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Nur Kaida: „Lass dich niemals durch deine Lebensumstände definieren.“ - eine Schwangerschaft im größten Flüchtlingscamp der Welt

Wie wichtig Unterstützung und Zuspruch sind, und wie verlassen man sich fühlen kann, wenn diese unerwartet wegbrechen, weiß Nur Kaida nur zu genau. Schon bevor die junge Frau mit ihrer Familie von Myanmar nach Bangladesch fliehen musste, war ihr Leben nicht einfach, sowohl als Angehörige der Rohingya in Myanmar wie auch durch eine Behinderung, die ihr das Hören und Sprechen erschwert. Ihr sozialer Status in ihrer Gemeinde war dadurch gering und es war schwierig für sie, einen Ehemann zu finden und ihre Zukunft abzusichern. Doch ihre Eltern, besonders ihre Mutter, standen ihr stets zur Seite und unterstützten sie bei der Suche. Schließlich kam eine Eheschließung mit einem Mann zustande, der bereits eine Ehefrau hatte. Er sicherte ihr zu, ihr ein Zuhause zu geben und immer für sie zu sorgen, versprach sogar Gold – und die Familie konnte aufatmen. Die Erleichterung hielt jedoch nur kurz. Bald favorisierte er seine erste Ehefrau, mit der er in einem anderen Haus lebte, und kam nur noch zu Nur Kaida, wenn es absolut notwendig war.

Eine Schwangerschaft unter schwierigsten Bedingungen

Als Nur Kaida und ihre Familie 2017 aus Myanmar fliehen mussten, stellte sie nach Ankunft in Bangladesch fest, dass sie schwanger war. Mitten im Chaos der massenhaften Flucht und Ankunft der Rohingya im entstehenden Flüchtlingscamp durchlebte sie eine risikoreiche erste Schwangerschaft, unter schwierigsten Lebensbedingungen, ohne Gesundheitsvorsorge oder Beratung – und weiterhin fast ohne Kontakt zu ihrem Mann. Zu ihrem Glück waren wenigstens ihre Eltern an ihrer Seite und vor allem ihre Mutter war ihr eine große Stütze. Ihr Sohn kam 2018 in einem Camp-Krankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt. Er war gesund, aber Komplikationen eine Woche nach der Operation zwangen die junge Mutter zu einem weiteren 10-tägigen Krankenhausaufenthalt. Dass ihr Mann auch in dieser Zeit kaum für ihre Familie da war, verunsicherte Nur Kaida zusätzlich.

Das Leben im Camp war für Nur Kaida eine große Herausforderung, besonders mit einem Neugeborenen. Der Zugang zu Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und sanitären Anlagen war gerade in den ersten Monaten der Entstehung der Camps in Cox’s Bazar besonders schlecht, ihre finanzielle Situation prekär. Die allerwenigsten Frauen haben in den Camps die Möglichkeit, sich völlig frei zu bewegen oder einen Beruf auszuüben, sodass sie Geld für ihre Familien verdienen können.

Eine Besucherin bringt neue Hoffnung

Als sie wieder schwanger wurde, war es für Nur Kaida zunächst ein Schock. Sie wusste nicht, wie sie zwei Kinder ernähren sollte, und wurde von Ängsten übermannt, ihr zweites Kind könnte eine Behinderung haben und ähnlich sozial stigmatisiert werden wie sie selbst. Um für ihren ersten Sohn mehr Essen zu haben, begann sie, selbst weniger zu essen.

In dieser Situation wurde die Familie von einer Gesundheitshelferin (Community Health Worker) unserer Partnerorganisation Gonoshasthaya Kendra besucht, mit der Malteser International drei Gesundheitsstationen in den Camps betreibt. Sie ermutigte Nur Kaida, die nächstgelegene Gesundheitsstation aufzusuchen, wo sie von einer engagierten und verständnisvollen Hebamme untersucht wurde, die die Schwangerschaft bestätigte, ihr Medikamente verschrieb und weitere Vorsorgetermine empfahl. Das offene Ohr der mitfühlenden Frau, die Aussicht auf eine Schwangerschaft mit ausreichender Gesundheitsvorsorge und die beständige Unterstützung durch ihre Mutter gaben Nur Kaida neuen Mut. Sie besuchte die Gesundheitsstation noch vier Mal für Vorsorgeuntersuchungen und erhielt auch ansonsten im gesamten Schwangerschaftsverlauf Unterstützung durch unsere Partner vor Ort. Als die Geburt schließlich begann, wurde ein Transport ins Hope-Krankenhaus ermöglicht, wo sie ihren zweiten Sohn ohne Komplikationen auf die Welt bringen konnte.

