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Eine Reise in die Vergangenheit Kambodschas

Im Oktober war unsere Kommunikationsassistentin Maria Claudia Hacker für drei Wochen zu Besuch an unseren Projektstandorten in Kambodscha. Dabei hat sie auch die Provinz Oddar Meanchey besucht. 1997 kam es dort zu Unruhen, woraufhin zahlreiche Menschen über die Grenze nach Thailand flohen. Nach ihrer Rückkehr im Jahr 1999 wurden sie durch den Malteser Hilfsdienst und später durch Malteser International in der Provinz Oddar Meanchey medizinisch versorgt. Maria erzählt uns von ihren Eindrücken und einer Reise, die sie in eine unsichere Vergangenheit versetzte. 

Die Fahrt von Siem Reap nach Oddar Meanchey dauert zwei Stunden mit dem Auto. Vor einigen Jahren hätte diese Fahrt noch mehr als doppelt so lange gedauert. Foto: © Malteser International

„Guten Morgen! Bist du bereit?”, grüßt mich Thoeuth, der Fahrer. Ich steige ein und weiß nicht, wie bereit man für die bevorstehenden Tage sein kann, in denen ich die Umstände der Flucht nach Thailand und der Zeit in den Camps durch Gespräche mit ehemaligen Flüchtlingen hautnah miterleben werde. Zwei Stunden später kommen Thoeuth, der Jeep und ich in Samraong an, einer kleinen Stadt mit Dorfcharakter im Norden des Landes, nur wenige Kilometer von der thailändischen Grenze entfernt. Wir stehen vor dem Büro der Cambodian Health and Human Rights Alliance (CHHRA), einer Partnerorganisation von Malteser International. Seit ihrer Gründung im Jahr 1995 setzt sich CHHRA für die bedürftigen Menschen in der Provinz Oddar Meanchey ein.

Flucht nach Thailand

Im Büro der Organisation treffe ich den Programm-Manager Heng Kim Noeum, der mich die nächsten Tage begleiten und mir die historischen Orte zeigen wird. Schon im Gespräch mit ihm versetze ich mich mental ins Jahr 1997, als die Menschen nach neu aufflammenden Unruhen nach Thailand flohen. Noeum erzählt mir davon, wie er damals mit seiner Familie, zunächst in einem Tempel Schutz fand und überlebte. Doch kurz darauf verließen auch sie das Land und wurden in einem Lager für kambodschanische Flüchtlinge in Thailand, nur sechs Kilometer von der Grenze entfernt, aufgenommen. Im Lager verspürte der damals 17-Jährige Noeum den starken Wunsch Englisch zu lernen, um so als Mittler zwischen seinen Landsleuten und den anwesenden Hilfsorganisationen zu dienen. Und schon bald traf er auf die Kollegen vom Malteser Hilfsdienst, die die Menschen im Camp medizinisch versorgten. Sie brauchten ihn dringend als Dolmetscher. Noeum arbeitete bis zum Jahr 2010 für den Malteser Hilfsdienst und Malteser International, dann wechselte er zu CHHRA.

Rückkehr, Malaria und eine mobile Klinik

Offene Tore am Grenzübergang nach Thailand. Foto: © Malteser International

Am nächsten Tag fahren Noeum und ich bis zum Grenzübergang. Entlang der geteerten Straße sehen die einzelnen Häuser alle exakt gleich aus. „Da haben früher die Soldaten mit ihren Familien drin gewohnt”, klärt Noeum mich auf. Die Fahrt löst viele Erinnerungen in ihm aus, gute wie schlechte. „Wir sind den Weg über die Grenze zu Fuß gegangen und hatten kaum etwas mitgenommen. Nur einige wenige hatten einen Motoroller.” Das war im Jahr 1997. Zwei Jahre später war das Bild entlang dieser Straße ein anderes. Der Krieg war beendet und die Menschen waren nun wieder auf dem Weg zurück in ihre Heimat. „Entlang der 40 Kilometer dieser Straße haben die Kollegen vom Malteser Hilfsdienst die Menschen medizinisch versorgt. Malaria war hier das größte Problem, denn das alles hier war Waldfläche. Die Moskitos brüteten in jeder noch so kleinen Pfütze. Wir haben dann kurzerhand eine mobile Klinik eingerichtet.” Noeum spricht im Plural, da er damals Teil des Teams vom Malteser Hilfsdienst war und im Labor die Blutproben auswertete. Heute steht hier kaum noch ein Baum und wir begegnen kaum einem Menschen.

Stärkung der Strukturen

Der Leiter der Gesundheitszentrums Chhouk untersucht auch selbst Patienten. Der Fokus liegt in dieser Region auf der Gesundheit von Mutter und Kind. Foto: © Malteser International

Die mobile Klinik blieb nur wenige Monate bestehen. Im Jahr 2003 errichtete Malteser International ein Gesundheitszentrum und bildete in ihm Krankenhelfer und Hebammen aus. 2010 wurde das Zentrum dann an die staatlichen Strukturen übergeben und ist heute weiter  in Betrieb. „Früher waren wir das einzige Gesundheitszentrum in der Umgebung und mussten täglich viele Fälle von Dengue-Fieber behandeln. Heute kommen im Schnitt nur noch neun Patienten pro Tag. Die meisten haben eine Lungenentzündung. Hier wird nämlich häufig der Müll mit Holzkohle verbrannt”, erklärt mir Lyvoeun Kuy, der Leiter der Einrichtung. Auf die Frage, was dem Zentrum fehle, antwortet er: „Einen eigenen Krankenwagen! Zurzeit teilen wir uns nämlich einen mit zehn weiteren Gesundheitszentren.”

Nachhaltige und freiwillige Hilfe

Auf das Malaria-Projekt im Jahr 1999 folgten mehrere Projekte im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit (von 2006 bis 2015) und von 2009 bis 2012 hat Malteser International eine gemeinschaftliche Krankenversicherung für die besonders bedürftige Bevölkerung auf dem Land etabliert.

Die Malteser haben in der Provinz Oddar Meanchey bis heute ihre Spuren hinterlassen. Wir fahren durch kleine Orte, in denen an fast jeder Hauswand, an Brunnen und Wassertanks das Malteser-Logo zu sehen ist. In vielen Dörfern gibt es freiwillige Gesundheitshelfer, die von Malteser International geschult wurden und nun als wertvolle Mittler zwischen den Gesundheitseinrichtungen und den Dorfbewohnern agieren. 

Mittlerweile haben Partnerorganisationen wie CHHRA hier das Zepter übernommen: Geholfen wird nun national und lokal. Und so sind die Menschen in Oddar Meanchey, Schritt für Schritt in der Lage sich selbst zu helfen und sich ihre Zukunft aufzubauen.

02. November 2017, Maria Claudia Hacker

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