebt haben, mental immer noch da sind, also sich mit mir unterhalten können und mir von ihren Erfahrungen berichten. Das finde ich wahnsinnig beeindruckend und zeugt von einer großen Resilienz“, sagt Hermühlen.
Jede Geschichte verdient es, gehört zu werden
Ahmeds Vater Iyad Abu Al-Khair sagt: “Ahmeds Geschichte ist nicht nur die Geschichte einer schweren Verletzung. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes und seiner Familie, deren Leben durch den Krieg zerrüttet wurde. Hinter jeder Verletzung und jedem zerstörten Zuhause steht ein Mensch und eine Familie, deren Leid es verdient, gehört zu werden.”
Der zweiwöchige Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte in Kairo war zunächst ein Pilot-Projekt. „Wir würden gerne in regelmäßigen Abständen wiederkommen und auch weiterhin Menschen aus Gaza behandeln, denn der Bedarf ist groß. Doch ob wir dafür die finanziellen Mittel haben, werden wir sehen müssen“, sagt Lihic.