EN | DE | FR
Jetzt Spenden

Was ist Psychosoziale Unterstützung?

Die Psychosoziale Unterstützung will traumatisierte Menschen zurück in ein eigenständig geführtes Leben begleiten. Mit Experten aus der humanitären Nothilfe, der Sozialen Arbeit sowie der Psychotherapie bieten wir Betroffenen verschiedene Dienste an.  

Konflikte und Katastrophen verändern das Umfeld von Menschen schwerwiegend. Die Veränderungen können die betroffenen Menschen existenziell, sozial und psychisch nachhaltig belasten. 

Der Verlust eines nahestehenden Angehörigen zum Beispiel oder auch ein Job- und Einkommensverlust kann für viele Menschen erschütternd sein. Bei gewaltsamen Konflikten und Katastrophen sind zusätzlich auch die Zerstörung des eigenen Heims und schwere Verletzungen, die eine Amputation nach sich ziehen, nicht selten. Einige Mädchen und Frauen haben sexuelle Gewalt erfahren. Kinder und Jugendliche mussten ihren Schulbesuch abbrechen und haben im schlimmsten Fall ihre Eltern und Geschwister verloren.

Die Psychosoziale Unterstützung hilft Menschen, mental gesund zu bleiben

Nach einer Flucht in einer neuen Umgebung anzukommen und dort Fuß zu fassen ist schwierig, während das Leben aber weitergehen muss. Mit den verschiedenen Angeboten aus dem Konzept der Psychosozialen Unterstützung helfen wir Betroffenen, trotz schockierender Erlebnisse mental gesund zu bleiben. Ihre mentale Gesundheit ist die wichtigste Basis für Betroffene, um ihr Leben auch aus der Not heraus wieder selbst in die Hand nehmen zu können. 

Die 4 verschiedenen Bedarfsebenen der Psychosozialen Unterstützung

Die Psychosoziale Unterstützung teilt die Bedürfnisse traumatisierter Menschen in 4 Bedarfsebenen ein. Auf jede Ebene reagiert sie mittels verschiedener Interventionen:

Die Psychosoziale Unterstützung hat die mentale Gesundheit traumatisierter Menschen im Fokus und adressiert sie auf 4 Ebenen. Heilende und stärkende Angebote auf einer Bedarfsebene wirken gleichzeitig präventiv: Sie können die Anzahl der Menschen, die weitergehende Hilfen auf der nächsten Bedarfsebene benötigen, reduzieren. Grafik: Malteser International

1. Bedarfsebene: Sicherung existenzieller Grundbedürfnisse

Nach Konflikten, Vertreibungen und Katastrophen adressieren wir in der ersten Bedarfsebene zunächst die existenziellen Grundbedürfnisse der Betroffenen. Was möglicherweise zerstört wurde, können wir nicht vollständig ersetzen. Aber wir lindern die akute existenzielle Not mittels humanitärer Nothilfe: Die Menschen kommen in Notunterkünften unter und erhalten wichtige medizinische Versorgung und Medikamente. Verletzte werden, wenn nötig, operiert. Wir versorgen die Betroffenen mit sauberem Trinkwasser und warmen Mahlzeiten sowie mit Decken und Kleidung. Unsere WASH-Experten errichten Sanitäreinrichtungen wie Toiletten und Duschen.

Die humanitäre Nothilfe richtet sich in der Regel an alle Menschen, die von einer Katastrophe gleichermaßen existentiell betroffen sind.

2. Bedarfsebene: Wiederherstellung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der sozialen Teilhabe

Für ein Leben in Würde und Gesundheit müssen Menschen auch ihre wirtschaftlichen und sozialen Grundbedürfnisse stillen können. So vielfältig, wie diese ausfallen, sehen auch die Hilfsangebote aus.

Nach Katastrophen haben Familienangehörige sich häufig verloren. Die Suche nach Kindern, Geschwistern und Eltern ist im Rahmen der Familienzusammenführung eine wichtige Aufgabe innerhalb der zweiten Bedürfnisebene der psychosozialen Unterstützung.

Die Möglichkeit verstorbene Angehörige würdevoll zu bestatten ist gerade unmittelbar nach Katastrophen und gewaltsamen Vertreibungen ein wichtiger Dienst im Rahmen der Psychosozialen Unterstützung.

Haben Betroffene ihre familiären Netzwerke wiederhergestellt, steht in vielen Fällen die Wiederherstellung ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und sozialen Teilhabe an.

Kinder benötigen einen sicheren Raum, um sich spielend und lernend entwickeln zu können. Schüler müssen ihren Schulunterricht fortsetzen und benötigen Freizeitangebote, damit sie sich ablenken und weiterentwickeln können, während Erwachsene Geld verdienen müssen. Jugendliche brauchen eine Berufs- oder Fachausbildung, um sich für eine Arbeit zu qualifizieren. Menschen, denen Unrecht wiederfahren ist, benötigen rechtlichen Beistand

In der zweiten Bedarfsebene bietet das Konzept der Psychosozialen Unterstützung eine Vielfalt an sozialen Beratungs- und Betreuungsangebote an. Dazu gehören zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Jugendtreffs, einkommenschaffende Maßnahmen, Berufsausbildungen und Rechtsberatungen.

