EN | DE | FR
Jetzt Spenden

Nepal – ein Jahr nach dem Erdbeben

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf – ein neues Zuhause für Latima

Schutt und Geröll: Mehr ist Latima von ihrem alten Zuhause nicht geblieben.
Schutt und Geröll: Mehr ist Latima von ihrem alten Zuhause nicht geblieben.

Voller Stolz zeigt uns Latima ihr neues Zuhause. Eine einfache Wellblechhütte, mit Brettern und Plastikfolie isoliert. Ihr neues Heim ist wenig komfortabel, aber immerhin hat die 72-Jährige ein festes Dach über dem Kopf. Ein Luxus für viele Nepalesen.

Denn das Land und seine Bewohner erholen sich nur langsam von dem verheerenden Erdbeben, das am 25. April 2015 ihre Häuser und Lebensgrundlagen zerstört hat. Die Angst vor der Zukunft ist groß. Aufgrund ihrer begrenzten Mittel leben viele Nepalesen noch immer in Übergangsunterkünften; sie haben nur das Notwendigste zum Leben und oft nur unzureichenden Zugang zu sauberem Wasser und zu sanitären Anlagen. So sind sie besonders anfällig für Krankheiten. Die Geographie des Landes, wo viele Dörfer nur über abschüssige und oft durch Erdrutsche blockierte Bergstraßen erreichbar sind, erschwert den Wiederaufbau zusätzlich.

Alles verloren

Latima in ihrer neuen Hütte. Sie freut sich, endlich wieder einen warmen und trockenen Platz zum Schlafen zu haben.
Latima in ihrer neuen Hütte. Sie freut sich, endlich wieder einen warmen und trockenen Platz zum Schlafen zu haben.

Auch Latima hat bei dem Beben alles verloren. Von ihrem alten Zuhause ist nur ein Haufen Trümmer geblieben. Ein harter Schlag für die alte Frau, deren Alltag schon vor der Katastrophe einem Überlebenskampf glich: Latima kann weder hören noch sprechen. Sie ist taubstumm auf die Welt gekommen – eine schwere Bürde in Nepal, dem ärmsten Land Südasiens. Eine Schule konnte sie nicht besuchen, ein Leben in Armut war vorprogrammiert.

„Meine Tante hat nie geheiratet und lebt allein“ erklärt ihr Neffe Singha. „Jetzt ist sie alt und krank und kann kaum noch arbeiten.“ Wie Latima lebt er im Distrikt Sindhupalchok, einer entlegenen Bergregion, die vom Erdbeben besonders stark getroffen wurde. Auch wenn er und seine Familie selbst alles verloren haben, unterstützt er seine Tante, so gut er kann.

Ein Zeichen der Hoffnung

Das neue Haus ist als Übergangsunterkunft gedacht. Auf dem Fundament kann später ein festes zweistöckiges Gebäude entstehen.
Das neue Haus ist als Übergangsunterkunft gedacht. Auf dem Fundament kann später ein festes zweistöckiges Gebäude entstehen.

„Als Malteser International in unser Dorf kam, baten wir um Hilfe“, erzählt Singha. „Aufgrund ihrer Behinderung und ihres Alters galt meine Tante als besonders bedürftig und war eine der ersten, die ein neues Haus bekamen.“ Insgesamt 135 Übergangshäuser aus Bambus, Holz und Wellblech hat Malteser International in der Region errichtet. Wir stellen den Bewohnern Werkzeug und Baumaterialien zur Verfügung und schulen sie darin, sich mit einfachen Mitteln ein sicheres und trockenes Zuhause zu bauen oder ihre beschädigten Häuser zu reparieren. „Ein Team von Malteser International hat mir dabei geholfen, das Haus für meine Tante zu bauen“, so Singha. Besonders freut sich Latima auch über den kleinen Ofen, der ihr dabei geholfen hat, die kalten Wintermonate zu überstehen.

„Wir sind sehr glücklich über die Hilfe von Malteser International. Denn ohne sie hätte meine Tante keinen Ort zum Leben.“ Doch für Latima bedeutet diese Hütte noch viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Sie ist auch ein Zeichen der Hoffnung, die sie nach dem Beben fast verloren hätte.

Angesichts des gewaltigen Ausmaßes der Schäden wird Malteser International die Menschen in Nepal auch in den kommenden Jahren dabei unterstützen, ihre Heimat wiederaufzubauen.

Weitere Infos zu unserer Arbeit in Nepal

Text: Conor Heathcote / Petra Ipp-Zavazal (September/April  2016)
Fotos: Bijay Shresta / Conor Heathcote

Helfen Sie den Menschen in Nepal mit Ihrer Spende!
Jetzt Spenden