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Die Dürre ist vorbei, aber die Not bleibt

Die zwei Jahre alten Zwillinge von Mosong Arulle benötigen dringend Nahrungsergänzungsmittel. Foto: Malteser International

2017 war ein furchtbares Jahr im Norden Kenias. Über ein Jahr lang hatte es in der Region kaum geregnet, dann kam ein großes Unwetter. Mosong Arulle aus Illeret erzählt: „Erst gaben unsere Ziegen keine Milch mehr, dann starben sie. Ich wusste nicht, was ich meinen fünf Kindern zu Essen geben sollte. Die jüngsten sind Zwillinge und zwei Jahre alt. In dieser schweren Zeit, als der Regen ausblieb, hatte ich kaum etwas zu Essen für sie.“ So ging es auch Kolle Nyakan, einer Nachbarin, mit ihren sieben Kindern. Während der Dürre wusste sie nicht, wie sie alle überleben sollten. Die Lebensmittelunterstützung von Malteser International half der Familie, die Krise zu überstehen.

Illeret liegt am Turkana-See im Norden Kenias, drei Tagesreisen von der Hauptstadt Nairobi entfernt, kurz vor der äthiopischen Grenze. In dieser Gegend wächst kaum etwas, denn die Landschaft ist karg und staubig, die Sonne brennt. Das Wasser des Turkanasees ist salzig und damit nicht geeignet, um Pflanzen zu bewässern. Während der Dürre 2017 starben rund 80 Prozent der Tiere. Für die Menschen in der Region, die von der Viehzucht leben, war das eine Katastrophe. Bis heute haben sich ihre Herden nicht erholt.

Nach dem letzten Regen sind die Wasserlöcher wieder gefüllt, aber die Situation im Norden Kenias ist noch immer schwierig. Foto: Malteser International

Im vergangenen Mai kam dann nach über einem Jahr der erste, lang ersehnte Regen.  Aus den Regenfällen wurde ein schweres Unwetter, bei dem viele Menschen und Tiere zu Tode kamen. Straßen wurden weggespült und bis heute nur teilweise mit Hilfe eines unserer Projekte repariert. Seit dem vergangenen Herbst gab es dann immer regelmäßigeren Niederschlag und die Felder und Böden konnten sich regenerieren. Die Probleme sind damit aber nicht gelöst. Nur langsam werden die Herden der Nomaden wieder größer und erholen sich von den Folgen der Dürre. Es wird sicher noch Monate dauern, bis das Vieh wieder die übliche Menge an Milch gibt und Nachwuchs bekommt.

„Einfach ist das Problem im Norden Kenias sicher nicht zu lösen. Für Mensch und Tier werden die Lebensumstände von Jahr zu Jahr schwieriger. Immer häufiger fällt als Folge des Klimawandels eine Regenzeit aus, das Vieh findet weniger Nahrung und die Hirten müssen größere Strecken zurücklegen, um Weideland zu finden. Zudem teilen sich immer mehr Menschen ein immer kleiner werdendes Gebiet. Mittlerweile leben rund 23.000 Menschen in dieser Region, das sind rund 30 Prozent mehr als vor zehn Jahren“, sagt Anne Hild, Referentin für Kenia und Guinea bei Malteser International. 

Die Familie von Kolle Nyakan lebt schon immer in Illeret, aber die Lebensumstände werden immer schwieriger. Foto: Malteser International

Einfach umzusiedeln ist für die 45-jährige Kolle Nyakan aus Illeret keine Option: „Wir haben immer hier gelebt. Ich wüsste auch gar nicht, wohin wir gehen sollten.“ Kolle ist mit ihren sieben Kindern die meiste Zeit des Jahres auf sich alleine gestellt, während ihr Mann mit dem Vieh nach Weideland sucht. Aber das Leben für die Familie wird in Illeret immer schwieriger. „Meine Kinder haben wieder zu wenig zu essen. Sie sind viel zu dünn und ich mache mir Sorgen um sie. In den letzten Monaten haben wir keine Zusatznahrung bekommen, weil die Pflanzen wieder wuchsen und sich die Tiere erholten. Aber seit Wochen hat es nun wieder nicht geregnet und meine Kinder brauchen eigentlich mehr zu essen. Ich kann ihnen aber nicht mehr geben“, sagt Kolle Nyakan.

„Es ist schwierig, die Menschen, deren Vorfahren bereits seit Tausenden von Jahren in diesem Gebiet leben, jetzt davon zu überzeugen, woanders zu wohnen. Wir versuchen, ihnen stattdessen eine nachhaltigere Viehwirtschaft nahezulegen, damit sie auch in Zukunft hier leben können, ohne auf Hilfe von außen angewiesen zu sein. Das bedeutet zum Beispiel, die Herden zu verkleinern oder dass wir gemeinsam planen, wie das Weideland am besten genutzt werden kann und Wasserstellen geschützt werden können. Einige Hirten haben nun von der Schaf- auf Kamelzucht umgestellt. Eine weitere Möglichkeit ist, vor der Dürreperiode einen Teil des Viehbestands zu verkaufen und anschließend wieder dazu zu kaufen“, sagt Hild. „Aber die Menschen müssen sich auch nach alternativen Einkommensmöglichkeiten
umsehen, damit sie sich an die immer schwierigeren Verhältnisse anpassen können.“ 

So helfen wir den Menschen in den Dürregebieten Kenias:

In den Dürregebieten haben wir im vergangenen Jahr Zusatznahrung an Kleinkinder verteilt. Foto: Nyokabi Kahura/Malteser International
  •  wir haben 86 Regenwassersammelanlagen gebaut,
  •  19.200 Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt,
  •  ein Wasserauffangbecken installiert,
  •  zwei Brunnen gebohrt,
  •  38 Latrinen errichtet und Hygieneartikel verteilt,
  •  Zusatznahrung an 1.039 unterernährte Kinder ausgegeben,
  •  Nahrungsmittel an Haushalte verteilt und
  •  Bargeld an 4.750 Haushalte ausgezahlt.

 

 


          Erfahren Sie mehr über unsere Projekte in Kenia

         (27. Februar 2018, Katharina Kiecol)

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