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„Man sagt, wir sind die Zukunft“

Freiwillige "Brigadistas" sorgen für Umweltschutz und nachhaltige Anbaumethoden in Kolumbien

In Kolumbien helfen Freiwillige in Projekten von Malteser International, die Landwirtschaft dem Klimawandel anzupassen und sie zukunftsfähig zu machen.

„Wir wollen, dass sich unsere Gemeinde jeden Tag um die Umwelt kümmert, damit sie immer grün ist, denn das ist das Schönste, was wir haben, und versorgt uns mit der sauberen Luft, die wir atmen“, sagt Elizabeth Chacón Guerra, die sich ehrenamtlich als eine von rund 100 „Brigadistas“ für Umweltschutz und nachhaltige Anbaumethoden in der Landwirtschaft ihrer Heimatgemeinde engagiert. Die 20-jährige Studentin kommt aus der Gemeinde Las Balsas im Department La Guajira, im Nordosten Kolumbiens, an der Grenze zu Venezuela.

Die Landschaft hier ist so vielfältig wie die Bevölkerung der Region. Rund 40 Prozent der Einwohner gehören zur indigenen Gruppe der Wayuu, zudem leben hier viele Afro-Kolumbianer. Außerhalb der verschlafenen Hauptstadt Riohacha, wo hoch aufragende Palmen und bescheidene Hochhäuser die Strandpromenade säumen, erstreckt sich eine weite Wüstenlandschaft. Etwa eine Autostunde von der Stadt entfernt weicht die Wüste sanften Hügeln und Ackerland.

Klimawandel erfordert nach haltige Anbaumethoden

Als Malteser International im Jahr 2015 seine Arbeit im Department La Guajira aufnahm, litt die Region unter einer schweren Dürre. Es hatte zwei Jahre lang kaum geregnet. Die landwirtschaftliche Produktion sank um bis zu 90 Prozent, Hunger und Mangelernährung stiegen sprunghaft an. Der Armutsindex liegt derzeit bei 53 Prozent, und es wird erwartet, dass sich die Situation aufgrund des fortschreitenden Klimawandels noch weiter verschärfen wird.

Die Menschen sind gezwungen, ihre landwirtschaftlichen Praktiken an die klimatischen Verhältnisse anzupassen. In der Region verbrennen die Bauern traditionell den Baumbestand und die Sträucher, um das Land für neue Ernten zu roden und zu düngen. In ländlichen Gebieten, in denen die nächsten Feuerwehren oft Stunden entfernt sind, geraten diese Brände oft außer Kontrolle. Allein in diesem Jahr wurden im ersten Quartal in La Guajira 260 Hektar Land vernichtet. 

Als Antwort auf diese Entwicklung haben wir gemeinsam mit unserer lokalen Partnerorganisation ABIUDEA und den lokalen Gemeinden Freiwillige ausgebildet, um auf Notfälle wie Waldbrände und Überschwemmungen zu reagieren und umweltverträgliche Anbaumethoden zu fördern. Gemeinsam mit dem örtlichen Roten Kreuz haben wir zudem Einsatzleitfäden erarbeitet und die Koordination mit der lokalen Regierung verstärkt.

Außerdem helfen wir dabei, den Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen und die Ernährungssicherheit für Familien in der Region zu verbessern, beispielsweise indem wir Bewässerungssysteme installieren und Saatgut für neue Nutzpflanzen bereitstellen.

Mittlerweile engagieren sich rund 100 Freiwillige in dem Projekt. „Ich bin seit vergangenem Jahr Teil der ‚Brigadistas‘. Ich habe viel über nachhaltige Anbaumethoden und kontrollierte Brandrodung gelernt und möchte dieses Wissen weitergeben“, sagt Elizabeth.

Stärkung der Zivilgesellschaft nach Jahren des Krieges

Das „Brigadistas-Programm“ hat dazu beigetragen, die Gemeinden im Kampf gegen Mangelernährung und den Klimawandel zu organisieren und – noch wichtiger – den Zusammenhalt in der Bevölkerung zu stärken. Viele Menschen in der Region haben Traumatisches erlebt: La Guajira war Schauplatz heftiger Kämpfe während der bewaffneten Konflikte, die Kolumbien seit den 1960er-Jahren in Atem hielten und deren Ende erst im Jahr 2016 durch ein Friedensabkommen eingeleitet wurde.

Darüber hinaus haben jahrzehntelange unerfüllte Versprechen der Regierung zu einem tiefsitzenden Vertrauensverlust innerhalb der Bevölkerung geführt. Die Rekultivierung des Landes nach Jahren der Vernachlässigung und Dürre sowie die Wiederherstellung des Vertrauens der Menschen in ihre Gemeinschaft und die staatlichen Strukturen ist ein langwieriger Prozess. Elizabeth und die anderen Freiwilligen erfahren große Unterstützung in der Bevölkerung – auch von Älteren. „Die Leute sagen, dass wir die Zukunft sind und dass wir lernen müssen, uns anzupassen, weil wir diejenigen sind, die auch in Zukunft hier leben werden.“

September 2021

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