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Libanon: Mit dem Klinikbus unterwegs zu Mohamad, Aicha und Samira

Mobile Gesundheitsversorgung für syrische Flüchtlinge und bedürftige Libanesen

Mit unserer mobilen Klinik, einem zu einem Behandlungsraum umgebauten Bus, kommen wir heute in das kleine Dorf Kweichra in der Provinz Akkar. Die im Norden des Libanon gelegene Provinz gehört zu den ärmsten und unterentwickeltsten Regionen im Libanon. Dort haben viele syrische Flüchtlinge, von denen die Mehrzahl Frauen und Kinder sind, Zuflucht in leerstehenden Gebäuden, Baustellen oder Zelten gesucht. Seit September 2014 betreibt Malteser International in der Provinz Akkar zusammen mit seiner lokalen Partnerorganisation, der libanesischen Assoziation des Malteserordens, eine mobile Gesundheitsstation, um die medizinische Grundversorgung in den entlegenen Dörfern sicherzustellen. Denn der Großteil der in Akkar lebenden Flüchtlinge und Anwohner könnte sich im Krankheitsfall keine medizinische Behandlung leisten. Dank der mobilen Klinik haben sowohl syrische Flüchtlinge als auch bedürftige Libanesen Zugang zu kostenloser medizinischer Behandlung und Medikamenten. Wenn nötig, werden sie für die sekundäre Gesundheitsversorgung in ein Gesundheitszentrum oder Krankenhaus überwiesen.

In guten Händen

"Vor drei Jahren und vier Monaten sind wir aus unserer Heimatstadt Homs hierher in den Libanon geflohen", sagt Mohamad, 46
"Vor drei Jahren und vier Monaten sind wir aus unserer Heimatstadt Homs hierher in den Libanon geflohen", sagt Mohamad, 46

Unter den wartenden Patienten treffen wir auch den 46 Jahre alten Mohamad mit seiner Frau und seinen Kindern. Das jüngste ist gerade mal einen Monat, das älteste 16 Jahre alt. „Vor drei Jahren und vier Monaten sind wir aus unserer Heimatstadt Homs hierher in den Libanon geflohen“, erzählt er. Sein zehnjähriger Sohn wurde im Libanon von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Nur drei seiner sechs Kinder können hier die Schule besuchen. „Das Leben im Libanon ist teuer für eine achtköpfige Familie“, betont er. Umso dankbarer ist er für die kostenlose medizinische Behandlung im Klinikbus der Malteser: „Ich komme regelmäßig hierher mit meiner Familie, denn meine Kinder sind oft krank“, so Mohamad. „Hier habe ich das Gefühl, dass meine Familie in guten Händen ist. Das Team ist immer freundlich und gut gelaunt.“

Die einzige Hoffnung

Aicha ist vor einem Jahr und acht Monaten in den Libanon geflohen. Seitdem hat sie von ihrem Mann und ihrem Bruder, die beide noch in Syrien sind, nichts mehr gehört.
Aicha ist vor einem Jahr und acht Monaten in den Libanon geflohen. Seitdem hat sie von ihrem Mann und ihrem Bruder, die beide noch in Syrien sind, nichts mehr gehört.

Auch Aicha, Mutter von sechs Kindern, könnte sich ohne das Angebot der Malteser einen Arztbesuch nicht leisten. Sie ist vor einem Jahr und acht Monaten in den Libanon geflohen. Seitdem hat sie von ihrem Mann und ihrem Bruder, die beide noch in Syrien sind, nichts mehr gehört. „Ich bin heute mit meiner elfjährigen Tochter hier“, erzählt sie. „Während des Krieges in unserer Heimat wurde sie am Auge verletzt und musste operiert werden. Nun braucht sie wieder ihre Medikamente.“  Diese bekommt sie vom Malteser Team kostenlos. „Die Malteser sind meine einzige Hoffnung. Ansonsten müsste ich mir das Geld für die Medikamente leihen, ohne zu wissen, wann ich es jemals zurückzahlen kann.“  Wann immer es eine Möglichkeit gibt, hilft Aicha auf den Feldern, um für sich und ihre Kinder den Lebensunterhalt verdienen und ihre Miete zahlen zu können.

Selten in der Region

„Die Klinik der Malteser ist eine große Hilfe für uns, weil meine Tochter hier kostenlos behandelt wird“, erzählt Samira.
„Die Klinik der Malteser ist eine große Hilfe für uns, weil meine Tochter hier kostenlos behandelt wird“, erzählt Samira.

Die 48 Jahre alte Samira muss ebenfalls alleine für das Überleben ihrer Familie in der Fremde sorgen. „Mein Mann ist 60 Jahre alt und kann nicht mehr arbeiten“, erklärt sie. Samira hat sieben Kinder, zwei Jungen und fünf Mädchen. Einer der Jungen starb im Bürgerkrieg in Syrien, der zweite konnte das Land bisher nicht verlassen. Ihre älteste Tochter ist bereits verheiratet und lebt bei ihrem Mann. „Wir sind vor zwei Jahren in den Libanon geflohen. Meine jüngste Tochter leidet unter einer körperlichen Behinderung und braucht eine spezielle Behandlung“, erzählt Samira. „Die Klinik der Malteser ist eine große Hilfe für uns, weil meine Tochter hier kostenlos behandelt wird“, fährt sie fort. „Ich vertraue den Ärzten. Denn die Untersuchungen und Behandlungen hier sind wirklich gut. So etwas findet man hier in der Region selten, schon gar nicht für Flüchtlinge wie uns.“

Humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und Anwohner im Zedernstaat

Der Libanon ist ein Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen und Religionen: Schiiten, Sunniten, Maroniten, Griechisch-Orthodoxe, Griechisch-Katholische, Drusen, orthodoxe und katholische Armenier leben hier zusammen. Seit Beginn der Kampfhandlungen in Syrien sind fast 1,2 Millionen Syrer in den Libanon geflohen. Zusammen mit syrischen Migranten und palästinensischen Flüchtlingen machen sie ein Drittel der Bevölkerung des Libanon aus. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge im Libanon verschlechtern sich von Woche zu Woche, von Tag zu Tag; rund 70 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze. Aber auch viele Libanesen leiden inzwischen unter großer Not und Arbeitslosigkeit; die Anzahl der bedürftigen Libanesen ist seit 2011 um fast zwei Drittel gestiegen.

Bereits seit Sommer 2013 leistet Malteser International in Zusammenarbeit mit der libanesischen Assoziation des Malteserordens im Zedernstaat humanitäre Hilfe. Neben dem Betrieb der mobilen Gesundheitsstation unterstützen wir auch mehrere Gesundheitszentren der libanesischen Malteser mit Medikamenten und medizinischer Ausstattung und verteilen Hilfsgüter an syrische Flüchtlinge und bedürftige Libanesen, um deren Grundversorgung zu verbessern.

Weitere Infos zu unserer Arbeit im Libanon

Text: Oumayma Farah/Petra Ipp-Zavazal (Februar/März  2016)
Fotos: Oumayma Farah/Malteser Libanon

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