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Unterernährung bei Kindern

In Entwicklungsländern sterben pro Jahr 10,6 Millionen Kinder unter 5 Jahren. Bei 53 % dieser Fälle ist Unterernährung die Todesursache. Rund ein Viertel aller Kinder weltweit ist unterernährt. Dabei ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung gerade in den ersten 1.000 Lebenstagen sehr wichtig. Ohne sie muss eine Verzögerung in der körperlichen und geistigen Entwicklung erwartet werden. Erfahren Sie alles zum Thema Unterernährung bei Kindern: Von der Definition über Diagnose und Symptome bis hin zu Behandlung und Prävention. 

Der BMI als Indikator einer Unterernährung?

Unterernährung ist medizinisch gesehen eine chronische Form der Mangelernährung. Sie entsteht, wenn ein Mensch über einen langen Zeitraum hinweg weniger Energie in Form von Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht.

Ab einem Body Mass Index (BMI) von 18,5 und niedriger gilt ein Mensch als unterernährt. Der BMI wird ermittelt, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße (in Meter) zum Quadrat teilt.

Die Berechnung des BMIs zur Diagnose von Unterernährung ist zwar ein sehr gutes Mittel, weist aber gerade in Situationen, in denen viele Menschen gleichzeitig untersucht werden müssen, einige Nachteile auf. Das Messen und Wiegen vieler Menschen ist zeitaufwändig. Zudem müssen (am besten mehrere) Waagen und Messbänder vorhanden sein und das Personal muss entsprechend geschult werden. Voraussetzungen, die besonders beim Einsatz in Entwicklungsländern nicht immer gegeben sind.

Die Diagnose von Unterernährung bei Kindern mit dem MUAC-Test

Kind in Kenia wird auf Unterernährung getestet
Der MUAC-Test zeigt: Das Kind ist unterernährt. Foto: © African Visuals Media/Malteser International

Mittlerweile ist man für die Diagnose einer Unterernährung bei Kindern auf den "MUAC-Test" übergegangen. Die Abkürzung stammt aus dem Englischen und bedeutet "Middle-Upper-Arm-Circumference", also Umfang des mittleren Oberarmes.

Der Test wird mit Hilfe eines speziell entwickelten Armbandes durchgeführt. Das Armband ist einfach und kostengünstig in der Herstellung. Es wird am Oberarm angelegt, in der Mitte zwischen Ellenbogen und Schulter.

Das MUAC-Band hat drei Bereiche:

  • Grün für einen Armumfang von 12,5 cm bis 21 cm 
  • Gelb für einen Armumfang 11 cm bis 12,5 cm 
  • Rot für einen Armumfang von unter 11 cm

 

Liegt der Armumfang im grünen Bereich, dann ist alles Ordnung. Der gelbe Bereich zeigt eine moderate, der rote eine schwerwiegende Unterernährung an.

Der Test ist schnell und einfach in der Anwendung. Mit ihm kann auch eine größere Gruppe von Kindern schnell untersucht werden. Außerdem kann medizinisches Personal die Anwendung des Tests schnell lernen und dann selbstständig durchführen. Eine Variante des Armbandes für ältere Kinder und Erwachsene ist derzeit in der Entwicklung.

Gesundheitliche Folgen von Unterernährung bei Kindern sind verheerend

Unterernährung lässt Kinder apathisch, lustlos und müde werden
Unterernährung lässt Kinder apathisch und teilnahmslos werden. Foto: © Malteser International

Unterernährte Kinder sind oft zu klein für ihr Alter und zu leicht. Daneben weisen sie vielfach weitere Symptome auf. Sie sind oft schwach, müde und apathisch. In vielen Fällen zeigt sich außerdem eine verzögerte geistige Entwicklung bis zu einer geistigen Behinderung.

Auch körperlich ist eine Unter- oder Mangelernährung bei Kindern zu erkennen. Es zeigt sich eine körperliche Auszehrung in Folge von Mangel von Fett, Eiweiß, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Diese Auszehrung mündet oft in Marasmus, dem Abbau aller Eiweiß- und Energiereserven.

Ein weiteres bekanntes Merkmal ist auch die im Volksmund "Hungerbauch" genannte Vorwölbung des Bauches. Diese Erscheinung heißt medizinisch "Kwashiorkor" und heißt übersetzt "Die Krankheit, die ein Kind bekommt, wenn ein anderes geboren wird". Die Krankheit tritt häufig nach dem Abstillen auf, woher auch der Name der Krankheit rührt. Die Vorwölbung des Bauches entsteht durch Wassereinlagerungen im Bauchraum sowie eine stark vergrößerte Leber.

Unter- und Mangelernährung und das damit oft verbundene geschwächte Immunsystem machen die Menschen außerdem angreifbarer für Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Tuberkulose.

