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Aufforstung von Mangroven

Kolumbien - El Magdalena: Biodiversität, Stärkung der Gemeinden und nachhaltige Entwicklung

Wenn man von La Guajira aus in Richtung des Departements El Magdalena fährt, verblasst die trockene und karge Landschaft der kolumbianischen Wüstenregion und macht einer üppigen und grünen Topographie Platz. Laubbäume, Flüsse, Sümpfe und Lagunen prägen die Landschaft, die von den majestätischen Schneegipfeln der Sierra Nevada gekrönt wird. Der Magdalena-Fluss war der Schauplatz von Garcia Marquez' Roman „Die Liebe in Zeiten der Cholera“, und sein Zauber lebt auch über dreißig Jahre später noch weiter.

Die Wayuu - die größte indigene Volksgruppe in La Guajira - sind berühmt für ihre bunten gewebten Taschen, ihre Widerstandsfähigkeit und ihre landwirtschaftlichen Fertigkeiten, mit denen sie Dürreperioden und widrigen Umweltbedingungen trotzen. In El Magdalena wiederum sind die Wiwa die größte Gruppe der Indigenen.

Im Gegensatz zu den Wayuu, die täglich mit ihrer rauen Umgebung zu kämpfen haben, können die Wiwa auf eine üppige Vegetation zählen und haben den tiefen Glauben, dass die Erde ein Lebewesen ist, das um jeden Preis geschützt werden muss. Fröhliche Kinder grinsen und planschen im Fluss, wobei ihre geworfenen Steine sanfte Wellen im kristallklaren Wasser erzeugen. Das strahlende Lächeln ihrer Mütter schenkt ihnen Geborgenheit, das glitzernde Wasser gibt ihnen Ruhe unter der sengenden karibischen Sonne. Der Fluss schlängelt sich sanft dahin, in der Ferne leuchten die weißen Gipfel der Sierra Nevada. Während die Natur in dieser Region dem Menschen wohlgesonnen ist, haben die von Menschen gemachten Entwicklungen wie Wasserkraftprojekte, Bergbau und Städtebau das Land und die Bedürfnisse der indigenen Gemeinschaften nicht berücksichtigt und sie von dem Boden entfremdet, den sie verehren.

Santa Marta, eine geschäftige Hafenstadt mit reicher Geschichte, ist die älteste Stadt Kolumbiens und wurde 1525 von spanischen Kolonisatoren gegründet. Die koloniale Architektur und das belebte Stadtzentrum lassen die Erinnerung an das verschlafene und trockene Nachbardepartement La Guajira verschwimmen.

Diese Wahrnehmung von Opulenz und Reichtum ist jedoch nur flüchtig - wenn man nur ein wenig genauer hinsieht, sieht man Menschenmassen, die sich um einen Wassertank scharen und verzweifelt um Zugang zu einer sauberen Wasserquelle kämpfen. Das Departement El Magdalena hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen: fehlender Zugang zu Grundversorgung, Gewalt und Vertreibung. Menschenrechtsaktivistinnen und Umweltaktivisten in der Region sind von Verfolgung bedroht, einige verschwinden für immer.

Blühende biologische Vielfalt und ihre Bedrohungen

Der Bezirk Santa Marta ist berühmt für seine Artenvielfalt, seine Nationalparks, Berge und Lagunen. Die Cienaga Grande de Santa Marta, etwa eine Stunde von der Stadt Santa Marta entfernt, ist die wichtigste Küstenlagune Kolumbiens und seit dem Jahr 2000 ein UNESCO-Biosphärenreservat sowie ein Ramsar-Gebiet.

Das Zusammentreffen des Süßwassers des Magdalena-Flusses und kleinerer Zuflüsse aus der Sierra Nevada mit dem Salzwasser der Karibik hat das perfekte Ökosystem für eine der biologisch vielfältigsten Umgebungen des Landes geschaffen. Die Cienaga beherbergt Hunderte von Fischarten, darunter den teuren Gestreiften Mojarra und den berühmten Bocachico. Exotische Vögel, Affen und mehr als 33 Arten von Säugetieren tragen zu dem blühenden Ökosystem bei. Hier befindet sich auch der größte Mangrovenwald in der kolumbianischen Karibik.

