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Ein Brunnen der Hoffnung für das Dorf Momoi

Es sind fast 40 Grad im Schatten an diesem Samstagnachmittag im Dezember. Es geht ein leichter Wind, der nur wenig Abkühlung bringt. Wäre die Straße geteert, würde sie jetzt flimmern, doch in dieser Gegend, wenige Kilometer von der südsudanesischen Stadt Wau entfernt, gibt es nur unbefestigte Straßen. Rote Erde weht über die Landschaft. Einige wenige  Bäume spenden Schatten, denn Holz ist hier besonders wertvoll. Daraus wird Kohle hergestellt, die zum Kochen benötigt wird.

Lucia Adu steht dort, wo noch vor einigen Jahren ihr Haus stand, in ihrer alten Heimat, dem Dorf Momoi. Das war bevor die Rebellengruppen kamen und hier alles zerstörten. Von ihrem Haus steht nur noch ein kleines Stück Mauer, mehr ist nicht übrig geblieben. „Der Überfall war 2013. Sie kamen, töten meine Nachbarn, nahmen sich alles was sie wollten und zerstörten unsere Häuser, unsere Schule – einfach alles“, berichtet Lucia. Die Ruinen sind stille Zeugen dessen, was hier geschah. 

Das Dorf Momoi war viele Jahre lang verlassen. Inzwischen hat die Natur vieles überwuchert: Von der Straße ist kaum noch ersichtlich, dass hier einst ein Dorf stand. Auch wenn Lucia ihr Dorf vor acht Jahren verlassen musste, ist Momoi noch immer ihre Heimat. Hier hat sie ein Stück Land, das sie wieder bebauen kann, auf dem sie Obst und Gemüse anpflanzen möchte, um sich selbst zu versorgen. Denn ihr Leben jetzt ist teuer. Sechs Kilometer von hier hat sie eine einfache Hütte gemietet, eine weitere für ihre drei Töchter und die Enkelkinder. Geld verdient sie durch den Verkauf von Feuerholz. „Drei meiner Kinder sind bei meinem Unfall auf der Flucht gestorben. Mein Mann verstarb auch“, berichtet sie.

Wo Wasser ist, gibt es eine Zukunft

Nach und nach kehren einige Bewohner wieder zurück. Vor einem halben Jahr haben haben wir von Malteser International in diesem Dorf einen Brunnen gebohrt. Eine Woche hat der Bau gedauert, die Kosten betrugen 7.000 Dollar. Für uns war dies einer von vielen Brunnen, die wir in dieser Gegend, rund 12 Kilometer von der Stadt Wau entfernt, installiert haben. Für Lucia und die restlichen Dorfbewohner war dies ein Zeichen dafür, dass es hier eine Zukunft geben kann. Dass nicht nur sie daran glauben, dass sich die Sicherheitslage so verbessert hat, dass sie nach Momoi zurückkehren können – denn wo Wasser ist, dort können sie leben.

Noch gibt es zwar keine Häuser, die bewohnbar sind, aber Strukturen, die eine Zukunft versprechen. Ein Wasserkommitee wurde beispielsweise eingerichtet und täglich kommt jemand hierher und schaut, dass das Wasser fließt und die Pumpe im Brunnen funktioniert. Es gibt ein Jugend- und ein Frauenkomitee. In den Komitees werden die Probleme der gesellschaftlichen Gruppen besprochen und nach Lösungen gesucht. Das, was auf Landesebene nur schlecht funktioniert – die verlässliche Struktur politischer Ebenen – klappt in der Zivilgesellschaft. Lucia ist Vorsitzende des Frauenkomitees: Sie ist ruhig, besonnen und trotz allem was sie erlebt hat weiter positiv. „Ihr müsst unsere Schule wieder aufbauen, damit die Kinder hier eine Zukunft haben. Das Dach ist zerstört und die Türen der Schultoiletten sind weg. Dort wo es eine Schule gibt, gibt es auch eine Zukunft“, erklärt sie. 

(Januar 2022)

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