Erdnusspaste hilft bei moderater Unter- und Mangelernährung

Hungerndes Kind isst Zusatznahrung
Durch die Erdnusspaste kommt das unterernährte Kind schnell zu Kräften. Foto: © African Visuals Media/Malteser International

Liegt der MUAC-Test im gelben Bereich oder wiegen Kinder nur etwas 70-80 % des Normalgewichts, sind sie "moderat unterernährt". Diese Kinder können auch mit kalorien- und vitaminreicher Zusatznahrung behandelt werden. 


Als Zusatznahrung eignet sich Erdnusspaste sehr gut, auch unter dem Markennamen „Plumpy Nut“ bekannt. Die Paste besteht aus Erdnussbutter, Öl, Milchpulver und Zucker. Außerdem beinhaltet sie lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe. Auch kleine Kinder können die Paste einfach zu sich nehmen, denn sie muss nicht gekaut werden.

Außerdem ist Erdnusspaste gebrauchsfertig und muss nicht mit Wasser angerührt werden. Das Wasser ist in vielen Gebieten, in denen die Paste zum Einsatz kommt, verschmutzt. Das kann wiederum zu Durchfallerkrankungen führen, die den Ernährungszustand der Kinder weiter verschlechtern.

Ein weiterer Vorteil der Paste ist, dass sie sehr kostengünstig eingekauft oder sogar selbst hergestellt werden kann. Die Kosten für eine einmonatige Behandlung eines Kindes liegen bei nur rund 5 Euro pro Monat. 

So werden Kinder bei akuter Mangel- und Unterernährung behandelt

Die Behandlung akut mangel- oder unterernährter Kinder erfolgt nach einem 10-Punkte Schema, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde. 

 

  • Behandlung von niedrigem Blutzucker mit Glukose. Die Glukose kann oral oder intravenös verabreicht werden.
  • Behandlung von Unterkühlung und Überwachung der Körpertemperatur. Unterkühlung kann ganz einfach mit Decken entgegengewirkt werden. Die Körpertemperatur sollte regelmäßig gemessen und notiert werden.
  • Behandlung von Dehydrierung. Am besten geeignet sind spezielle Lösungen zur Rehydrierung. Hierbei sollte vorsichtig vorgegangen werden, um den Kreislauf nicht zu überlasten.
  • Überwachung des Elektrolyt-Haushalts. Diesen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ist hier das Ziel. Dies kann vor allem durch Gabe von Potassium und Magnesium erreicht werden.
  • Verabreichung eines Breitband-Antibiotikums. Da aufgrund des extrem geschwächten Immunsystems Infekte ohne Symptome vorliegen können, bekommen die Patienten vorsorglich ein Breitband-Antibiotikum. Außerdem werden Kinder bei stabilem Zustand gegen Masern geimpft.
  • Zuführung von Vitaminen und Spurenelementen. Vor allem Vitamin A, Zink, Folsäure und Eisen sind wichtig.
  • Verabreichung von Zusatznahrung. Mit der Ernährung wird zunächst vorsichtig begonnen, um den geschwächten Körper nicht zu überlasten. Es werden kleine, dafür aber mehrere Portionen gegeben, die bei Kindern etwa 100 kcal pro Kilogramm Körpergewicht enthalten sollten. Außerdem sollte genug Flüssigkeit (100-130 ml pro Kilogramm Körpergewicht) verabreicht werden.
  • Kontrolle der Zunahme. Die Zunahme sollte in regelmäßigen Abständen beobachtet werden und idealerweise rund 10 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht innerhalb eines Tages betragen.
  • Schaffen eines positiven und bestärkenden Umfelds. Da Unterernährung oft einen Verzug in der geistigen Entwicklung mit sich bringt, sollte auf ein anregendes und behütendes Umfeld geachtet werden. Wo möglich, sollten Bezugspersonen in die Behandlung einbezogen werden. 
  • Sicherstellen von Überwachung und regelmäßigen Check-Ups. 

Prävention von Unter- und Mangelernährung

Um Mangel- und Unterernährung vorzubeugen, ist es besonders wichtig, Mütter und Familien über gesunde und kindgerechte Ernährung aufzuklären. Dazu zählt zunächst Mütter dazu zu ermutigen, ihr Kind in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Durch das Stillen wird das Kind optimal versorgt und sein Immunsystem kann sich gut entwickeln. Wichtig ist während dieser Zeit natürlich auch die Ernährung der Mütter. In vielen Gegenden, in denen Mangelernährung herrscht, wird traditionell oft zu kohlenhydratreich und zu vitaminarm gegessen. Auf dem Speiseplan stehen Getreide wie Reis oder Hirse, Gemüse oder Obst kommen zu kurz. In Ernährungskursen und Workshops arbeiten wir daran, Müttern zu zeigen, wie sie ihre Ernährung und die der Kinder so gestalten, dass es keine Chance für eine Mangelernährung gibt. In vielen Fällen ergänzen wir diese Kurse auch durch Schulungen in Obst- und Gemüseanbau und Starthilfen in Form von Saatgut oder landwirtschaftlichem Gerät. 

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