Doch die Cienaga erlebte ein massives Absterben der Mangrovenwälder und einen erheblichen Rückgang der Fischereiressourcen – alles verursacht durch menschliche Aktivitäten. Landwirtinnen und Landwirte, die Wasser für ihre Ernten benötigten, begannen mit dem Bau von Kanälen, die den natürlichen Wasserfluss umleiteten und den Fluss und seine Nebenflüsse daran hinderten, in die Cienaga zu fließen, wodurch der Zufluss von Süßwasser in die Lagune verringert und das Wasser daran gehindert wurde, den Wald zu erreichen. In Verbindung mit dem Bau einer Autobahn zwischen Cienaga und Barranquilla in den 1950er Jahren hat dies den natürlichen Fluss von Meeres- und Süßwasser verändert und das Ökosystem der Mangrovenlagune geschädigt. Dies hatte katastrophale Auswirkungen auf die Artenvielfalt im Meer innerhalb der Cienaga und führte zu einer Verschlechterung der Feuchtgebiete, was sich negativ auf die Bevölkerung der Städte auswirkte, die für ihren Lebensunterhalt auf die Cienaga angewiesen sind.

"Früher gab es mehr als 500 Fischarten, heute sind es nur noch etwa 100", sagt Jose Luis Garrido Nieve, Mitglied der Asociación de pescadores artesanales amigos de cultivo (CRIAPEZ), einer Gruppe von Fischern, die seit 23 Jahren auf der Isla del Rosario in Magdalena Fischzucht betreiben. CRIAPEZ wurde 1997 von Fischern gegründet, um zur Entwicklung ihrer Gemeinschaft beizutragen und die Qualität des Mangroven-Ökosystems zu verbessern.

Wenn bei Entwicklungsprojekten die ökologischen und sozialen Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft außer Acht gelassen werden, hat dies unübersehbare Folgen. Tausende Hektar Mangroven sind verschwunden, gefährdete Bevölkerungsgruppen, die für ihren Lebensunterhalt auf das Ökosystem Cienaga angewiesen sind, wurden vertrieben oder überleben nur gerade so, leben in extremer Armut und tragen die Konsequenzen von Entscheidungen, an denen sie nicht beteiligt waren. Gefährdete Bevölkerungsgruppen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, ihre Behausungen sind auf Müllhalden gebaut, und ihre Existenz ist durch die rasch zunehmende Küstenerosion bedroht, die durch ein florierendes Mangrovenökosystem verhindert werden könnte. Ganze indigene Gruppen sind bedroht.

 

„Gemeinsam müssen wir unser Engagement für den Schutz des ursprünglichen Ökosystems der Cienaga verstärken. Unsere Gemeinden sind wirtschaftlich von der Cienaga abhängig. Ihr Lebensunterhalt hängt von diesem Ökosystem ab. Wenn das Ökosystem aufhört zu existieren, werden auch die Gemeinden aufhören zu existieren.“

Jose Luis Garrido Nieve, Gründungsmitglied von CRIAPEZ

Mangroven: Malteser International pflanzt Samen der Hoffnung

Malteser International Americas ist seit 2014 im Norden Kolumbiens tätig und setzt sich für die Wiederbelebung der lebenswichtigen Ökosysteme und den Schutz dieser gefährdeten Bevölkerungsgruppen ein. Entwicklungsprojekte sind von Natur aus langwieriger und ihre Auswirkungen sind weniger unmittelbar spürbar, aber kleine Veränderungen haben im Laufe der Zeit eine große Wirkung, und Fortschritte werden auf viele verschiedene Arten gemessen.

Die Wiederherstellung der Wälder bei gleichzeitiger Stärkung des Umweltbewusstseins und Empowerment der lokalen Bevölkerung ist der Schwerpunkt unseres Projekts. Wir arbeiten an drei verschiedenen Orten und mit drei verschiedenen Zielgruppen am Aufbau von Mangrovenbaumschulen, schulen und bauen Fachwissen in Umweltfragen auf, während wir gleichzeitig Mangrovenökosysteme wiederherstellen. In der Stadt Tasajera arbeiten wir mit 22 alleinerziehenden Müttern zusammen, um sie zu befähigen, Maßnahmen zum Schutz ihres Ökosystems zu ergreifen, und um ihnen eine Einkommensquelle und eine Ausbildung zu bieten. Die Ausbildung der Mütter lohnt sich auf mehrfache Weise, da sie das Wissen an ihre Kinder und andere Gemeindemitglieder weitergeben und anderen als inspirierendes Beispiel dienen werden. In der Entwicklungszusammenarbeit wird dies als "Gender-Multiplikator-Effekt" für die Gemeinschaft bezeichnet.

Die Wiederherstellung der Mangrovenwälder erfordert die Schaffung von Wasserkanälen, um den Wasserfluss zu erleichtern, und die Überwachung des Wasserstands, um ein gesundes Wachstum zu fördern. Wir arbeiten auf das Ziel hin, 33.000 Setzlinge aus drei Baumschulen zu pflanzen und damit 30 Hektar Mangrovenwald wiederherzustellen. Im Mai 2022 werden 5.300 Mangroven gepflanzt.

