Nähe. Gesundheit. Würde.
Zuverlässige Gesundheitsversorgung stärkt Vertriebene und Krisenregionen.
Die meisten Menschen, die zur Flucht gezwungen werden, suchen Sicherheit in der Nähe ihrer Heimat. Die Perspektive für eine baldige Rückkehr ist größer und die vertrautere Kultur und Umgebung sind eine wichtige psychologische Stütze. Für viele Familien ist es zudem lebenswichtig, so bald wie möglich zu ihren Häusern, Nutztieren und Feldern zurückzukehren.
Lebensnotwendige Hilfe zu den vertriebenen Familien zu bringen, ist in jenen durch Konflikte, Zerstörung, Epidemien und/ oder ökonomische Instabilität geprägten Regionen häufig eine große Herausforderung. In fast allen, besonders jedoch in langfristigen oder sogenannten „vergessenen“ Krisen fehlt es zudem akut an der notwendigen Finanzierung – und das, obwohl schnelle und bedarfsgerechte Hilfe ein entscheidender Faktor für Frieden und Stabilität ist: „Wo es zuverlässigen Zugang zu Gesundheits- und notfallmedizinischen Dienstleistungen, Trinkwasser und Nahrung gibt, entstehen weniger neue Konfliktdynamiken. Wo Perspektiven erhalten bleiben, sinkt der Druck zu Flucht und Radikalisierung. Und wo lokale Strukturen gestärkt werden, wachsen die Voraussetzungen für Dialog und langfristige Stabilität“, sagt unser Generalsekretär und Geschäftsführender Direktor, Clemens Graf von Mirbach-Harff.
Auch unsere eigenen lokalen Strukturen haben wir im vergangenen Jahr gestärkt und noch mehr als zuvor programmatische Verantwortlichkeiten an unsere Mitarbeitenden in den 14 Länderbüros übertragen. „Direkt vor Ort können viele Entscheidungen effektiver getroffen werden als in der Kölner Zentrale“, erklärt unser Programmdirektor Kees Zevenbergen. „Zudem haben wir unsere Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und Institutionen in den Ländern, in denen wir aktiv sind, nochmals intensiviert.“
DR Kongo: Verbesserter Versorgungszugang, weniger Epidemien
Auf lokal fokussierter Basis sind wir auch in der Demokratischen Republik (DR) Kongo aktiv. Dort unterstützen wir seit 1996 den kontinuierlichen Aufbau des öffentlichen Gesundheitssystems in den Provinzen Ituri, Haut-Uélé, Bas-Uélé und Kasaï Central und arbeiten dafür mit Behörden, Partnerorganisationen, Gesundheitszentren und Überweisungskrankenhäusern zusammen. Wir versorgen die Zentren und Krankenhäuser unter anderem mit Material, Ausstattung und Fortbildungen und stärken die Kommunikation und Koordination der Institutionen untereinander.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf Infektionsprävention, -vorsorge und -bekämpfung – 2025 stand hierbei die Infektionskrankheit Mpox im Fokus. „UnserProjekt ist besonders für die Binnenvertriebenen in den von uns unterstützten Gesundheitszonen enorm wichtig. Viele leben in überfüllten Gemeinden oder bei Gastfamilien. Die räumliche Enge und die schwierigen Verhältnisse machen die Vertriebenen ebenso wie die Menschen, die sie aufnehmen, anfällig für Infektionskrankheiten wie Mpox. Das Projekt verbessert den Zugang zu lebensrettenden Gesundheitsdiensten und stärkt die regionale Infektionsprävention“, sagt Macalister Usongo, unser Programmkoordinator in der DR Kongo.
„Unsere Projekte stellen sicher, dass Binnenvertriebene ohne Diskriminierung oder finanzielle Hindernisse Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdiensten erhalten.“
- Macalister Usongo, Programmkoordinator in der DR Kongo
In 40 Gesundheitszonen schulen wir im Kampf gegen Mpox seit Jahresbeginn 2025 gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen MEMISA und ULB-Coopération Gesundheitspersonal, verbessern Laborkapazitäten und richten Behandlungszentren ein, von denen 14 Millionen Menschen im Einzugsgebiet direkt und indirekt profitieren. In 28 Gesundheitszonen, die Mpox- Hotspots sind, liefern wir außerdem unter anderem Medikamente, ermöglichen Impfungen und kostenlose Behandlungen.
Mit diesen und weiteren Gesundheitsmaßnahmen haben wir in der DR Kongo 2025 insgesamt 4,3 Millionen Menschen unterstützt – darunter 22.196 Geflüchtete und 111.427 Binnenvertriebene.
Libanon: Flexible Gesundheitsversorgung für Geflüchtete und Vertriebene
Im Libanon unterstützen wir den Order of Malta Lebanon (OML) beim Betrieb von elf Gesundheitszentren und zwölf mobilen Kliniken. Schätzungsweise 2,9 Millionen der 5,3 Millionen Menschen im Land werden als hilfsbedürftig eingestuft; mehr als ein Viertel der Haushalte hat keinen ausreichenden Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, darunter viele Geflüchtete aus Syrien und Palästina. Immer wieder kommt es aufgrund von bewaffneten Konflikten zu massiven Vertreibungswellen innerhalb des Landes. Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und schneller Reaktion in der humanitären Hilfe, beispielsweise durch häufige Routenanpassungen der mobilen Klinikbusse, Versetzung von Teams von gefährdeten an sicherere Einsatzorte und schnelle Errichtung von Versorgungsangeboten in Notunterkünften.
In den elf Gesundheitszentren können notleidende Menschen Behandlungen erhalten, an Aufklärungsveranstaltungen teilnehmen sowie Medikamente und andere Hilfsgüter bekommen. Die Zentren spielen daher eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Binnenvertriebenen: „Im Zentrum Ain El Remmaneh in Beirut wurde beispielsweise eine Klinik innerhalb einer Notunterkunft eingerichtet, um medizinische und soziale Unterstützung anzubieten und komplexe Fälle weiterzuleiten“, erklärt Nayla El-Khoury, unsere damalige Landesdirektorin im Libanon.
Mit den mobilen Kliniken schließt OML eine Lücke in der Versorgung der ländlichen Bevölkerung. Insbesondere in den abgelegenen Regionen nahe der Grenze zu Syrien versorgen die Klinikbusse eine große Anzahl Geflüchteter, die dort in informellen Siedlungen leben, sowie die Aufnahmegemeinden. Acht der mobilen Kliniken bieten allgemeinmedizinische Leistungen, hinzu kommen seit 2025 vier spezialisierte Einheiten: Gynäkologie, Kardiologie, Pädiatrie und Zahnheilkunde.
Im Jahr 2025 konnten wir gemeinsam mit OML insgesamt 85.524 Menschen im Libanon mit Gesundheitsmaßnahmen – unter anderem durch 205.996 Konsultationen – unterstützen. In den kommenden Jahren soll diese Hilfe nochmals deutlich ausgebaut werden. El-Khoury: „Unsere gemeinsame Mission, den Armen und Kranken unabhängig von ihrer Herkunft oder Nationalität zu helfen, ist eine wichtige Grundlage für Frieden im Libanon. Bei aller Instabilität im Land ist es wichtig, dass wir unseren Werten treu bleiben, unseren Gemeinschaften mit Mitgefühl und Engagement für Qualität und Exzellenz dienen und uns nicht durch operative Einschränkungen von unserer Mission ablenken oder entmutigen lassen.“
(Juni 2026 - Ein Artikel aus unserem Jahresbericht 2025)