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Leben im Flüchtlingscamp

Das Flüchtlingscamp Kutupalong nahe der Küstenstadt Cox’s Bazar in Bangladesch ist das zurzeit größte Flüchtlingscamp der Welt, ein sogenanntes Megacamp. Rund 860.000 Flüchtlinge, fast ausschließlich Angehörige der Volksgruppe der Rohingya, leben hier. Sie sind vor Gewaltausbrüchen und Diskriminierungen im Nachbarstaat Myanmar geflohen. Das Flüchtlingscamp, das mehr Einwohner hat als Frankfurt am Main, ist an seinen Belastungsgrenzen angelangt. Den Menschen fehlt es an Nahrung, sauberem Wasser, Sanitäranlagen und medizinischer Versorgung. Zudem droht der nahende Monsun große Teile des Flüchtlingscamps buchstäblich wegzuschwemmen.

Organisation eines Flüchtlingscamps

Kutupalong ist das derzeit größte Flüchtlingscamp der Welt. Foto: Noor Ahmed Gelal/Malteser International

Das Flüchtlingscamp Kutupalong wird von den Vereinten Nationen (UN) zusammen mit der bangladeschischen Regierung geleitet. Um möglichst effektiv Hilfe leisten zu können, sprechen sich die humanitären Organisationen unter dem Dach der UN in thematischen Arbeitsgruppen ab. In diesen sogenannten Clustern stellen die Helfer sicher, dass die Flüchtlinge ausreichende Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Sicherheit, Wasser und Hygiene oder auch Bildung bekommen. Die Organisationen, die innerhalb eines Clusters zuständig sind, koordinieren ihre Aktivitäten untereinander. So können sie sicherstellen, dass die im Flüchtlingscamp lebenden Menschen möglichst flächendeckend erreicht werden und kein Ungleichgewicht in der Versorgung entsteht.

In Bangladesch versorgen wir die Flüchtlinge mit Wasser und verteilen Hygieneartikel und Zusatznahrung. Außerdem unterhalten wir zwei Gesundheitsstationen, in denen wir die Menschen medizinisch versorgen und psychologisch betreuen. Kleinkinder und Mütter untersuchen wir darauf, ob sie unterernährt sind und geben ihnen gegebenenfalls regelmäßig Zusatznahrung. Durch unsere Hygieneschulungen versuchen wir die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen. 

Unterkunft im Flüchtlingscamp

Bei der Ankunft im Flüchtlingscamp werden die Menschen an einer zentralen Stelle registriert und erhalten einen Camp-Ausweis, den sie immer bei sich tragen müssen. Außerdem bekommen sie Baumaterial für eine Unterkunft. Das sind in der Regel Bambus und Plastikplanen. Diese Behausungen sind dementsprechend karg und einfach. Privatsphäre oder Sicherheit für den wenigen Besitz, den die Menschen aus Myanmar mitbringen konnten, gibt es nicht. Jeweils eine Familie teilt sich diese Art der provisorischen Unterkunft.

Wasser- und Sanitärversorgung

Die Wasser- und Sanitärversorgung wird im Flüchtlingscamp Kutupalong durch das entsprechende UN-Cluster geregelt. Da das Camp im vergangenen Jahr sehr schnell sehr groß wurde, gibt es momentan noch große Defizite, sowohl in der Quantität, als auch in der Qualität. Latrinen und Brunnen wurden teilweise nebeneinander errichtet, so dass das Trinkwasser an diesen Stellen verunreinigt wird. Die sanitären Anlagen sind außerdem noch nicht flächendeckend verteilt. Manche Anlagen stehen direkt nebeneinander, dafür gibt es an anderen Stellen einen enormen Bedarf. Im Augenblick gehört es zu den großen Herausforderungen, neue Anlagen an den notwendigen Stellen zu errichten und bestehende instand zu halten. Die Latrinen sind eine Art Sickergrube, die umspannt sind mit Planen, die wiederum von Bambusstöcken gestützt werden. Wenn eine Sickergrube voll ist, muss irgendwo eine neue Latrine errichtet werden.