„Die Vorteile sind wirtschaftlicher, aber auch ökologischer Natur. Wirtschaftlich, weil die Menschen hier vom Fischfang abhängen und die Wiederaufforstung der Mangroven den Fischbestand wiederherstellen wird. Dies wird die lokale Bevölkerung und die lokale Wirtschaft nähren. Aus ökologischer Sicht werden die Mangroven als Kohlenstoffsenke fungieren, und wir werden mehr Sauerstoff freisetzen. Diese Mangroven binden zehnmal mehr Kohlenstoff als ein Waldbaum.“

Frank Sarmiento, ABIUDEA

Recycling, Ökotourismus und ein Blick in die Zukunft

Auf der Isla del Rosario ist der Einfallsreichtum der lokalen Bevölkerung von großer Bedeutung. Zu unserer Arbeit im Bereich Umweltbewusstsein gehört die Erprobung einer innovativen Lösung zur Wiederverwertung aller Abfälle, die von den Strömungen der Lagune mitgebracht werden. CRIAPEZ hat zusammen mit der Universität Magdalena und dem Instituto de Investigaciones Marinas y Costeras (INVEMAR), einem Forschungsinstitut, das sich mit dem Ökosystem der Meere und Küsten befasst, ein „Wasserfahrrad“ entwickelt, mit dem alle Abfälle aus der Cienaga aufgenommen und gereinigt werden. Die Organisation stellt auch Ziegelsteine her, die zu 50 % aus Kunststoff, 25 % aus Sand und 25 % aus Zement bestehen. Die Steine sind extrem leicht und wiegen nur 900 Gramm.

Lokale Unternehmerinnen und Unternehmer träumen gerne groß. „Wir haben auch schon andere Ideen entwickelt, darunter ein schwimmendes Restaurant“, sagt Manuel Francisco Lopez Orga, Vizepräsident von CRIAPEZ. „Wir werden Besucher und Besucherinnen auf eine Tour durch die Mangroven mitnehmen und ihnen dann im schwimmenden Restaurant Erfrischungen anbieten. Irgendwann könnten wir hier sogar Essen servieren. Alvaro - ein Freund von mir - ist Koch und kann typische Gerichte aus der Region zubereiten. Das ist unser Traum, aber wir brauchen mehr Unterstützung, um diese Ideen zu verwirklichen.“

Unternehmertum, Innovation und Mut sind die Worte, die einem in den Sinn kommen, wenn man die Gründungsmitglieder von CRIAPEZ trifft. Trotz ihrer begrenzten Ressourcen ist ihr Engagement für den Erhalt der Umwelt ungebrochen, ebenso wie ihr Wille, innovative Lösungen für ihre Probleme zu finden. So wie die Pflanzen der Cienaga sich biegen und leicht an plötzliche Veränderungen im Ökosystem anpassen können, sind auch die Bewohnerinnen und Bewohner bereit, sich zu verändern und zu erneuern. Sie hüten sich davor, als „Begünstigte“ des Projekts bezeichnet zu werden – ein Begriff, der in der Humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit häufig verwendet wird, um eine Person zu bezeichnen, die von den Projekten einer Organisation profitiert.

„Wir bringen überliefertes und empirisches Wissen mit, und wir sind führende Vertreter und Vertreterinnen der Fischereigemeinschaft. Nennen Sie uns nicht Begünstigte, nennen Sie uns Verbündete. Wir bringen Wissen und unser Bestes an den Tisch!“

Unsere Hilfsprojekte bei Malteser International verfolgen einen partizipatorischen Ansatz, bei dem wir stets die lokalen Gemeinden in die Erprobung von Lösungen einbeziehen, um sicherzustellen, dass unsere Bemühungen so nachhaltig wie möglich sind. Hilfsprojekte, die die lokale Bevölkerung nicht berücksichtigen, wären nur halb so effektiv.

Malteser International wird auch in Zukunft ein Verbündeter der lokalen Gemeinschaften sein und dafür sorgen, dass die Menschen, denen geholfen wird, ein Leben in Würde führen können.

 

„Der Traum vom nachhaltigen Ökotourismus durch die Nutzung der Mangrovenpfade ist die Zukunft. In dieser Gemeinde haben wir die Mittel, um weiter an diesem Projekt zu arbeiten, und meine jüngeren Verwandten sind sich alle bewusst, dass dies die Zukunft ist!“

Manuel Francisco Lopez Orga, Vizepräsident von CRIAPEZ

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