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Erneute Suche nach Sicherheit: Zum zweiten Mal vertrieben in der Ukraine

Als am 24. Februar 2022 die ersten Bomben über Mariupol fielen und Darya und Stanislav von den Explosionen um fünf Uhr morgens geweckt wurden, kamen bei ihnen sofort die Erinnerungen wieder hoch. Erst 2014 war das Ehepaar vor den russischen Angriffen aus Donezk, im Osten der Ukraine, mit ihrem zweijährigen Sohn Bogdan nach Mariupol geflohen. Damals hatte die russische Armee Städte im Osten der Ukraine angegriffen und letztendlich die Krim annektiert. Bis 2022 kam es entlang der sogenannten Kontaktlinie im Donbass immer wieder zu Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee, die im Februar 2022 im Angriffskrieg Russlands auf weite Teile der Ukraine gipfelten.

Neue Heimat in Mariupol von kurzer Dauer

Nachdem Familie Darya und Stanislav sich 2014 in Mariupol in Sicherheit gebracht hatte, begannen sie damit, sich dort ein neues Leben aufzubauen. Sie eröffneten zwei Restaurants – ihr zweiter Sohn Maksym wurde in Mariupol geboren. Am 24. Februar 2022 holte der Krieg sie erneut ein – ein wahrgewordener Alptraum.

Für Darya war an diesem Tag sofort klar, dass sie ihre Söhne, den zehnjährigen Bogdan und den sechsjährigen Maksym, in Sicherheit bringen muss. „Wenn wir heute nicht gehen, dachte ich, kommen wir hier nicht mehr lebend raus“, berichtet sie. In einem Zug, mit zehn anderen Personen im Abteil, machte sich die Familie in Richtung Westen auf. Die Stadt Lviv, 80 Kilometer vor der polnischen Grenze, war ihr Ziel. Dort erhofften sich Darya und Stanislav Schutz für ihre Kinder und für sich. „20 Stunden waren wir mit dem Zug unterwegs. Wir hatten nur das Notwendigste dabei, etwas Kleidung, Lebensmittel und Wasser. Mein Mann musste die ganze Zeit auf dem Gang stehen.“

 

Am Bahnhof in Lviv empfingen Mitarbeitende der Malteser Ukraine die Familie und versorgten sie zunächst mit einer warmen Mahlzeit und Getränken. „In den ersten Wochen des Krieges war es in der Ukraine bitterkalt. Wochenlang lagen die Temperaturen unter null und immer wieder schneite es. Es war wichtig, dass wir als Malteser schnell reagierten und so richteten wir neben der direkten Versorgung am Bahnhof Notunterkünfte für die Geflüchteten ein“, berichtet Pavlo Titko, Leiter der Malteser Ukraine in Lviv. Denn viele Geflüchtete, wie die Familia von Darya und Stanislav, wollten die Ukraine nicht verlassen und suchten stattdessen im Westen des Landes Schutz.

Endlich angekommen

In einer der Unterkünfte fand auch die Familie von Darya und Stanislav eine vorläufige Bleibe. Zu viert teilten sie sich dort ein Zimmer. „In Lviv fühlen wir uns endlich sicher. Die Stadt ist uns ans Herz gewachsen. Die Freiwilligen in unserer Notunterkunft sind wie unsere Paten. Dank der Menschen hier spüre ich das Leben wieder und habe erkannt, dass ich hier sein will, dass ich ein zweites Mal versuchen will anzukommen und etwas Neues aufzubauen – um der Kinder und unserer Zukunft willen“, sagt Darya.

Mittlerweile haben Darya und Stanislav erneut ein Restaurant eröffnet: Ein Sushi-Lokal mitten in der Stadt. Aufgeben ist für sie keine Option. Darya träumt davon, dass der Krieg bald wieder vorbei sein wird und sie und ihre Familie endlich richtig ankommen können, ohne Angst und mit Perspektiven: „Ich bin es so leid, fliehen zu müssen, uns retten zu müssen und ständig Angst zu haben. Ich will einfach nur leben. In der Ukraine“, sagt Darya.

 

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