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DR Kongo: Immer mehr Flüchtlinge kommen aus dem Südsudan

Viola Roba ist mit ihren beiden Kindern aus dem Südsudan geflohen. Foto: Nyokabi Kahura/Malteser International

Azu ist ein kleines Dorf in der DR Kongo, unweit der südsudanesischen Grenze. Die Landschaft ist flach und in der Trockenzeit ist es extrem heiß und staubig. Die Straßen sind kaum ausgebaut und mit dem Auto kommen die Menschen nur langsam voran. Am Straßenrand zeugen verrostete Wracks davon, dass nicht jedes Fahrzeug dort ankommt, wo es hin sollte. In der Regenzeit sind diese Wege kaum passierbar. Felder gibt es nur wenige, dagegen ziert wildes Buschwerk die Landschaft.
Mühsam versuchen die Kongolesen, das Nötigste, das sie zum Leben brauchen, anzubauen. Wenn die Regenzeit pünktlich einsetzt, wachsen hier Mais, Sorgum, Tomaten, Zucchini und Auberginen. Die Kongolesen, die hier leben, haben nicht viel. Vor einiger Zeit schloss eine Tabakfabrik und stürzte viele Menschen in die Armut. Unterernährung und eine mangelnde medizinische Versorgung waren ein großes Problem, da sich viele Menschen die Arztbesuche nicht mehr leisten konnten.

Flucht auf dem Motorrad

Und doch sind die Flüchtlinge aus dem Südsudan hier willkommen. Denn wie es ist, vor Gewalt und Unruhen zu fliehen, das wissen die Kongolesen selbst sehr genau. Überall, wo ein wenig Platz ist, kommen die Flüchtlinge unter. In einer Kirche hat die 30-jährige Viola Roba ein Bett gefunden. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern ist sie vor zwei Wochen aus dem Südsudan geflohen, um sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Ihr Mann hat es nicht mehr geschafft. Kurz vor der Flucht wurde er erschossen. „Niemand ist mehr sicher im Südsudan. Sie schlachten die Menschen ab.“ Auf einem Motorrad machte sie sich mit ihren kleinen Kindern auf den Weg, doch es gab einen Unfall und der Fuß ihres Sohnes wurde schwer verletzt. Das Motorrad fiel auf den Dreijährigen. Eine tiefe Wunde hat er nun an seinem linken Fuß. Im Gesundheitszentrum in Adi verbindet der Arzt den offenen Fuß. Viola laufen die Tränen die Wangen herunter, während ihr Sohn Nelson Mandela vor Schmerzen brüllt.

 

 

Jetzt wohnt Viola Roeb mit ihren Kindern in einer Kirche. Foto: Nyokabi Kahura/Malteser International

Der Traum vom friedlichen Uganda

„Wir mussten als Flüchtlinge nichts für die Behandlung bezahlen und ich bin so froh darüber, denn ich hätte gar nicht gewusst, was ich machen soll. Nelson hätte so mit der Wunde herumlaufen müssen. Wir haben kein Geld für den Arzt“, sagt Viola Roba niedergeschlagen. Nur mit ihren beiden kleinen Kindern  ist Viola in die DR Kongo gekommen, ohne Familie, ohne Freunde. Eigentlich würde sie gerne weiter nach Uganda, denn im Kongo sieht sie für sich und ihre beiden Kinder keine Zukunft. Die Menschen hier haben selber nur das, was sie zum Leben brauchen. Organisierte Flüchtlingscamps gibt es in Azu auch nicht. Aber ohne Geld weiß sie nicht, wie sie die knapp 100 km bis Uganda schaffen soll. Von Uganda träumen hier viele Flüchtlinge, denn dort ist es sicher und friedlich.Aber Violas Tochter Ayuzu ist gerade einmal zwei Monate alt und auch mit Nelson ist der Weg zu Fuß bis nach Uganda viel zu weit. In Uganda bekommen die Flüchtlinge, die aus dem Südsudan kommen, ein Stück Land, das sie selber bebauen können; die UN gibt ihnen Material, um sich eine Hütte zu bauen. Malteser International versorgt die Flüchtlinge dort mit Wasser und hilft beim Anbau von Nahrungsmitteln. So können die Menschen ihr Leben in Sicherheit bringen und eine neue Existenz aufbauen -zumindest so lange es noch genügend Platz für all die südsudanesischen Flüchtlinge gibt.

 

 

Patience Lemingo und ihrem Kind konnte in der Klinik geholfen werden. Foto: Nyokabi Kahura/Malteser International

Erschwingliche Behandlung im Krankenhaus


Doch in der DR Kongo sieht die Situation anders aus. Die politische Lage ist instabil, die Armut hoch und die Menschen in Azu kommen gerade eben über die Runden.
So wie Patience Lemingo. Sie ist 18 Jahre alt und Kongolesin. In der Klinik, die von Malteser International in Adi unterstützt wird, behandeln die Ärzte ihr Baby. Anders als die Flüchtlinge müssen die Kongolesen eine kleine Summe für die Behandlung bezahlen, aber die Gebühren sind nicht sehr hoch. Einen Monat lang war Patience mit ihrem Sohn stationär im Krankenhaus. Er aß nicht mehr und übergab sich nur. Seine Mutter dachte, dass er sterben würde. Langsam geht es ihm jetzt besser. „Die Gebühren im Krankenhaus sind durch die Unterstützung von Malteser International erträglich, darum trauen wir uns inzwischen auch alle, hierher zu kommen. Manche Eltern hatten Angst, dass die Gebühren zu hoch seien und sind darum nicht hierhergekommen. Manche Kinder sind deshalb gestorben. Aber unsere Kinder müssen jetzt nicht mehr an Malaria oder Durchfall sterben. Wir wurden im Krankenhaus auch besser aufgeklärt“, erklärt Pacience Lemingo.

 

100 km Fußmarsch in das ugandische Flüchtlingscamp


Medizinisch versorgt werden in Azu mit Hilfe von Malteser International sowohl die kongolesische Bevölkerung als auch die südsudanesischen Flüchtlinge.
Im Südsudan herrscht auch  nach der Gründung des Staates 2011 Bürgerkrieg und eine Beruhigung der Situation in dem jüngsten Staat der Welt ist nicht in Sicht. Und so fliehen die Menschen zu Fuß, manche laufen gar ohne Schuhe los, nur eines im Sinn: ihr Leben zu retten. Bis nach Uganda sind es von hier aus rund 100 km. Das wird, gerade für die alten und kranken Flüchtlinge, kaum zu schaffen sein. So werden die Flüchtlingszahlen in der Demokratischen Republik Kongo weiter steigen und so nimmt ein Land Flüchtlinge auf, das selbst auf humanitäre Hilfe angewiesen ist.

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(15. Januar 2017, Nyokabi Kahura/Katharina Kiecol)

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