Medizinische Versorgung im Flüchtlingscamp

Die meisten Flüchtlinge erreichten Bangladesch in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Schon vor ihrer Flucht aus Myanmar wurden die Menschen diskriminiert und ausgegrenzt und hatten kaum Zugang zu Ärzten oder Kliniken. Die Enge des Flüchtlingscamps und die unzureichende Versorgung mit sauberem Wasser fördern nun die Verbreitung von Krankheiten, da die Menschen bereits geschwächt in die Camps kamen. Zusätzlich sind viele Menschen durch die Flucht und die ihnen zuvor angetane Gewalt traumatisiert.

Den Geflüchteten stehen einige Gesundheitsstationen innerhalb des Camps zur Verfügung. In diesen Stationen, von denen wir in Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation derzeit zwei unterhalten, bekommen die Menschen eine grundlegende medizinische Versorgung. Dazu gehören zum Beispiel die Behandlung von Infektionskrankheiten und Wunden. Unterernährte Kleinkinder und Schwangere bekommen Zusatznahrung, die Frauen werden von uns während der Schwangerschaften und Geburten betreut. Außerdem können die Geflüchteten in den Stationen psychologisch beraten werden, um ihre Traumata von Flucht und Gewalt aufarbeiten zu können.

Die Gesundheitsstationen sind nur rudimentär ausgestattet. Alle komplizierteren Fälle müssen durch das dortige Personal an nahegelegene Kliniken überwiesen werden. Im Augenblick sind die Mitarbeiter noch nicht in der Lage, alle im Camp lebenden Menschen zu erreichen und zu versorgen. Hier besteht ein großer Bedarf an zusätzlichen Einrichtungen, Personal und medizinischem Equipment.

Versorgung mit Nahrungsmitteln

Der durchschnittliche Bedarf eines Erwachsenen an Lebensmitteln liegt laut World Food Program bei 2.100 Kalorien am Tag. Das ist das Minimum, damit die Menschen kein Gewicht verlieren. Die Rationen, die im Camp verteilt werden, bestehen in der Regel aus Reis, Öl und Bohnen. 

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist derzeit allerdings noch nicht immer für alle sichergestellt. Zudem fehlen bei der Basisnahrung wichtige Nährstoffe, wie Vitamine und Proteine. Der Bedarf könnte allerdings nur durch zusätzliches Gemüse, Obst, Fisch oder Fleisch gedeckt werden. Da die Flüchtlinge jedoch kaum Möglichkeit haben, in der Enge des Camps selbst Obst oder Gemüse anzubauen oder Geld zu verdienen, können sie sich nicht mit zusätzlichen Lebensmitteln versorgen. Sie sind nahezu vollständig auf die Unterstützung durch Hilfsorganisationen angewiesen.

Von der Mangelernährung besonders betroffen sind werdende Mütter, Stillende oder Kleinkinder. Zwar verteilen wir an bedürftige Schwangere und Kleinkinder zusätzliche Nahrung, aber der tatsächliche Bedarf ist viel größer als unsere derzeitigen Kapazitäten abdecken können. Um die Programme ausweiten und noch mehr Menschen erreichen zu können, fehlen uns derzeit leider die finanziellen Mittel.

Monsun droht das Flüchtlingscamp zu zerstören

Zu Beginn des Monsuns im März kommt es oft zu heftigen Wirbelstürmen. Den Höhepunkt erreicht der Monsun in den Monaten Juni bis August. In diesen Monaten fällt mehr als die Hälfte der Niederschläge des gesamten Jahres.

Das Flüchtlingscamp ist auf Hügeln erbaut, die zuvor bewaldet waren und gerodet wurden, um Platz für die Unterkünfte der Flüchtlinge zu schaffen. Der Boden wird die enormen Wassermassen nicht aufnehmen können, die der Monsun mit sich bringen wird. Die Lage des Flüchtlingscamps nahe der Küste erhöht zudem die Gefahr, dass das Camp von schweren Stürmen getroffen wird. Die provisorischen Zelte an den Hängen werden solchen Naturgewalten nicht standhalten können.

Auch unsere Gesundheitsstationen sind bedroht. Sie befinden sich in tieferen Lagen des Camps. Im Fall von schweren Regenfällen droht das Wasser die Hügel des Lagers herabzufließen und auf dem Weg ins Tal alles mit sich zu reißen. Außerdem könnten Schlammlawinen ausgelöst werden. Die Gesundheitsstationen drohen überschwemmt und unter Schlamm und Baumaterial begraben zu werden. Eine Absicherung der Stationen hat deshalb im Moment höchste Priorität für uns.

 

 

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