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Dorf Schastia: Leben in der Grauen Zone

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation „Psychologischer Krisendienst“ unterstützen wir ein Zentrum für psychosoziale Unterstützung in Schastia in der Ukraine. Foto: Malteser International

Der kleine Ort im Osten der Ukraine heißt Schastia. Auf Deutsch bedeutet der Ortsname „Glück", doch die Umstände, unter denen die Menschen hier seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren leben, sind schwierig.

Schastia liegt kurz vor der sogenannten „Kontaktlinie“ im Osten der Ukraine, wo der Krieg noch immer andauert. Bis zum Beginn der Kampfhandlungen im Jahr 2014 war Schastia noch ein Vorort von Lugansk, heute liegt der Lugansk im Separatistengebiet und Schastia in der Ukraine. Damit sind für viele Einwohner des Dorfes Haus, Arbeitsplatz, Familie, aber auch wichtige Infrastruktur wie zum Beispiel das Krankenhaus unerreichbar geworden.

Wer in Schastia geblieben und nicht weiter Richtung Westen geflohen ist, hat hier jahrelangen Beschuss erlebt und das Bangen darum, ob die Front sich verschiebt und der Ort eingenommen wird. Im ersten Jahr nach Beginn der Kampfhandlungen haben in Schastia viele Menschen in Kleidung und mit dem Pass in der Tasche geschlafen.

Gemeinsam mit der ukrainischen Partnerorganisation „Psychologischer Krisendienst“ betreiben wir hier ein Zentrum für psychosoziale Unterstützung. Das Zentrum, dass gleich hinter der Frontlinie in Schastia liegt, bietet den Menschen, die hier noch immer auf Frieden warten, verschiedene Unterstützungsleistungen an: Es gibt Einzel- und Gruppengespräche, Trainings zur Bewältigung von Stress und Ängsten, beschäftigungstherapeutische Angebote, Angebote zur Traumabewältigung, Erste Hilfe Kurse und Unterstützung in der Alltagsbewältigung. Offene soziale Angebote und spezialisierte psychologische Unterstützung werden kombiniert.

Natali* ist die Koordinatorin des Zentrums. Im Jahr 2014 ist sie selbst aus Lugansk geflohen. „Am schlimmsten ist es bei den Erstgesprächen“, berichtet Natali. „Jeden Tag lege ich in unserem kleinen Beratungsraum schachtelweise Taschentücher bereit. Am Ende des Tages sind sie verbraucht. Gerade in den Erstgesprächen wird einfach viel geweint, weil sich so viel Leid aufgestaut hat“. Später nehmen viele der Patienten auch die Gruppenangebote an. 

Natali ist die Koordinatorin des Zentrums für psychosoziale Unterstützung in Schastia. Foto: Malteser International

Medizinische und psychologische Erste Hilfe für die Menschen in Schastia

Besonders beliebt sind in Schastia die Erste-Hilfe-Kurse. „Das liegt auch an den positiven Erfahrungen, die einige Absolventen bereits mit dem Erlernten gemacht haben: Ein ehemaliger Teilnehmer hatte ein Kind reanimiert und ihm so das Leben gerettet. Diese Geschichte kennt in Schastia jeder. Die Erste-Hilfe-Kurse, so wie sie hier angeboten werden, umfassen beides, medizinische und psychologische Erste Hilfe. Sie versuchen, den Menschen ein Stück Handlungsfähigkeit und Kontrolle über das eigene Leben wiederzugeben. Anderen helfen zu können, bedeutet auch, dass man noch nicht aufgegeben hat“, sagt Natali.

Das Zentrum bietet soziales Miteinander sowie psychologische Unterstützung. Foto: Malteser International
Die Erste-Hilfe-Kurse des Zentrums umfassen medizinische und psychologische Erste Hilfe. Foto: Malteser International

Die meisten Menschen lebten in der akuten Konfliktphase 2014 und 2015 in Schastia und haben viele Tote gesehen. „Seit dem Friedensabkommen von Minsk 2 ist es ruhiger geworden. Trotzdem gibt es immer noch viele Tage, an denen wir den Beschuss hören und rund zwei Mal im Jahr werden Häuser getroffen und Menschen verletzt oder kommen ums Leben,“ berichtet Natali. Nachdenklich fährt sie fort: „Mittlerweile ist es schwieriger geworden, den Beschuss auszuhalten, denn wir haben den Frieden schon mal geschnuppert, nur wird er noch immer nicht wahr.“

 

* Den Namen haben wir aus Sicherheitsgründen geändert.
Text: Britta Schweighöfer, Juni 2019

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