Mit Klarheit durch den Wandel: Kees Zevenbergen im Gespräch über 2026
2026 steht Malteser International vor der Herausforderung, sich in einer humanitären Landschaft zu behaupten, die von schnellen Veränderungen, zunehmenden Krisen und knapper werdenden Ressourcen geprägt ist. Im Gespräch erläutert Programmdirektor Kees Zevenbergen seine Vision für 2026 und zeigt auf, wie sich die Organisation anpasst, Innovationen vorantreibt und auch in herausfordernden Zeiten eine zentrale Rolle in der humanitären Hilfe übernimmt.
Mit welchen Vorsätzen starten Sie ins Jahr 2026 und wie prägen diese Ihre Arbeit bei Malteser International?
Kees Zevenbergen: Konkrete Vorsätze für 2026 habe ich nicht gefasst. Die Welt verändert sich derzeit so rasant, dass ich das für wenig zielführend halte. Wir stehen global gesehen vor einem „humanitären Neustart“. Unser humanitärer Sektor erlebt historische Engpässe bei der Finanzierung, Herausforderungen in der Koordination und eine Legitimationskrise. Was ich mir daher für 2026 vornehme, ist mit einem offenen Blick und wachen Geist genau diesen Veränderungen zu begegnen. Mein Ziel ist es, Malteser International dabei zu unterstützen, diesen Wandel erfolgreich zu meistern und als relevanter und wirksamer Akteur in der humanitären Hilfe zu bestehen. Im Kern geht es darum, ein schnelleres, flexibleres, transparenteres und lokal verankertes System zu schaffen, das heute und in Zukunft wirkungsvoll helfen kann. Menschen in Not weltweit bleiben im Fokus unserer Arbeit. Sie sind es, die die Mittelkürzungen unmittelbar und am eigenen Leib spüren. Daher entwickeln wir uns kontinuierlich weiter, um ihnen dennoch die bestmögliche Hilfe zu bieten.
"Menschen in Not weltweit bleiben im Fokus unserer Arbeit. Sie sind es, die die Mittelkürzungen unmittelbar und am eigenen Leib spüren. Daher entwickeln wir uns kontinuierlich weiter, um ihnen dennoch die bestmögliche Hilfe zu bieten."
- Kees Zevenbergen, Programmdirektor, Malteser International
Was sind Ihre Hauptprioritäten als Programmdirektor für Malteser International in diesem Jahr?
Kees Zevenbergen: Um in einer sich wandelnden Welt relevant zu bleiben, muss Malteser International höchste Qualitätsstandards halten und gleichzeitig die finanzielle Unabhängigkeit weiter ausbauen. Unsere Schwerpunkte für 2026 liegen besonders dort, wo wir als Organisation unsere Stärken haben – zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene sowie Nothilfe. Parallel dazu arbeiten wir ständig daran, unsere Abläufe effizienter zu gestalten und innovative, bedarfsgerechte Leistungen für Menschen in Not zu erbringen. Gleichzeitig ist es von größter Bedeutung, dass Malteser International ein guter Arbeitsplatz für unsere engagierten Mitarbeitenden bleibt, die mit diesen Unsicherheiten umgehen und sich in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen an die Veränderungen anpassen müssen. Die Unterstützung unseres Teams ist entscheidend, damit sie weiterhin herausragende humanitäre Arbeit leisten können.
Worauf freuen Sie sich trotz aller Herausforderungen am meisten im Jahr 2026 – beruflich und innerhalb der Organisation?
Kees Zevenbergen: Ich freue mich besonders auf die enge Zusammenarbeit mit all unseren Kolleginnen und Kollegen, um gemeinsam die anstehenden Veränderungen erfolgreich zu meistern. Nur durch echten Austausch und ein Miteinander können wir uns anpassen und zugleich unsere Einheit als Organisation bewahren. Außerdem freue ich mich auf zahlreiche Besuche bei unseren Teams und Partnern vor Ort, die mit den Menschen arbeiten, die wir unterstützen. Die Realitäten von Menschen in Krisengebieten zu erleben, unsere Projekte in Aktion zu sehen und mit den Menschen vor Ort in direkten Austausch zu treten – all das erfüllt meine Arbeit mit Sinn.
Auf welche Themen wird Malteser International 2026 besonders den Fokus legen?
Kees Zevenbergen: Alle Regionen, in denen wir Hilfe leisten können, liegen uns sehr am Herzen. Dennoch wird der Nahe Osten in der kommenden Zeit ein zentraler Schwerpunkt sein. Als Hilfswerk des Souveränen Malteserordens haben wir dort tiefe Wurzeln und können einen bedeutenden Unterschied machen. Die Lage dort wird weiterhin hoch volatil bleiben. Das bedeutet, dass unser Engagement dort sowohl dringlich als auch besonders wichtig ist – insbesondere im Libanon, in Syrien und in Gaza. Im Libanon beispielsweise wird Malteser International in diesem Jahr gemeinsam mit unserem langjährigen Partner, dem Ordre de Malte Lebanon, unser bislang größtes Maßnahmenpaket starten.
Welche Botschaft möchten Sie der Malteser International Community und allen Unterstützenden zum Jahresbeginn mitgeben?
Kees Zevenbergen: Malteser International kann und wird so lange ein engagierter Akteur für Menschen in Not bleiben, wie wir gemeinsam an unsere Mission glauben und bereit sind, Zeit, Engagement, Kreativität und Energie in unsere Arbeit zu investieren – und solange unsere Unterstützerinnen und Unterstützer uns weiterhin die Treue halten. Gemeinsam bewirken wir einen echten Unterschied im Leben der Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Das lohnt sich!
(Januar 2026)