„Such dir Hilfe, wenn du sie brauchst, und unterschätze niemals deine eigenen Fähigkeiten.“

Nur Kaida und ihre Mutter sind sehr dankbar für die Unterstützung durch Gonoshasthaya Kendra und Malteser International. Der kleine Mohammad Nasar konnte gesund und von einer durch Hilfe und Zuspruch gestärkten Mutter zur Welt kommen. Inzwischen ist er etwa zwei Jahre alt und Nur Kaida ist weiterhin entschlossen, das Beste aus ihrem Leben im Camp zu machen – für ihre Eltern, ihre Jungs und sich. Neben anderen Dingen fehlt es der Familie dafür vor allem an Geld. Die ohnehin schon großen Hindernisse für sie als Geflüchtete und Frau, Arbeit zu finden, werden durch ihre Behinderung noch verstärkt. Nur Kaidas Traum ist deshalb eine eigene Nähmaschine. Sie ist eine gute Schneiderin und könnte mit zuhause selbst hergestellten Kleidungsstücken ihre Familie finanziell unterstützen. Sie wünscht sich außerdem Weiterbildung, denn sie möchte etwas lernen, was sie stark genug macht, um die sozialen Barrieren zu durchbrechen und ein selbstbestimmteres Leben zu führen. Vorläufig jedoch könnte nur ihr Ehemann der Familie mehr finanzielle und soziale Stabilität verschaffen, und sie wünscht sich daher dringend, dass er dauerhaft zur Familie zurückkehrt.

Viele Frauen in den Flüchtlingscamps und weltweit befinden sich in ähnlichen Lebenssituationen wie Nur Kaida. Sie dürfen oder können mangels Zugangs zu ausreichender Bildung und aufgrund der limitierten Möglichkeiten in den Flüchtlingscamps keiner Arbeit nachgehen, und sind deshalb vollständig auf die Unterstützung durch Hilfsorganisationen, ihre Ehemänner oder andere Männer der Familie angewiesen. Nur Kaida möchte anderen Frauen in ihrer Situation gerne sagen: „Bleib stark und lass dich niemals durch deine Lebensumstände definieren. Such dir Hilfe, wenn du sie brauchst, und unterschätze niemals deine eigenen Fähigkeiten. Mit Entschlossenheit und Unterstützung kannst du Schwierigkeiten überwinden und eine bessere Zukunft für dich und deine Kinder schaffen.“

Nur Kaidas Geschichte steht stellvertretend für die zahlloser Frauen, die aus Myanmar fliehen mussten. Mit Ihrer Spende helfen Sie Frauen und Müttern in Not, die Unterstützung zu finden, die sie brauchen, um in schwierigen Situationen wieder Fuß im Leben zu fassen.

(November 2023)

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Unsere Arbeit in Bangladesch

Um die Bedingungen in den Flüchtlingscamps zu verbessern, ist Malteser International seit Beginn der Krise in Bangladesch vor Ort und leistet in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Hygiene und Ernährung wichtige Hilfe für Flüchtlinge und Gastgemeinden. Dank der finanziellen Unterstützung durch das Auswärtige Amt und Aktion Deutschland Hilft e.V. sind wir in der Lage, den Betrieb von drei Gesundheitsstationen der bangladeschischen Organisation Gonoshasthaya Kendra (GK) zu ermöglichen. Neben der umfassenden Finanzierung der Gesundheitsstationen unterstützen wir in der Implementierung sowie der administrativen und technischen Abwicklung des Projekts, um die Kapazitäten unserer Partnerorganisation zu stärken und die Qualität der Hilfe sicherzustellen.

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