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„Ich dachte, ich hätte als Mutter versagt“

Malteser International unterstützt an Tuberkulose erkrankte Kinder und ihre Familien

Mi Tuehs Sohn ist an Tuberkulose erkrankt. Foto: Malteser International

Über ein Jahr lang war der zweijährige Ar Jua schon krank, bevor er die Diagnose Tuberkulose erhielt. Seine 30-jährige Mutter Mi Tueh verzweifelte an der Situation, sie konnte ihrem Sohn nicht helfen. „Immer wieder hatte er Fieber und nachts Schweißausbrüche“, erzählt sie. „Ich konnte nicht mehr schlafen. Alle paar Stunden stand ich in der Nacht auf, um zu schauen, ob er noch atmet.“ Die Sorge wuchs ins Unermessliche. Erst als Mi Tueh an einem Gesundheitstraining von Malteser International zur Vorbeugung und Früherkennung von Tuberkulose teilnahm, war Hoffnung auf eine Heilung für Ar Jua in Sicht.

„Es wäre fast zu spät gewesen“

Mi Tueh und ihr Ehemann sind Kleinbauern. In ihrem kleinen Dorf Tin Htet in der Nähe von Kengtung, einer Stadt ganz im Osten Myanmars, leben sie vom Reis- und Gemüseanbau. Es sind abgelegene Regionen wie diese, in denen die Infektionsrate von Tuberkulose besonders hoch ist. Von den Fortschritten, die in der Behandlung der Krankheit in den Städten erzielt werden, bekommen die Dörfer kaum etwas mit. In nur wenigen anderen Ländern gibt es daher mehr an Tuberkulose erkrankte Menschen als in Myanmar. Das Leben in den ländlichen Gebieten ist von Armut geprägt. Viele Menschen können sich keine ausgewogene Nahrung leisten und sind deshalb leicht anfällig für Krankheiten. Erkrankt ein Familienmitglied, stellt dies die Angehörigen vor große finanzielle Herausforderungen. Die Fahrtkosten in das nächstgelegene Krankenhaus sind meist nicht zu stemmen. Gemeinsam mit dem nationalen Tuberkulose-Programm arbeitet Malteser International daran, die Ausbreitung von Tuberkulose in der Region durch Prävention und Behandlung einzudämmen. Die Mitarbeiter klären über die Übertragung von Tuberkulose auf und unterstützen besonders bedürftige Familien während der umfassenden Tuberkulose-Behandlung sowohl finanziell als auch mit Nahrungsmitteln.

Mi Tueh erinnert sich noch genau an das erste Treffen mit den Mitarbeitern von Malteser International. „Fast wäre ich nicht zu dem Gesundheitstraining gegangen“, erzählt sie. „Unser Dorfvorsteher hatte uns gebeten, zu dem Treffen zu gehen, aber ich hatte an diesem Tag so viel Arbeit auf dem Feld. Zum Glück bin ich schließlich doch hingegangen. Nach dem Training wurde mein Sohn untersucht. Dabei fanden die Ärzte heraus, dass er Tuberkulose hat.“ Sie schaut zu Ar Jua, der still auf ihrem Schoß sitzt. „Es wäre fast zu spät gewesen“, sagt sie zitternd. „Wäre ich an jenem Tag nicht gegangen, dann hätte ich nie herausgefunden, dass es Tuberkulose ist. Wahrscheinlich säße Ar Jua dann heute nicht auf meinem Schoß.“

Malteser International unterstützt von Tuberkulose betroffene Familien. Foto: Malteser International

Aufklärung, Früherkennung und Behandlung

„20 Prozent aller an Tuberkulose erkrankten Menschen in der Kengtung Region sind Kinder“, berichtet Sai Kham Kyaut, medizinischer Mitarbeiter bei Malteser International in Kengtung. „Obwohl Kinder zu den gefährdeten Gruppen gehören, wird die Krankheit bei ihnen seltener diagnostiziert. Ein Grund dafür ist, dass sie weniger Auswurf produzieren – ein leicht zu erkennendes Symptom für Tuberkulose. Die Früherkennung der Krankheit ist immens wichtig. Nur so kann eine rechtzeitige Behandlung sichergestellt und die Verbreitung eingedämmt werden.“

Nach der Diagnose verordneten die Ärzte von Malteser International dem kleinen Ar Jua eine sechsmonatige Behandlung in Kengtung. Alle zwei Wochen fuhren Mi Tueh und Ar Jua in das 40 Kilometer entfernte Krankenhaus. Malteser International bezuschusste diese Fahrten. „Die 20.000 Kyats im Monat haben uns unglaublich geholfen. Alleine hätte meine Familie die Kosten niemals tragen können.“ Zusätzlich zu der finanziellen Hilfe erhielt Mi Tuehs Familie Nahrungsmittel, um die während des Heilungsprozesses so bedeutende ausgewogene Ernährung sicherstellen zu können.

Ar Jua ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. Seine Behandlung ist fast abgeschlossen. Mi Tueh hat endlich wieder einen Grund zu lächeln. „Ich dachte, ich hätte als Mutter versagt“, sagt sie. „Es bereitet mir so viel Freude zu sehen, dass er nun wieder genügend Kraft zum Spielen und Lachen hat.“ Mi Tueh wünscht sich nur das Beste für ihren Sohn. „Ich hoffe, dass er gesund bleibt und zur Schule gehen kann, damit er später einmal einen guten Job findet. Er möchte aber wohl lieber Fußballer werden“, lacht sie und zeigt auf das Trikot, das er trägt. „Vielleicht wird er ja ein erfolgreicher Fußballspieler. Für mich wäre das ok.“

Malteser International ist seit 1996 in Myanmar aktiv. Mehr als 350 lokale Mitarbeiter arbeiten in den Staaten Rakhine, Shan und Kayin. Ziel ist die Stärkung der schwächsten Gemeinden in abgelegenen Gebieten. Malteser International kümmert sich um Verbesserungen in der Basisgesundheitsversorgung, dem Zugang zur Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung und engagiert sich außerdem in der Katastrophenvorsorge und Nothilfe bei akuten Naturkatastrophen.

März 2018, Michael Etoh

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