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#MomentsOfHome: „Mein Herz, mein Geist und meine Seele sind noch in Myanmar.“

„Wenn wir mit der Familie zusammensitzen, dann reden wir über unsere Heimat in Myanmar. Es ging uns gut: Wir hatten Land, ein schönes Haus und ein eigenes Auto. Ich denke immer an unser Haus, das abgebrannt ist“, berichtet Shakiya, die im August 2017 aus ihrer Heimat Tong Bazar im Westen Myanmars flüchten musste. Hunderttausende Angehörige der muslimischen Minderheit Rohingya flohen im Herbst 2017 vor gewaltsamen Übergriffen auf ihre Familien über die Grenze. 

Heute lebt die 35-Jährige gemeinsam mit ihrer Familie – sieben Schwestern und zwei Brüdern mitsamt ihren Familien – im Flüchtlingslager Kutupalong im Distrikt Cox’s Bazar, Bangladesch. Sie sieht hier für ihre Familie keine Zukunft: „Meine Kinder gingen in die Schule. Wenn ich daran denke und sehe, wie die Kinder der Einheimischen in die Schule gehen, werde ich traurig. Unser Leben ist fast vorbei, aber dass die Zukunft meiner Kinder auf dem Spiel steht, das macht mich fürchterlich traurig. Wir wollen zurück nach Myanmar.“

Ein Dach über dem Kopf ersetzt keine Heimat

Die Menschen in dem weltweit größten Flüchtlingslager erhalten eine Unterkunft, Essen, medizinische Versorgung. Sie können leben, aber ist das genug? „Wir haben hier im Flüchtlingscamp genug zu Essen. Das ist gut, aber es lässt unseren Geist nicht zur Ruhe kommen. Ich fühle mich hier nicht Zuhause. Zuhause, das ist meine Heimat in Myanmar“, sagt auch Jamalida, die ebenfalls aus Myanmar geflüchtet ist und als Freiwillige in der Verwaltung für Gonoshasthaya Kendra (GK), die Partnerorganisation von Malteser International in Bangladesch, arbeitet.

Malteser International unterstützt die Versorgung der Menschen in den Flüchtlingslagern und den umliegenden Gastgemeinden in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Hygiene und Ernährung. Über die lokale Partnerorganisation GK versorgen wir zudem die Menschen in drei Gesundheitszentren, insbesondere werdende Mütter und Neugeborene. Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist darüber hinaus die psychosoziale Beratung für die Menschen, die schlimmes erlebt haben und unter dem Verlust ihrer Heimat leiden.

Nach Hause: Eine echte Perspektive?

Vier Jahre sind seit dem Massenexodus der Rohingya aus Myanmar vergangen. Trotz der teilweise traumatischen Erlebnisse der Vertreibung wollen die Menschen zurück in ihre alte Heimat. Eine Rückkehr ist derzeit jedoch keine Option. Zwar wurde im November 2017 ein Abkommen zwischen Myanmar und Bangladesch geschlossen, das die Rückkehr der Geflüchteten regeln soll, doch bislang fehlen wichtige Voraussetzungen, wie beispielsweise die Anerkennung der Rohingya als Staatsbürger Myanmars. Die jüngsten Entwicklungen in Myanmar lassen die Perspektive auf eine Rückkehr einmal mehr in weite Ferne rücken.

„Wir vergessen unser Zuhause nicht“, sagt Iman Hamidur Rahman. „Wenn wir zum Markt gehen, um einzukaufen und die Häuser und umliegenden Gärten sehen, denken wir an unsere Heimat. Dann können wir nicht aufhören zu weinen. Mein Herz, mein Geist und meine Seele sind noch in Myanmar. Gerade habe ich Papaya-Bäume voller Früchte gesehen und habe Heimweh. Es erinnert mich an Zuhause, dort konnten wir so viele Früchte nehmen und essen wie wir wollten. Das geht hier nicht.”

(November 2021)

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