Indem wir den Menschen auf ihrer individuellen Ebene helfen, ebnet die Psychosoziale Unterstützung auch den Weg für positive Entwicklungen auf der gemeinschaftlichen Ebene: Mit dem Hilfe-zur-Selbsthilfe-Ansatz entstehen Gemeinschaftsstrukturen. Indem die Menschen Erlerntes an die Gemeinschaft weitergeben, werden sie zu Multiplikatoren.

3. Bedarfsebene: Stressbewältigung und Entspannung

Wer Verluste oder Gewalt erfahren musste, hat meist heftigen Stress, Verzweiflung oder tiefe Trauer durchlebt. Ängste und Sorgen lassen es oftmals nicht zu, dass Betroffene wieder Zuversicht und Selbstvertrauen entwickeln können.

Neben den Hilfsangeboten aus der 1. und 2. Bedarfsebene ist auf dieser 3. emotionalen Bedarfsebene vor allem sozialpädagogische Expertise gefragt. Sozialpädagogisch geschulte Mitarbeiter können in geschützten Einzel- und Gruppengesprächen individuell auf die Betroffenen eingehen, um das Erlebte zu verarbeiten.

Zusätzlich können Entspannungskurse wie Yoga oder ausgleichende Freizeitaktivitäten eine starke Stütze in der Verarbeitung von Stress und Trauer bieten.

4. Bedarfsebene: Heilung posttraumatischer Belastungsstörungen

Kriege und Katastrophen sind Extremsituationen, die Menschen nachhaltig traumatisieren können. Auch Monate danach könnenBetroffene unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, die sich u.a. durch schockartige Erinnerungen an die traumatische Situation, durch Schlaflosigkeit oder Angstträume, durch Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit oder durch ausgeprägte Schreckhaftigkeit zeigen.

Die Angebote, die Betroffene aus den vorangegangenen Ebenen 1, 2 und 3 erhalten, reichen manchmal nicht aus, um Traumata zu verarbeiten. Werden posttraumatische Belastungsstörungen jedoch nicht therapiert, können sie Depressionen, Medikamenten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Suizidgedanken, körperliche Beschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben.

Im Idealfall sind Psychotherapeuten oder Psychiater für die Betroffenen da, um mit ihnen individuelle und längerfristig angelegte Therapien zu entwickeln und durchzuführen.

Konflikte und Katastrophen passieren jedoch oft in entwicklungsschwachen Ländern, wo es an professionell ausgebildeten Psychotherapeuten mangelt. Ein direkter Einsatz ausländischer Therapeuten würde jedoch nur dann Sinn machen, wenn die Patienten sich ausreichend gut zum Beispiel auf Englisch verständigen können oder wenn ein sehr guter Übersetzer mithilft.

Auf diese Herausforderung antworten Hilfsorganisationen mit traumatherapeutischen Basisschulungen für lokale Mitarbeiter, die den therapeutischen Bedarf nicht immer ganz abdecken, zumindest aber lindern können.

Psychosoziale Unterstützung durch Malteser International

Im Flüchtlingscamp in Wau in Südsudan haben wir kindgerechte Räume für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren geschaffen. Sie finden hier den Raum, sich spielerisch und in Sicherheit weiterzuentwickeln. Unsere geschulten Sozialarbeiter betreuen die Kinder und Jugendlichen und helfen ihnen dabei sich von den erlebten gewaltsamen Auseinandersetzungen im Südsudan mental zu erholen.

In Nepal bauen wir gemeinsam mit unserem Partner KOSHISH in den zwei Distrikten Kavrepalanchok und Sindhulpalchok ein Netzwerk auf, das aus vielen Gruppen der Gesellschaft besteht. Unsere Sozialarbeiter und Psychologen bilden Allgemeinmediziner, Lehrer, Schüler und Freiwillige darin weiter, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu erkennen und ihnen zu helfen. Neben direkten Hilfsangeboten für Betroffene wollen wir ein gesellschaftliches Klima schaffen, in welchem Menschen mit post traumatischen Belastungsstörungen nicht mehr ausgegrenzt, sondern akzeptiert und respektiert werden. Traditionell sehen sich psychisch erkrankte Menschen in Nepal Diskriminierungen ausgesetzt. Staatlich geförderte Hilfsangebote für sie sind so gut wie nicht vorhanden. Gerade nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2015, das über 8 Millionen Menschen betroffen hat, ist der Bedarf vieler Menschen für eine psychosoziale Unterstützung jedoch enorm.

Lesen Sie mehr über unsere Hilfen im Rahmen der Psychosozialen Unterstützung in der Ukraine, in Thailand  und in Bangladesch.

Nach Konflikten und Katastrophen ist es besonders wichtig von Trauma Betroffene mental zu stärken, damit sie wieder Kontrolle über ihr Leben erlangen können. Spenden Sie jetzt und helfen Sie uns, damit wir helfen können.

Ihr Kontakt

Rebekka Toyka
+49-(0)221-96441-235
Email: rebekka.toyka(at)malteser-international.org

Cordula Wasser
+49-(0)221-96441-230
Email: cordula.wasser(at)malteser-international.org

Unterstützen Sie unsere Projekte mit Ihrer Spende!
Jetzt Spenden